Bei der letzten Erhöhung der Gaspreise
im Frühjahr 2006 hatten wir die unserer Meinung nach total überzogenen Preistreibereien
der letzten Jahre mit um fast 40 Prozent gestiegenen Kosten für den Betrieb
unserer
Gas-Heizungsanlage - bei gleichzeitig reduzierten Verbrauch - endgültig satt.
Wir planten deshalb im Herbst 2006 den Umstieg auf CO²-freies Heizen
mittels einer Wärmepumpe, die dem Grundwasser
Wärme entzieht, die in einem Pufferspeicher
zwischengespeichert wird und mit der bei Bedarf sowohl der Warmwasserspeicher
als auch die Fußbodenheizung und die Niedertemperatur-Heizkörper
beschickt werden können.
Da das beabsichtigte Verfahren auf die Grundwasser-Ressourcen
zurückgreift und sichergestellt werden muss, dass nachteilige Auswirkungen auf
dieses Allgemeingut zwingend ausgeschlossen werden, ist eine Nutzung erst nach
Genehmigung durch die Untere Wasserbehörde zulässig. Wir beantragten deshalb
am 17.11.2006 die Erlaubnis zur wasserrechtlichen Nutzung durch den Betrieb
einer Wärmepumpe gemäß §§ 2, 3 und 7 des "Gesetzes zur Ordnung des Wasserhaushaltes"
und fügten unserem Antrag als Anlagen einen Übersichtsplan, einen Lageplan,
eine Anlagenbeschreibung und Angaben zu den geologischen und hydrogeologischen
Verhältnissen ebenso bei wie Angaben zur Lage des geplanten Entnahme- und Schluckbrunnens,
zur Grundwasserfließrichtung, zum Bohrverfahren, zum Ausbau der Brunnen, zur
Abdichtung des Bohrloches und zur Grundwasser-Fördermenge; selbstverständlich
legten wir auch alle technischen Daten der geplanten Wärmepumpe bei. Natürlich
alles in 3-facher Ausfertigung. Die meisten der benötigten Infos beschaffte
uns das mit der Installation beauftragte Unternehmen, das uns auch
bei der Antragstellung behilflich war.
Es ging eigentlich recht flott: am 12.12.2006
erhielten wir den Bescheid der Unteren Wasserbehörde mit der Erlaubnis, "...
mittels
eines Saugbrunnen unbeschadet der Rechte Dritter und unter dem Vorbehalt eines
jederzeitigen Widerrufs Grundwasser zur Betreibung einer Wasserwärmepumpe bis
zu einer Höchstmenge von 6.000 m³/a zutage zu fördern und über einen Schluckbrunnen
in das Grundwasser einzuleiten". Befristet bis zum 31.12.2026 und gegen
Zahlung einer Verwaltungsgebühr in Höhe von 240,00 Euro.
Nun konnten
wir loslegen, schließlich sollte zumindest die Beschaffung aller benötigten
Baugruppen und Anlagenteile möglichst noch vor der Mehrwertsteuer-Erhöhung am
01.01.2007 abgeschlossen sein.
Nach Fertigstellung der Installation informierten wir
dann den Bezirks-Schornsteinfeger, dass es bei uns nichts mehr zu kehren und zu messen
gibt und kündigten beim Energieversorger den Bezug von Gas.
Wir baten das Gas-Versorgungsunternehmen
in Stolberg auch, den Gaszähler kurzfristig zu demontieren. EWV reagierte
prompt und baute den Zähler am ersten Arbeitstag des neuen Jahres aus. Für uns
war mit dem Zählerausbau, dem Erhalt der Schlussrechnung nur zwei Tage später
und den nachfolgenden Erdarbeiten zum Rückbau des Gas-Hausanschlusses die Geschäftsbeziehung
zu EWV beendet. Unser ehemaliger Gaslieferant sah das aber anders: Mitte Januar
klingelte ein Gas-Ableser an unserer Tür wegen der Ablesung des Zählerstandes.
Nach einigem Hin und Her glaubte er unseren Versicherungen, dass der Zähler
ausgebaut und der Vertrag inzwischen erloschen und abgerechnet sei und vermerkte
dies in seinem Ablese-Formular. Am 31. Januar hatten wir wieder Besuch aus Stolberg,
denn da klingelte der nächste Ableser an unserer Tür. ER glaubte unseren Demontage-
und Vertragsende-Erklärungen nicht und trollte sich erst, nachdem er im Keller
zwei offene (Gas?)-Rohre persönlich in Augenschein genommen hatte. Danach
wurden familiäre Wetten abgeschlossen, wann der Kontrolleur des Ablesers bei
uns vor der Tür steht und wann EWV wegen erhöhtem Verwaltungsaufwand die Bezugspreise
für Gas anhebt...
Wetten wurden auch abgeschlossen über
die zu erwartende Kosteneinsparung
durch die neue Wärmepumpen-Heizung:
Die
Mehrheit glaubt an eine Kostensenkung von 50 Prozent.
Bei gleichzeitiger Reduzierung
des CO²-Ausstoßes um 100 Prozent!
Nachfolgend finden Sie eine
Beschreibung der durchgeführten Arbeiten,
am Ende der Seite finden Sie
eine
Verbrauchs- und Kosten-Gegenüberstellung
Gasheizung / Wärmepumpe.

Zum Bohren der beiden Brunnen
engagieren wir die Profis von F + W GeoBohr in Mönchengladbach.
Den Saugbrunnen, der das 12 Grad warme Grundwasser
für die Wärmepumpe liefern soll, lassen wir seitlich vom Haus nahe dem Heizungskeller
im Lockerbohrverfahren mittels Hohlbohrschnecke bohren, der Durchmesser der
Bohrung beträgt 206 Millimeter.

In 11 Metern Tiefe ist das Grundwasser
erreicht.
Bei einer Tiefe von 16 Metern wird die Bohrung für den ersten Brunnen
erfolgreich beendet,
da die nun vorhandene Wassersäule von etwa 5 Metern vollkommen
ausreicht.

Bevor das Bohrgestänge wieder an die Oberfläche
geholt wird,
werden noch die Rohre zur Wasserförderung gemäß DIN 4925 abgelassen,
in die später die Tauchpumpe
eingesetzt werden wird:
im unteren Bereich des Grundwassers werden Filterrohre
verwendet,
darüber werden Vollwandrohre eingebracht.

Den Schluckbrunnen, über den das entnommene
und in der Wärmepumpe auf etwa
9 Grad abgekühlte Wasser wieder dem Grundwasser
zurückgeführt wird,
lassen wir entsprechend der Grundwasserfließrichtung vor
dem Haus bohren.
Auch hier werden wie beim Saugbrunnen PVC-Rohre eingebaut,
allerdings haben die Filterrohre größere Poren,
um eine gute Versickerung
zu gewährleisten.

Mit einem quellfähigen montmorrilonithaltigen
Tonmineral werden nun die Bohrlöcher versiegelt,
damit kein Oberflächenwasser
in das Grundwasser gelangen kann.
Anschließend graben wir die Bohrlöcher
bis zu einer Tiefe von 80 Zentimetern frei,
fertigen die Revisionsschächte
und montieren provisorisch die Brunnenköpfe,
um die Bohrlöcher vor Verunreinigungen
zu schützen.

Einige Tage später folgt der körperlich
anstrengendste Teil der Installation:
die 30 Zentimeter dicken Kellerwände aus
Sperrbeton müssen durchbrochen werden,
um die Verrohrung
von den beiden Brunnen bis in den Heizungskeller verlegen zu können.

Anschließend verkabeln wir die Rohrpumpe, montieren
den Förderschlauch und...

... versenken sie schließlich im Saugbrunnen
bis auf 14 Meter Tiefe.

Nun können die Brunnenköpfe endgültig
montiert
und die flexiblen Kunststoff-Außenverrohrungen hergestellt werden.
Die Wanddurchbrüche
verschließen wir in der Folge sehr sorgfältig,
schließlich soll Wasser nur
durch die Verrohrung in den Keller gelangen.

Es folgen die Innenarbeiten: Das bisherige
Heizkreissystem wird aufgeteilt
und dadurch die Fußbodenheizung von den
Niedertemperatur-Heizkörpern getrennt.
Dann wird die Firma Hoffmann
Solartechnik aus Wassenberg aktiv,
die auch die gesamte Umbaumaßnahme durchgeplant
und organisiert hat:
Montage der neuen
Heizungssteuerung sowie Installation der Innen- und Außenfühler,
der Heizkreispumpen
und der elektrischen Zuleitungen für die Wärmepumpe.

Zwei Tage später ummanteln wir im Keller
einen 500-Liter-Pufferspeicher
mit einer 10 Zentimeter dicken Isolierung und
bereiten dessen Anschlüsse für den Einbau vor.
Er ersetzt den orangefarbenen
Gas-Warmwasserboiler...

... und wird zwischen
dem roten Solar-Brauchwasserspeicher und der alten Gasheizung eingebaut
und
zunächst provisorisch eingeschleift, denn die Lieferung der Wärmepumpe von Waterkotte
verzögert sich...
Deshalb muss nun auch die kleine orangefarbene
Gasheizung länger als geplant in Betrieb bleiben, um den weißen Heizpufferspeicher
und - mangels Sonne - auch den roten Solar-Warmwasserspeicher zu beschicken.
Anfang Dezember wird die Wärmepumpe mit
einer einwöchigen Verspätung geliefert. Nun können wir loslegen. Nachdem die Gasheizung abgebaut und
auf dem Weg zum Schrotthändler ist, wird der 110 Kilo schwere Neuankömmling
vorsichtig in den Keller geschafft und behutsam in den knapp bemessenen
Raum zwischen dem Pufferspeicher und dem nun nicht mehr benötigten Kamin bugsiert.
Anschließend wird die
elektrische Verkabelung fertiggestellt und die Verrohrung von Saug-
und Schluckbrunnen mit der Wärmepumpe verbunden sowie der Vor- und Rücklauf
zum Pufferspeicher
angeschlossen.

Wir waren lange skeptisch gewesen, ob
der Platz der sehr knapp bemessenen Installationsfläche wirklich ausreichen
würde, aber die Detailplanung der Firma Hoffmann
Solartechnik passt haargenau: alle Komponenten sind nun wie vorgesehen untergebracht
und miteinander verbunden. Und das Beste: Heizung und Warmwasseraufbereitung
fielen während der gesamten Umbaumaßnahme nie mehr als 6 Stunden am Stück aus
- im Winter ein sehr wichtiger Aspekt!
Beim Probelauf saugt die Wärmepumpe 12,5 Grad
"warmes" Grundwasser aus dem Saugbrunnen an und übergibt es dem
Schluckbrunnen mit kalten 9 Grad Celsius.
Die entnommene Wärmemenge
reicht dabei locker aus, um mit Vorrang den Brauchwasserspeicher auf 50 Grad
und dann den Heizpufferspeicher auf 40 Grad zu erwärmen - innerhalb von 45 Minuten.
Der Probelauf erfolgt übrigens
ohne größere Probleme, zwei kleine
Undichtigkeiten an der Verrohrung werden durch Nachziehen der Schraubverbindungen behoben. Danach
starten wir den Dauerbetrieb.
FERTIG!!!
Bis auf das Isolieren der Rohre, das
Einhängen der Türen und das
Entlüften der Heizkörper...
Hier die technischen Daten der Wärmepumpe:
|
|
Hersteller: |
Waterkotte |
|
|
|
Typ: |
DS 5011.3 Ni |
|
|
|
Kältemittel: |
R407C |
|
|
|
Betriebsdruck: |
30 bar |
|
|
|
Gewicht: |
110 kg |
|
|
|
Leistungsaufnahme: |
2,1 kW |
|
|
|
Leistungsabgabe: |
12,7 kW |
|
Nachfolgend finden Sie eine Gegenüberstellung
des Energieverbrauchs und der Kosten
unserer Gasheizung im Jahr 2006 und
der Wärmepumpe in den Jahren 2007/2008.


Im Jahr 2007 beliefen sich die Gesamtkosten
für Heizung und Warmwasser auf 301 Euro.
Die
Einsparung gegenüber 2006 betrug exakt 16.094 kWh oder 997 Euro!
Und:
In 2007 hätten wir für die gleiche Menge Gas wie in 2006 wegen Erhöhung der
Abgabepreise und der angehobenen Mehrwertsteuer zusätzliche 95 Euro mehr gezahlt
als in 2006!
Und:
In 2008 hätten wir für die gleiche Menge Gas wie in 2006 wegen dreimaliger
Erhöhung der
Abgabepreise zusätzliche 296 Euro mehr gezahlt
als in 2006!

Zugegeben: ganz korrekt ist es nicht, die
Verbrauchswerte unterschiedlicher Jahre miteinander zu vergleichen, aber ein
Parallel-Lauf war weder technisch möglich noch wirtschaftlich gewollt, schließlich
sollten die Verbrauchskosten gesenkt und nicht zusätzlich hochgetrieben werden.
Und: Der Energieverbrauch der letzten 5 Jahre streute lediglich um 7 Prozent.
"Unser" Heizjahr 2006 war ein ganz "normales" Jahr mit durchschnittlichen
Verbrauchswerten.
Der
Energieverbrauchskennwert unseres Hauses hat sich durch die Wärmepumpen-Installation
von ursprünglich 135 kWh/qma auf 13,64 kWh/qma reduziert.
Mit in die Kostenrechnung einbezogen wurden die Zählergebühren
sowie die
Grund- und Arbeitspreise, bei der Gasheizung zusätzlich die entstandenen Kosten für das Schornsteinfegen und die angefallenen
Gebühren
für die Abgasmessungen und Kesselprüfungen.
Die Investitionskosten sind in diese Gegenüberstellung nicht eingeflossen, da
ein Ersatz der veralteten Heizungs- und Warmwasseranlage notwendig und eine Trennung
der Heizkreisläufe zur Optimierung der Heizungssteuerung auch ohne Umstieg auf die neue Technik durchgeführt
worden wäre. Zudem
wurden die Investitionskosten über die Förderung
der KfW Förderbank zinsgünstig beschafft, was bei einer reinen Ersatzbeschaffung
von Gasbrennern für Heizung und Warmwasseraufbereitung nicht möglich gewesen wäre.
Im November 2008 ersetzten wir
Teile der Installation:
|
Wir tauschten die Grundfos-UPS-Umwälzpumpen
der beiden Heizkreise gegen die neuen Grundfos-Modelle
der Serie Alpha2. Die bisherigen zwei Pumpen
verbrauchten zusammen im Dauerbetrieb durchschnittlich
120 Watt, die beiden Alpha-Pumpen mit der Energieklasse
A begnügen sich
im Schnitt mit 8 Watt für den Heizkörper-Kreislauf und
15 Watt für den Kreislauf der Fußbodenheizung. Diese
Maßnahme wird die Betriebskosten um 80
Euro pro Jahr reduzieren. |
|
Da sich die bisher verwendete AVAG-Brunnenpumpe
mit einem Motorschaden verabschiedet hatte,
ersetzten wir sie durch eine Tracer-Tiefbrunnenpumpe,
die statt der 550 Watt der AVAG-Pumpe nur 370 Watt verbraucht. Diese
Maßnahme wird die Betriebskosten um 25 Euro
pro Jahr reduzieren. |