|
Schon in vorgeschichtlicher
Zeit wird das Gebiet von Bad Sassendorf besiedelt, weil
es hier neben mehreren Süßwasserquellen auch salzhaltige
Quellen gibt, die man bereits im frühen Mittelalter zur
Salzgewinnung nutzt. Der vermutlich im 8. Jahrhundert
von engrischen Sachsen gegründete Ort wird erstmals
um 1170 in einer Urkunde erwähnt, in der der Kölner
Erzbischof Philipp I. von Heinsberg dem St.
Walburgis-Kloster in Soest das Salzhaus in "Sassendorp"
schenkt.
Die Salzquellen werden von den "Buren",
Sassendorper Großbauern, bewirtschaftet, die zudem vom
ertragreichen Boden der auch "Kornkammer Westfalens"
genannten Soester Börde profitieren und so zu Wohlstand
und solchem Einfluss kommen, dass ihnen der Kölner Erzbischof
Heinrich II. von Virneburg im Jahr 1313 erlaubt, in Sassendorf eine Kirche und
eine Schule zu bauen. Knapp 60 Jahre später werden die
bisher mündlich überlieferten Regeln des Zusammenlebens
als "das Alde Recht von Sassendorpe" schriftlich
niedergelegt und ein Siegel mit der Aufschrift "Sigillum
Dominorum Salinariorum in Sassendorpe" eingeführt.
In der zweiten Hälfte
des 14. Jahrhunderts endet die Selbstständigkeit
der Sassendorper Bauern und Sälzer: Der Erzbischof
von Köln unterstellt den Ort dem Rat und der
Gerichtsbarkeit der Stadt Soest. Auf die Salzproduktion
wirkt sich diese Angliederung nicht aus, als
ratsfähige Bürger können die Sälzer ihre Interessen
bei Ratsentscheidungen einbringen.

Die Salzgewinnung
bleibt über Jahrhunderte gleich: Das salzhaltige Wasser
- Sole genannt - wird von den Siedern in großen Siedepfannen
so lange erhitzt, bis das Wasser verdampft ist und das
Salz übrig bleibt. Im
17. Jahrhundert kann dann die Salzproduktion
durch Vergrößerung der Pfannen, Verwendung von
Salzöfen und Erhöhung des Salzgehalts der Sole durch
Vorverdunstung in Gradierwerken so stark gesteigert
werden, dass man zu Beginn des 18. Jahrhunderts
wegen eines inzwischen exorbitanten Holzverbrauchs auf
Kohlefeuerung umstellen muss. Mit dem Anschluss
an das Eisenbahnnetz im Jahr 1850 und der dadurch wesentlich
vereinfachten Anlieferung großer Kohlemengen kann die
Salzproduktion auf bis zu 100.000 Zentner pro Jahr gesteigert
werden.
Im 20. Jahrhundert wird die Salzgewinnung
durch Sieden immer unwirtschaftlicher, weil der bergmännische
Abbau des "Weißen Goldes" in Salzbergwerken
deutlich kostengünstiger ist. Nach mehr als sieben Jahrhunderten
wird deshalb im Jahr 1934 in Bad Sassendorf die Salzproduktion
eingestellt.
Die Verbindung des Ortes mit dem
Salz endet dadurch aber nicht, denn bereits im frühen
19. Jahrhundert hatte man erkannt, dass die Sole
auch zu Heilzwecken verwendet werden kann. Mit mehreren
Badewannen eröffnet man 1852 auf dem Salinengelände
einen rudimentären Badebetrieb, 1854 inseriert man im
Soester Kreisblatt, dass das Solebad seinen Betrieb
aufgenommen hat und 1872
wird das erste Badehaus errichtet, das bereits sechs
Jahre später zu klein ist und zugunsten eines größeren
abgerissen werden muss. Zwischen 1875 und 1930 entstehen
fünf Kinderheime, die im Gegensatz zum Badebetrieb von
Anfang an ganzjährig betrieben werden. Sassendorf hat dadurch
ein
zweites wirtschaftliches Standbein, mit dem es gelingt,
die wirtschaftlichen Folgen der immer unrentabler werdenden Salzgewinnung
auszugleichen: 1904 ist eine Erweiterung des Badehauses
auf die dreifache Kapazität und der Bau eines Zweiten
notwendig, 1906 wird das alte Sälzerdorf
schließlich als "Bad" anerkannt. Und: Mit
einem Salzgehalt von zehn Prozent verfügt Sassendorf
über die stärkste Sole in ganz Westfalen, die als Mutterlaugen-Badesalz
auch an kommunale Badeanstalten im Rheinland verkauft
wird.
Der wirtschaftliche Aufschwung
des Heilbades verstärkt sich erneut sehr stark, als im Jahr 1969
ein Moor im Süden der Gemeinde entdeckt wird und so
aus
dem Heilbad ein staatlich anerkanntes Moor- und Sole-Heilbad
wird, das mit seinen ab 1970 entstandenen Kurkliniken "Wiesengrund",
"Am Park", "Lindenplatz", "Quellenhof"
und "Am Hellweg" auch das bundesweite Kurklinik-Sterben
der 1990-er Jahre gut übersteht. Vielleicht weil man in Bad Sassendorf ganz
einfach den Kurbetrieb "mit ganzem
Herzen" betreibt: Mehr als 500.000 Übernachtungen
pro Jahr sprechen für sich.
|
|
Anreise
|
Bad Sassendorf liegt im im Land Nordrhein-Westfalen,
im
Zentrum der Soester Börde zwischen dem Höhenzug Haarstrang
und dem Sauerland.
Mit dem Auto erreicht man
Bad Sassendorf über die Bundesautobahn A44 Dortmund-Kassel,
die man an der Ausfahrt Soest Ost / Bad Sassendorf verlässt.
Aus dem Großraum Hannover kommend benutzt man die A2
bis zur Ausfahrt Lippstadt / Erwitte.
Mit
der Eisenbahn ist Bad Sassendorf über die Kursbuchstrecke 430
Hamm - Soest - Warburg
im 30-Minuten-Takt zu erreichen.
|