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Friedrichstadt
  
Entlang der Grachten

 


Paludanushaus von 1637 in der Prinzenstraße in Friedrichstadt
Nach unserer Pause verlassen wir den Markt und folgen der Prinzenstraße bis zum Haus Nr. 28, das im Jahr 1637 von dem Remonstrantenprediger Godefridus Paludanus und dessen Schwiegersohn Gerrit Martens erbaut wurde und das deshalb auch "Paludanushaus" genannt wird.

Das Haus hatte ursprünglich zwei Giebel, die bei Umbauarbeiten 1840 in den heutigen Treppenstufengiebel verändert wurden.

Dass Godefridus Paludanus nicht nur Prediger sondern auch Weinhändler war, ist an der Hausmarke mit dem Weinfass und den Trauben erkennbar, die in Gebäudemitte über dem Erdgeschoss angebracht ist.

Reich verzierte Rokoko-Eingangstür am Paludanushaus in Friedrichstadt


Das Paludanushaus mit seiner wunderschönen Rokoko-Eingangstür gehört heute der dänischen Gemeinde "Sydslesvigsk Forening", die hier ihre Versammlungsräume hat.

Nach der Volksabstimmung des Jahres 1920 kam es zur Teilung des ehemaligen Herzogtums Schleswig: der nördliche Teil wurde dänisch, der südliche wurde deutsch. Da die Menschen ihre angestammte Heimat nicht verließen, entstand im Norden eine deutsche und im Süden eine dänische Minderheit - und diese Minderheiten sind anerkannt und geschützt.

So überrascht es nicht, dass man - nicht nur in Friedrichstadt - einen dänischen Kindergarten, eine dänische Schule und eine dänische Kirchengemeinde findet.

Doppelgiebelhaus in der Prinzenstraße von Friedrichstadt


Schräg gegenüber an der Ecke zur Kirchenstraße steht das weiße "Doppelgiebelhaus", dessen Maueranker im zweistöckigen Treppengiebel auf den Bau im Jahr 1624 hinweisen.

Das Haus wurde zwischen 1983 und 1985 aufwändig restauriert, da sich die einsturzgefährdete Fassade sehr stark in die Prinzenstraße geneigt und sich sogar von den Seitenmauern getrennt hatte.

Hohes Speicherhaus Schwarzes Ross mit Aufzugsbalken im Treppengieben in Friedrichstadt




Wir biegen nun in die Westerhafenstraße ein, um uns das Haus Nr. 4 anzusehen, das die Bezeichnung "Schwarzes Ross" trägt.

Das Schwarze Ross wurde Anfang des 18. Jahrhunderts erbaut und diente als Speicherhaus, was man auch heute noch an dem ausladenden Aufzugsbalken im Giebeldreieck erkennen kann, mit dem die Waren in die oberen Stockwerke gehievt wurden.

Die Wetterfahne ganz oben auf dem Giebel deutet auf den Namen des Gebäudes hin.

Begrünte Wohnhausfassade in der Westerhafenstarße von Friedrichstadt








Schräg gegenüber, im schmucken Haus Westerhafenstraße Nr. 9 mit seiner begrünten Fassade wurde der Film "Pole Poppenspäler" gedreht.

Ehemaliges Versammlungshaus der Quäker in der Westerhafenstraße in Friedrichstadt






Das Haus Westerhafenstraße Nr. 14, nur wenige Schritte weiter, ist das ehemalige Versammlungshaus der Quäker von Friedrichstadt.

Die Gemeinde der Friedrichstädter Quäker zählte zu den ältesten in Deutschland. Zeitweise lebte hier der wohl bekannteste Quäker William Penn, der Gründer der Kolonie Pennsylvania, und sogar der Zar Peter der Große besuchte die Gemeinde, die bis etwa 1725 existierte.

Garten mit Bank, Seemann, Hund und Reiher an der Gracht in Friedrichstadt




Nicht nur die vielen historischen Bauwerke der Stadt sind sehenswert, auch die Gärten und begrünten Ufer entlang der Grachten sind sehr gepflegt und gefallen uns ausgesprochen gut.

Gedenktafel für die Grundsteinlegung des ersten Hauses in Friedrichstadt







An dem Eckhaus Fürstenburgwall / Am Binnenhafen findet man eine Gedenktafel, die daran erinnert, dass hier Willem van den Hove am 24. September 1621 den Grundstein für das erste Haus der Stadt legte.

Haus Eiland Nr. 4 in Friedrichstadt





Die westliche Brücke über den Fürstenburggraben führt uns zum "Eiland", wo uns das Haus Nr. 4 mit seinen Klinker-Verzierungen ausgesprochen gut gefällt ...

Blick entlang des Fürstenburggrabens hinüber zum Anleger der Prinzenlinie für Grachtenrundfahrten in Friedrichstadt



... und von wo aus es nicht mehr weit bis zum Anleger für Grachtenfahrten mit der Prinzenlinie ist. Mit einer Fahrt auf den Sielen und Gräben um die Vorderstadt von Friedrichstadt herum wird es aber nichts, denn Ende Oktober ist hier alles verlassen, der Verkaufskiosk geschlossen und der Betrieb offensichtlich eingestellt.

Turmlose katholische Kirche St. Knud in Friedrichstadt



Entlang des Fürstenburggrabens erreichen wir die turmlose katholische Kirche St. Knud, die 1854 eingeweiht wurde, nachdem bei dem Vorgängerbau aus dem Jahr 1846 das Dach eingestürzt war und das Gebäude komplett abgerissen werden musste.

Turmlose Gotteshäuser haben für Katholiken in Friedrichstadt Tradition: Da Herzog Friedrich III. beabsichtigte, protitable Handelsverbindungen zu dem katholischen Spanien aufzubauen, erlaubte er im Jahr 1625, dass sich auch Katholiken in Friedrichstadt ansiedeln durften, allerdings mit einer eingeschränkten Religionsfreiheit. Er untersagte ihnen religiöse Aktivitäten in der Öffentlichkeit ebenso wie den Bau von Kirchtürmen und Glockengeläut.

Innenansicht der neugotischen Kirche St. Knut in Friedrichstadt




Namenspatron der Kirche ist König Knud IV. von Dänemark, der im 11. Jahrhundert heilig gesprochen wurde. Während seiner Regierungszeit versuchte er, die christliche Kirche in Dänemark zu stärken. Knud wurde zusammen mit seinem Bruder auf den Stufen des Altars der dem heiligen Alban geweihten Kirche in Odense von revoltierenden Landsleuten erstochen.

Das Innere der neugotischen Kirche erscheint uns einfach und schlicht, vielleicht auch, weil das Gotteshaus am 31. Oktober 2003 profaniert wurde, da die Zahl der Gemeindemitglieder und Gottesdienstbesucher sehr stark abgenommen hatte.

Verziertes Kirchengestühl in St. Knut in Friedrichstadt


Die von uns erwarteten sechs hölzernen Barockskulpturen aus dem 17. Jahrhundert können wir uns leider nicht im Original ansehen, weil man die ursprünglich aus der Marienkirche in Husum stammenden Darstellungen von König Knud IV., den Aposteln Petrus, Mathias, Simon, Paulus sowie Christus mit der Weltkugel seit 2006 ausgelagert hat und nur noch Abdrucke zu sehen sind.

Im Original erhalten ist aber das verzierte Gestühl aus dem Jahr 1760 ...

Mittelalterliches Kreuz in der Kirche St. Knut in Friedrichstadt








... und das hölzerne Kruzifix aus dem Mittelalter, das aus einer Kirche in Eiderstedt stammen soll, die einer Sturmflut zum Opfer fiel.

Weiße Empore von St. Knut in Friedrichstadt





Über der hohen Eingangstür befindet sich die mit einem verzierten Geländer begrenzte Empore, unter der sich eine sehenswerte Pieta befindet, mit der man den Gefallenen des Ersten Weltkrieges gedenkt.

Fassade des giebellosen Fünf-Giebel-Hauses in Friedrichstadt



Wenige Schritte weiter, am Fürstenburgwall 11-13, stehen wir vor dem Fünf-Giebel-Haus, das sich der Stadtgründer Herzog Friedrich III. in den Jahren 1622-1623 mit aus Holland stammenden Baumaterialien errichten ließ.

Das Haus hatte ursprünglich 5 Giebel und wurde anfänglich vom herzoglichen Statthalter Adolf von Wael bewohnt. Später diente es als Gästehaus für hochgestellte Besucher der Stadt, bis das Gebäude 1649 von der katholischen Kirche angekauft wurde.

1837 wurde das Haus komplett umgebaut und erhielt dabei eine neue, nun giebellose Fassade. Heute findet man hier eine Galerie für moderne Kunst mit einem zugehörigen Café.

Treppengiebelfassaden in der verkehrsberuhigten Prinzeßstraße in Friedrichstadt





Wir biegen nun in die Prinzeßstraße ein, wo wir ...

Historisches dreirädriges Holland-Fahrrad in der Prinzeßstraße in Friedrichstadt




... ein historisches dreirädriges "Holländer-Fahrrad zur Personenbeförderung über der Vorderachse" finden.

Dass es in Holland die eigenartigsten Fahrzeuge gibt, haben wir schon bei einem Besuch in Roermond festgestellt.

Remonstrantenkirche in Friedrichstadt




Die erste Remonstrantenkirche wurde im Jahr 1624 erbaut und war auch die erste Kirche der Glaubensgemeinschaft überhaupt. Sie wurde bei der Beschießung der Stadt im Oktober 1850 zerstört.

Der heute vorhandene Saalbau im klassizistischen Stil wurde 1854 eingeweiht.

Wegen Renovierungsarbeiten ist das Kircheninnere für uns leider nicht zugänglich, denn die Remonstrantenkirche ist derzeit nur im Rahmen von Stadtführungen zu besichtigen, deren letzte wir knapp verpasst haben.

Rotes Ketterer-Haus in der Prinzeßstraße in Friedrichstadt

Wir sehen uns deshalb das schräg gegenüber stehende Ketterer-Haus in der Prinzeßstraße Nr. 26 an, ein ehemaliges Handwerkerhaus, das um 1625 erbaut wurde.

Im 19. Jahrhundert kam es in den Besitz des zugewanderten Uhrmachermeisters Ketterer.

Die Hausmarke des Ketterer-Hauses zeigt drei Holzschuhe, das Wappen der Priesterfamilie Laman-Trip, die das Haus um 1980 restaurieren ließ und es heute noch nutzt.

Nicht nur die Fassade des Ketterer-Hauses ist sehenswert: Betätigen Sie doch einfach mal den Lichtschalter neben dem rechten Fensterladen und schauen Sie dann mal durch die rechten Fenster! Ihre Kinder sollten sich auf den Granitblock stellen...

Tiersymbole auf den Hausmarken in der Prinzeßstraße in Friedrichstadt
An vielen Friedrichstädter Häusern findet man am Giebel oder über der Haustür sogenannte "Hausmarken", meist bunte Darstellungen, die oft auf den Beruf der Hausbesitzer hinweisen. So sahen wir am Paludanushaus ein Weinfass mit Trauben für den Weinhändler, an einem Wohnhaus am Markt eine Mühle für den Betreiber der Eidermühle.

Wie wir nicht nur in der Prinzeßstraße feststellen, haben sich viele Hausbesitzer Tiersymbole als Hausmarken ausgesucht.

Neben den hier abgebildeten Tieren sehen wir auch ein Eichhörnchen, einen Frosch, einen Fisch, eine Taube ...

Aushängeschild mit vergoldeten Tulpen in der Prinzeßstraße von Friedrichstadt







Aber nicht nur die Hausmarken gefallen uns: Auch die alten Aushängeschilder wie die vergoldeten Tulpen und ...

Aushängeschild eines Schmiedemeisters in der Prinzeßstraße in Friedrichstadt








... das Schild des in der Prinzeßstraße ansässigen Schmiedemeisters tragen zu dem historischen Flair der Vorderstadt von Friedrichstadt bei.

Schiefer Turm der Remonstrantenkirche in Friedrichstadt







Als wir noch einmal zurück in die Prinzeßstraße schauen, kommen wir uns vor wie in Burano in der Lagune von Venedig: Der Turm der Remonstrantenkirche hat seit seiner Fertigstellung eine deutliche Schieflage.

Straßencafe vor den historischen Kaufmannshäusern am Markt von Friedrichstadt


Wir kehren zum Markt zurück und genehmigen uns bei Pinocchio eine wohlverdiente Kaffeepause.

Der Marktplatz ist zweigeteilt: die östliche Hälfte ist begrünt, die westliche ist gepflastert und dient teilweise als Parkfläche. Ein massives Metallgeländer, an das früher die Pferde während des zweimal im Jahr stattfindenden Friedrichstädter Pferdemarktes angebunden wurden, trennt die beiden Teile.

Backsteinfassade und Treppengiebel am Neberhaus in Friedrichstadt


Nördlich vom Markt und jenseits des Mittelburggrabens wurde um 1630 das Neberhaus errichtet, das man nach dem Besitzer Hinrich Neber benannte, der hier um 1950 einen Eisenwarenhandel betrieb.

Im 17. und 18. Jahrhundert bewohnte das Haus die Familie Ovens, eine hochangesehene Mennonitenfamilie, die Ratsherren und Bürgermeister stellte.

Nach einem fehlgeschlagenen Versuch, die revolutionäre französische Regierung zu stürzen, lebte hier 1795 unter dem Decknamen "De Vries" der untergetauchte Louis-Phillippe, Herzog von Orleans. Der spätere französische Bürgerkönig verdiente seinen Lebensunterhalt als Sprach- und Tanzlehrer.

Heute ist im Neberhaus ein Restaurant untergebracht.

Grünanlage mit Kriederdenkmal an Stadtfeld von Friedrichstadt




Nebenan am Stadtfeld durchzieht eine Grünanlage die Hinterstadt. Hier befand sich früher ein weiterer Kanal, der Norderburggraben genannt wurde, und den man im 18. Jahrhundert zugeschüttet hat.

Kriegerdenkmal am Stadtfeld in Friedrichstadt



Das Kriegerdenkmal am Ende der Grünanlage gedenkt den Soldaten, die den Versuch mit dem Leben bezahlten, die von den Dänen besetzte Stadt zurückzuerobern.

"Dem Andenken
der vor Friedrichstadt
vom 29. Sept. bis 4. Octbr 1850
gefallenen Offiziere
und Mannschaften
der Schleswig-Holst. Armee
gewidmet
von alten Kameraden
1898"

 

Tretbootverleih am Oster-Sielzug in Friedrichstadt




Bis zum Treene-Ufer sind es nun nur noch wenige Meter, dann sollte die Lauferei ein Ende haben, denn hier am Schiffsanleger kann man sich zu einer Bootstour durch die Grachten oder einer Treene-Rundfahrt einschiffen.

Im Treetboot durch die Grachten von Friedrichstadt





Und wer immer noch über ausreichend Kondition verfügt, der kann sich eines der Tretboote mieten, um in Eigenregie durch die Grachten alias Burggräben und Sielzüge zu schippern.


Leuchtturm und Leuchtfeuer Friedrichstadt an der TreenePassieren kann dabei eigentlich nichts, denn der rot-weiße Leuchtturm von Friedrichstadt sichert hier an der Mündung des Oster-Sielzuges in die Treene den zumindest in der Saison regen Bootsverkehr.
 
Das Orientierungs- und Oberfeuer mit der Kennung Ubr. (0) 2000s; 0-0:7 hat wegen der geringen Höhe des Feuerträgers nur eine Nenntragweite von 1,2 Seemeilen, weshalb es von der Küstenschifffahrt an der knapp 10 Kilometer entfernten Nordseeküste nicht genutzt werden kann.
 
Leider kann der Friedrichstädter Leuchtturm - angeblich wegen Platzmangels - auch nicht besichtigt werden. So spazieren wir unverrichteter Dinge entlang des Oster-Sielzuges zurück zum nahegelegenen Parkplatz vor der Jugendherberge und treten die Heimreise an.


Weitere Infos:
Friedrichstädter Grachten- und Treeneschifffahrt
Friedrichstädter Grachtenschiffahrt
Modellbahn-Zauber Friedrichstadt




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Seite erstellt: 12.11.2007