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Hansestadt Lübeck
  
Vom Burgtor durchs Fegefeuer ins Paradies

 


Blick von der Burgtorbrücke auf Stadtmauer, Burgtor, Marstall und Zöllnerhaus in Lübeck





Wir gehen nun wieder durch das von der Stadtmauer, dem Marstall und dem Zöllnerhaus eingerahmten Burgtor, um durch die Große Burgstraße...


Dreigiebeliges, turmverziertes Heiligen-Geist-Hospital am Koberg in Lübeck
... das Heiligen-Geist-Hospital zu erreichen, das eine seltsame Mischung von Kirche, Kloster und Altenheim ist.

Es wurde von Lübecker Kaufleuten um 1260 als Asyl für Arme, Alte und Kranke gegründet und wurde bis in die sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts hinein als Altenheim genutzt und ist eine der ältesten Sozialeinrichtungen Deutschlands.

Die Fassade des Heiligen-Geist-Hospitals ähnelt mit ihren vier schlanken, achteckigen, zwischen den drei Giebeln in die Höhe ragenden Türmen der Rathaus-Fassade.


Eingangshalle des Heiligen-Geist-Hospitals in Lübeck mit Wandmalereien und Lettner



Als Eingangshalle dient eine dreischiffige, frühgotische Kirche, die dem größten Gebäude des Heiligen-Geist-Hospitals, dem Langen Haus, vorgelagert ist und die mit gotischen Fresken verziert ist.

Vor den Eingängen zum Langen Haus tragen sechs Säulen einen Lettner, ...


Lettnerbrüstung mit Darstellungen zur Elisabeth-Legende im Heiligen-Geist-Hospital in Lübeck









... dessen Brüstung 24 Eichenholztafeln aus dem 14. Jahrhundert zieren, deren Malereien die Elisabeth-Legende erzählen.


Schlafkojen beiderseits des Männerganges im Langen Haus des Hediligen-Geist-Hospitals in Lübeck





Ursprünglich war das Lange Haus ein fast 90 Meter langer, riesiger Schlafsaal, in dem mehr als 200 Betten standen. Im Jahr 1820 baute man etwa 150 Schlafkojen ein, die über zwei Gänge erreichbar waren: Männergang rechts, Frauengang links.


Schlafkammer mit Bett und Nachttisch im Heiligen-Geist-Hospital in Lübeck


Diese etwa fünf Quadratmeter messenden, beheizbaren Kammern verfügten über nicht viel mehr als ein Bett, einen Nachttisch, einen kleinen Tisch und einen Stuhl und wirken in ihrer Enge auf uns bedrückend.

Im 19. Jahrhundert allerdings waren diese Kammern aus sozialer Sicht fast revolutionär, denn die Bewohner hatten hier zum ersten Mal in der Heim-Geschichte eine - wenn auch sehr kleine - Privatsphäre.


Denkmal für den Lyriker und Lübecker Ehrenbürger Emanuel Geibel neben dem Heiligen-Geist-Hospital


Am Anfang der Königstraße und direkt neben dem Heiligen-Geist-Hospital steht das von Hermann Volz im Jahr 1889 geschaffene bronzene Denkmal für den Lyriker Emanuel Geibel.

Geibel erblickte 1815 in Lübeck das Licht der Welt, lebte lange Zeit in der Hansestadt und verstarb in der Königstraße im Jahr 1884. Bekannt wurde er durch Werke wie "Der Mai ist gekommen" und "Wer recht mit Freude wandern will".

Eigentümlich: In den historischen Stadtkernen anderer Städte wie Aachen, Florenz, Trier oder Worms fanden wir eine Vielzahl von Denkmälern für Regenten, Stadtväter, Künstler oder andere herausragende Sprösslinge der jeweiligen Stadt - in der Lübecker Altstadt sahen wir nur dieses Geibel-Denkmal. Selbst Kaiser Wilhelm I. und Bismarck blieben, wie schon am Anfang unseres Stadtrundganges gesehen, außerhalb der Stadttore.


Götter-Statuen verziehren die Balustrade des Behnhauses in Lübeck








Wir folgen nun der Königstraße und passieren das in luftiger Höhe mit Götter-Statuen geschmückte Behnhaus (Königstraße Nr. 9)...


Fassade des Drägerhauses in der Königstraße in Lübeck






... und direkt daneben das Drägerhaus (Königstraße Nr. 11), dessen Balustrade fünf große Vasen zieren.

Beide Häuser stammen aus dem 18. Jahrhundert und beherbergen heute das Museum für Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts, in dem u.a. Werke von Caspar David Friedrich, Edvard Munch, Max Beckmann, August Macke und dem Lübecker Bürgermeistersohn Johann Friedrich Overbeck ausgestellt sind.


Wegen Renovierung geschlossen: Willy-Brandt-Haus in der Königstraße in Lübeck









Auf der gleichen Straßenseite steht nur wenige Meter weiter das Willy-Brandt-Haus, das zur Zeit renoviert wird und deshalb geschlossen ist.


Turmlos wie alle Kirchen der Bettelorden: die Franziskanerkirche St. Katharinen in Lübeck



An der Einmündung der Glockengießerstraße in die Königstraße gründete der Franziskaner-Orden im Jahr 1225 das St. Katharinen-Kloster als Zentrum ihres Wirkungskreises im Ostseeraum. Mit dem Bau der turmlosen Katharinenkirche begann man 1256: in einem ersten Bauabschnitt wurde bis 1330 die Ostseite errichtet, das Hauptschiff und die Westseite folgten bis 1356.

Nach der Reformation wurde das St. Katharinen-Kloster als Gelehrtenschule genutzt, Napoleons Truppen richteten hier ein Lazarett ein.

Die turmlose Katharinenkirche gehört heute zu den sehenswerten Lübecker Museen.


Barlach-Plastiken in den Nischen der Westfassade von St. Katharinen in Lübeck
Während die großen Lübecker Kirchen in der Bombennacht von Pfingsten 1943 in Trümmer gelegt wurden, überstand die Katharinenkirche den Krieg unbeschadet.

1947 verzierte man die 9 Nischen der Außenfassade mit Figuren von Ernst Barlach und Gerhard Marcks. Barlach's Figuren "Frau im Wind", "Bettler" und "Singender Klosterschüler" entstanden um 1932 und durften nach der Machtübernahme der Nazis nicht mehr aufgestellt werden. 19949 ergänzte Marcks den Figurenzyklus um die Figuren "Christus als Schmerzensmann", "Brandstifter", "Jungfrau", "Mutter und Kind", "Kassandra" und "Prophet".


Blick durch das 75 Meter lange Langehaus der St. Katharinenkirche in Lübeck mit Hochchor, Triumphkreuz und Kanzel





Im 75 Meter langen Hauptschiff der Katharinenkirche sieht man ein reich verziertes Triumphkreuz aus der Mitte des 15. Jahrhunderts, ein noch hundert Jahre älteres Chorgestühl im Hochchor und eine Kanzel aus dem 17. Jahrhundert.


Die Auferweckung des Lazarus von Jacopo Tintoretto in der St. Katharinenkirche in Lübeck






An der Westwand des südlichen Querschiffes hängt der Glanzpunkt der Ausstellungsstücke: "Die Auferweckung des Lazarus" von Jacopo Tintoretto, dessen Gemälde wir schon im Palazzo Pitti in Florenz bewundern durften. Das im Jahr 1576 geschaffene Werk wurde von Lübecker Kaufleuten erworben; die Wappen der Spender verzieren den Rahmen des Bildes.

Ganz in der Nähe findet man an einer Säule einen kleinen, grauen Zauberkasten, der nach dem Einwurf einer Münze Tintorettos Werk im richtigen Licht erstrahlen lässt!!!


St. Jürgens-Gruppe in der Katharinenkirche in Lübeck







Im Kircheninneren der St. Katharinenkirche findet man auch eine Kopie der berühmten St.-Jürgen-Gruppe von Bernt Notke ...


Statue der Katharina von Alexandria in der Katharinenkirche in Lübeck









... und die Statue der Namensgeberin der Kirche, der Märtyrerin Katharina von Alexandria, die wegen ihres Glaubens zu Tode gefoltert wurde.
 


Fassade des Günter-Grass-Hauses in Lübeck






In der Glockengießerstraße Nr. 21 steht das Günter-Grass-Haus, das im Jahr 2002 eröffnet wurde und in dem die Originalwerke des Nobelpreisträgers gezeigt werden, der vor allem durch seine Werke "Die Blechtrommel", "Katz und Maus", "Hundejahre" und "Der Butt" berühmt wurde.

Für uns neu ist, dass Günter Grass studierter Bildhauer und Grafiker ist: Im Skulpturengarten sind Malereien und Skulpturen von ihm ausgestellt.


Reich verziertes Sandsteinportal am Füchtingshof in Lübeck






Hier in der Glockengießerstraße findet man zwei der traditionellen Lübecker Wohnstifte, die teilweise schon im Mittelalter für Alte, Arme, Witwen und Waisen gegründet wurden und die den Namen ihrer Stifter tragen.

Etwas unterhalb des Glandorps Hof ziert ein Sandsteinportal den Eingang zum Füchtingshof (Haus Nr. 23-27), der im 17. Jahrhundert vom Lübecker Kaufmann Johann Füchting gestiftet wurde.


Zweistöckige Häuschen mit Dachgauben begrenzen den Innenhof des von Johann Füchting gestifteten Hofes in Lübeck





Die den Innenhof begrenzenden Häuschen mit ihren hellen Fassaden boten in 20 Wohnungen den Hinterbliebenen von Schiffern und Kaufleuten eine sichere Bleibe und sind auch heute noch bewohnt.


Schmalstes Haus in Lübeck in der Tünkenhagen Straße







An der Ecke Glockengießerstraße / Tünkenhagen Straße sehen wir unglaubliches: das schmalste Haus von Lübeck ist gerade einmal 2,50 Meter tief.

Wir stehen hier lange und grübeln, wie man solch ein Haus möblieren kann, ohne Platzangst zu bekommen...


Giebelhäuser in der Hundestraße in Lübeck









Das Viertel um die Hundestraße...


Historische Handwerkerhäuser in der Fleischhauerstraße in Lübeck





... und die Fleischhauerstraße war früher das Handwerkerviertel. Dass deren Geschäfte damals floriert haben müssen zeigen die großen Giebelhäuser, die teilweise aus dem 14. Jahrhundert stammen.


Backstein-Giebelhaus in der Schlumacherstraße in Lübeck









Wir folgen nun der Schlumacherstraße, ...


Backstein-Altenheim Von-Dornes-Hof in der Schlumacherstraße in Lübeck







... passieren das Altenheim "Von-Dornes-Hof" in der Schlumacherstraße 15-23 und...


Begrünter Innenhof des Von-Dornes-Hof in Lübeck







... werfen einen kurzen Blick in dessen begrünten Innenhof, um dann...


Mächtiger Turm der St. Aegidienkirche in Lübeck





... die St. Aegidienkirche mit ihrem mächtigen, 85 Meter hohen Turm zu erreichen.

Die dreischiffige Kirche ist das Kleinste der Lübecker Gotteshäuser, vielleicht auch weil St. Aegidien schon immer die Kirche der kleinen Leute war.

Der romanische Sakralbau entwickelte sich aus einer einschiffigen Kirche des 13. Jahrhunderts und wurde im 14. Jahrhundert umgebaut und um den Chor erweitert. Die Kriege überstand St. Aegidien unversehrt, deshalb sind auch...


Hauptschiff von St. Aegidien in Lübeck mit Lettner und Kanzel





... die Sehenswürdigkeiten im Kircheninneren wie der von Tönnies Evers dem Jüngeren im Jahr 1587 geschnitzte Lettner und die reich verzierte Kanzel von 1702 in eben so gutem Zustand erhalten geblieben...


Altar der St. Aegidienkirche in Lübeck







... wie der schöne Altar von 1701...


Segnender Christus am lettner der St. Aegidienkirche in Lübeck








...und das spätromanische Relief mit dem segnendem Christus aus 13. Jahrhundert.


Von Engeln getragenes Taufbecken in der Aegidienkirchen von Lübeck









Das Taufbecken der St. Aegidienkirche wird von 3 Engeln getragen und wurde im 15. Jahrhundert gegossen.


Reich verzierter Orgelprospekt von 1625 in der St. Aegidienkirche in Lübeck









Die Orgel im Stil der Spätrenaissance entstand um 1625 und ist mit einer Vielzahl von Reliefs und Intarsien verziert.


Fassade der Jüdischen Synagoge in Lübeck




Die jüdische Synagoge in der St.-Annen-Straße wurde im Jahr 1880 geweiht und in der Reichspogromnacht 1938 geplündert und beschädigt. Seit Kriegsende wird das Instand gesetzte Gebäude wieder von der jüdischen Gemeinde als Gotteshaus genutzt.


St.-Annen-Museum in LübeckIn unmittelbarer Nähe liegt auf der gleichen Seite der St.-Annen-Straße das spätgotische St. Annenkloster, das die Augustinerinnen von 1504 an nur 30 Jahre lang nutzten: bereits 1532 wurde es wieder aufgelöst, denn die Reformation hatte Norddeutschland erreicht.

Seit 1915 ist hier das St.-Annen-Museum untergebracht, in dem Lübecker Kirchengüter von unermesslichem Wert ausgestellt sind wie der von Hans Memling geschaffene Passionsaltar aus dem Dom, Werke von Bernt Notke und Schnitzaltäre der Lübecker Meister Dreyer, Heide und Rode.

Sehenswert sind außerdem der Kreuzgang, das Refektorium und der Kapitelsaal.


Traditions-Gaststätte Im Alten Zolln in Lübeck


In der betriebsamen Mühlenstraße ist es dann soweit: nachdem unsere Füße schon an der Aegidienkirche signalisierten, dass sie eine Pause benötigen, rebelliert beim Anblick der Straßencafes und der vorüberziehenden Düfte aus den Restaurantküchen nun auch der Magen.

Wir machen "Im Alten Zolln" Mittagspause, einer empfehlenswerten Lübecker Traditionsgaststätte, die früher als Zollhaus diente, und stärken uns für den nun folgenden schweren Weg...


Blick in das Fegefeuer Richtung Paradies






... durch das Fegefeuer. Mit Mühe gelingt es uns, die Hölle links liegen zu lassen, ...


Der Volksmund bezeichnet die Vorhalle des Lübecker Doms als Paradies




... um dann das "Paradies" zu erreichen, die Vorhalle des Lübecker Doms.

An dieser Vorhalle endete früher die weltliche Macht, sie war eine Freistätte für Verfolgte. Und da hier auch die Armen gespeist wurden, war dieser Domvorbau bald in aller Munde: als Paradies.

 


Im Schatten der Laubbäume erholen wir uns von der Hitze des Fegefeuers und der nahen Hölle, um uns dann
den Lübecker Dom, den Malerwinkel und die Kirche Sankt Petri
anzusehen.











Das menschliche Auge sieht mehr als eine Kamera:

Unsere Fotos sollen nur den Appetit anregen.
Deshalb: Hinfahren und selbst ansehen!
Denn nichts ist besser als das Original.



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Seite erstellt: 19.05.2007