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Malmedy
  
"Tor zum Hohen Venn"


Blick auf Malmedy am Rand des Hohen venn in Belgien


Der aquitanische Wanderbischof, Probst der Abtei Solignac und Missionar Remaclus gründet hier am Zusammenfluss von Warche und Warchenne im Jahr 648 die Benediktinerabtei Malmundarium. Die Abtei gewinnt schnell an Bedeutung und durch den Zuzug von Händlern, Kaufleuten und Handwerkern entwickelt sich der aufstrebende Ort Malmedy, der schon bald - gemeinsam mit der von dem Merowingerkönig Sigibald gestifteten Abtei Stablo - das Fürstentum Stavelot-Malmedy bildet.

Das kleine, von einem Fürstabt regierte Staatsgebilde hat durch die Jahrhunderte hindurch eine vergleichsweise ruhige Geschichte, denn anders als die Städte Namur, Maastricht, Gent und Brügge bleiben Malmedy und Stavelot von burgundischer, spanischer, österreichischer und niederländischer Fremdherrschaft und Besatzung verschont. Jedenfalls bis zu dem für die Malmedyer so verheerenden Einfall der Truppen von Louis XIV während des neun Jahre dauernden Pfälzischen Erbfolgekrieges im Jahr 1689: Der kommandierende General Nicolas de Catinat befiehlt seinen Soldaten, die Stadt bis auf die Grundmauern niederzubrennen. Der Sonnenkönig lässt neben dem Fürstentum Stavelot-Malmedy auch Luxemburg (1690), Mons (1691) und Namur (1692) besetzen und zerstören, danach ordnet er an, die Pfalz zu verwüsten und das Heidelberger Schloss niederzubrennen.

Rund hundert Jahre später wird mit dem Einfall französischer Revolutionstruppen im Jahr 1795 die mehr als tausend Jahre dauernde Zugehörigkeit der Stadt zum Fürstentum Stavelot-Malmedy beendet, Malmedy wird zwangsweise dem französischen Departement de l'Ourthe angegliedert und französisches Hoheitsgebiet. Was Frankreich nicht nur politisch profitieren lässt: Das von den Wassern der Warche und Warchenne umgebene Malmedy hatte sich seit dem frühen 18. Jahrhundert zu einem florierenden Zentrum der Papier- und Lederindustrie entwickelt, dessen Betriebe stolze Gewinne erwirtschaften, die nun zur Finanzierung der napoleonischen Kriege in die französische Staatskasse umgeleitet werden.

Von langer Dauer ist die Zugehörigkeit Malmedys zu Frankreich allerdings nicht. Nach Napoleons Niederlage in der Schlacht bei Waterloo wird während des Wiener Kongresses im Jahr 1815 die europäische Landkarte neu gezeichnet, dabei fällt neben der Rheinprovinz und Westfalen auch der Kanton Malmedy an Preußen und bildet für mehr als hundert Jahre die Westgrenze des Königreiches. Die gravierenden Gegensätze zwischen dem katholischen und französischsprachigen Kanton und dem reformierten Königreich werden erst fünfzig Jahre später nach der Abdankung des preußischen Königs zum Problem, als Reichskanzler Otto von Bismarck mit dem Verbot der französischen Sprache in Schulen und Kirchen versucht, die so "unpreußische" Region Malmedy in einem Kulturkampf zu "germanisieren". Er stößt dabei auf massiven Widerstand der Bevölkerung, die nachhaltig für ihre wallonische Kultur eintritt und der es gelingt, neben der französischen Sprache auch ihre romanische Mentalität zu erhalten.


Stadtwappen von Malmedy 


Nach dem 1. Weltkrieg kommen die Städte Malmedy, Eupen und St. Vith im Jahr 1919 durch den Vertrag von Versailles an Belgien. Kurz darauf wird der Kanton dann geteilt. Die deutschsprachigen Gemeinden werden von den französischsprachigen Gemeinden Malmedy und Weismes abgetrennt und gehen in den neu gegründeten Kanton St. Vith über.

Während des 2. Weltkriegs fällt die deutsche Wehrmacht 1940 in Belgien ein und besetzt auch Malmedy, das dem dritten Reich am 10. Mai des Jahres zwangsweise angegliedert wird. Vier Jahre später starten die alliierten Streitkräfte die Ardennenoffensive und vertreiben im September die deutsche Wehrmacht aus Malmedy. Am 17. Dezember 1944 metzelt die Waffen-SS an der nahen Kreuzung von Baugnez im "Massaker von Malmedy" brutal über siebzig entwaffnete amerikanische Kriegsgefangene nieder. Wenige Tage später bombardieren an den Weihnachtstagen mehrfach US-amerikanische Bomber irrtümlich die eigenen Bodentruppen in Malmedy. Das alte Stadtzentrum wird weitgehend zerstört und viele Zivilisten und amerikanische Soldaten kommen ums Leben.

Nach dem Krieg erfolgt auch in Malmedy der Wiederaufbau. Mit der Einführung von regionalen Sprachgrenzen wird 1962 in Belgien die Mehrsprachigkeit festgeschrieben: Malmedy gehört seitdem dauerhaft zur französisch sprechenden Gemeinschaft und zur Wallonie, in der deutschsprachigen Bewohnern Sonderrechte und ein spezielles Statut seitens der Verwaltung eingeräumt werden. Was heute dem aufstrebenden Tourismus entgegenkommt: Man spricht in Malmedy fast überall Deutsch.

 

 


Begleiten
Sie uns nun auf unserem Rundgang durch Malmedy:

 

Vom Place de Rome zur Cathédrale Saints Pierre, Paul et Quirin


Vom Place Albert 1er zur Halle de Grètèdar 


Vom Kalvarienberg zum Zusammenfluss von Warche und Warchenne


Die Umgebung von Malmedy

 

 


Stadtplan von Malmedy

 

 


Allgemeine Tipps:
 

   Anreise

Die knapp zwölftausend Einwohner zählende Stadt Malmedy liegt in der belgischen Provinz Lüttich an der Südseite des Naturreservats Hohes Venn, das mit über 4500 Hektar das größte zusammenhängende Naturschutzgebiet Belgiens ist. Etwa zehn Prozent der Naturschutzzonen liegen im Gebiet der Stadt Malmedy, die auch das Zentrum des gleichnamigen Kantons ist.

Mit dem Auto erreicht man Malmedy über die A3/E40 Aachen - Liege, die man am Autobahnkreuz Chaineux verlässt um der A27/E421 Richtung Trier bis zur Ausfahrt Malmedy zu folgen. Von Süddeutschland aus empfiehlt sich eine Anreise über die A61 bis zum Autobahnkreuz Koblenz, ab dort über die A48, A1 und A60/A27 bis Malmedy.

Mit dem Zug ist Malmedy seit dem Rückbau der nun als Radwanderweg dienenden Bahntrasse nicht mehr zu erreichen.
 

   Hotels

  Hotel buchen:
Hotel Reservation Service
 

   Links

Stadt Malmedy
Maison du Tourisme des Cantons de L'Est

Historischer Rundgang durch Malmedy, eine Projektarbeit Malmedyer Schüler

 

   Literaturtipps

Literaturtipp Baedeker-Reiseführer Belgien
Baedeker Reiseführer Belgien mit großer Reisekarte

 

   Partnerstädte

Die Partnerstädte von Malmedy sind Beaune in Frankreich und Cochem an der Mosel.
 

   Radfahren

Radfahrer finden von Malmedy aus zahlreiche ausgeschilderte Radwanderwege durch das Hohe Venn, darunter die "Warchetour" und die "Venn-Route". Für Mountainbiker sind zudem Querfeldeinstrecken durch das Naturschutzgebiet freigegeben. Dass diese Routen innerhalb der Schutzzonen nicht verlassen werden dürfen, versteht sich von selbst.
 

   Sprache

Da Malmedy mehr als hundert Jahre zu Preußen gehörte und zeitweise mehr als 40 Prozent der Einwohner deutschsprachig waren, gehört die Stadt heute zu jenen Fazilitätengemeinden, in denen deutsch die zweite, offizielle Landessprache ist, die sogar in den öffentlichen Einrichtungen und der Kommunalverwaltung anerkannt ist.
 

   Veranstaltungen

Lu Cwarmê - Karneval in Malmedy
Während der tollen Tage von Fettdonnerstag bis Veilchendienstag feiert Malmedy mit einem großen Umzug, Rollenspielen, traditionellen Masken und der Verbrennung der Haguette seinen erstmals in einem Dokument des Jahres 1459 erwähnten wallonischen Karneval.

Blumen- und Gartenfest

Jeweils am dritten Wochenende im Mai findet rund um die Kathedrale das Blumen- und Gartenfest statt, bei dem man sich Anregungen für die Verschönerung des eigenen Gartens holen kann und das von Konzerten und Vorträgen begleitet wird.

Vibrations
Das Musikfestival bietet jedes Jahr am dritten Wochenende im Juni Musik pur im gesamten Stadtgebiet - zum Nulltarif.

Malmedy fait la Fête
Am 21. Juli wird auch in Malmedy der belgische Nationaltag gefeiert, der in einem großen abendlichen Feuerwerk seinen Abschluss findet.

Belgian Forest Days
Am dritten Wochenende im September wird in Malmedy die belgische Holzfällermeisterschaft ausgetragen.

Malmedy im Weihnachtszauber
Im Dezember wird die Innenstadt mit dem großen Weihnachtsmarkt festlich illuminiert und eine Reihe von Weihnachtskonzerten dargeboten.


Den aktuellen Veranstaltungskalender der Stadt findet man unter
http://www.malmedy.be/

 


 





 




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Seite ergänzt: 11.09.2011