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Norwegen
    
"Über Inari und Karasjok nach Kautokeino"

 


Schild seitlich der Straße 893 kennzeichnet das Ende des Kleinen Grenzverkehrs für russische Staatsbürger


Kirkenes im Osten der Finnmark ist der Wendepunkt unserer Nordkap-Tour.

Nun geht es auf kleinen Umwegen Richtung Heimat.

Vor uns liegen noch etwas mehr als viertausend Kilometer.

Wir verlassen die Hauptstadt der Barents-Region über die Europastraße 06 - wie auch sonst?

Wir folgen ihr entlang des Korsfjords, des Kjøfjords und des Munkfords bis Neiden, wo wir auf den Riksveien 893 Richtung Finnland abbiegen.

Nach 9 Kilometern signalisiert ein Hinweisschild, dass Staatsangehörige der Russischen Föderation nicht weiterfahren dürfen: Hier endet die für Bewohner des Grenzgebietes freigegebene Zone des Kleinen Grenzverkehrs.


Norwegisch-finnische Grenze südöstlich von Neiden in der Finnmark



Einen Kilometer weiter erreichen wir dann bei Näätämö die norwegisch-finnische Grenze.

Es gibt hier nur ein kleines Zollgebäude, das unbesetzt aussieht; kontrolliert werden wir beim Grenzübertritt nicht.

Wir sind nach knapp 4 Wochen in Kronen-Ländern wieder im Euro-Raum.


See Pikku Jääjärvi nahe der finnisch-norwegischen Grenze südwestlich von Kirkenes






Hinter der Grenze ändert die Landstraße ihre Nummerierung und führt als "971" am See "Pikku Jääjärvi" vorbei nach Südwesten.


Rentiere auf der finnischen Landstraße 971 in der Finnmark


Viel Verkehr gibt es auf der schmalen Straße nicht, wir teilen uns die Fahrbahn nur mit einigen Rentieren, die offensichtlich auch in Richtung Inari-See unterwegs sind.

Die Strecke ist abwechslungsreich. Rechts und links der Straße reihen sich kleine Seen und der an der Grenze noch lichte und niedere Wald wird immer dichter und höher, weil die Birken nach und nach Kiefern und Fichten weichen müssen.


Ortsschild der Gemeinde Sevettijärvi in der Finnmark







Nach 35 Kilometern erreichen wir den Ort Sevettijärvi, von dem wir nur ein Willkommensschild, einen Kiosk und ein Restaurant sehen.

Die Skoltsamen-Siedlung hat knapp 400 Einwohner, deren Häuser weit verstreut in den Wäldern liegen.

Sevettijärvi wurde nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet. Damals wurden hier sämische Familien angesiedelt, deren Heimat kriegsbedingt an Russland abgetreten werden musste.

Der Boden ist hier erstaunlich trocken und die Humusschicht sehr dünn. Fehlt der Humus, bedeckt Sand den Boden.



Der Sandstrand von Sevettijärvi ist ein Traum, ...

Sandstrand der Gemeinde Sevettijärvi in der Finnmark

... aber noch ist es mit etwa 5º C Luft- und Wassertemperatur zum Baden zu kalt.
Uns jedenfalls.
 


Sami-Museum in der nordfinnischen Gemeinde Inari

Vorbei an Suojanperä und Partakko erreichen wir südlich von Kaamanen die Europastraße 75 (auf diesem Abschnitt auch Staatstraße 4), der wir Richtung Ivalo folgen.

Nach knapp 30 Kilometern liegt auf der linken Straßenseite das sehenswerte "Museum Siida".

Das Samenmuseum und Naturzentrum informiert über die Kultur und Geschichte der Inarisamen, Skoltsamen und Fjellsamen.

Das Museum Siida wurde 1959 gegründet und vier Jahre später eröffnet.


Die Hauptausstellung im modernen Museumsgebäude aus dem Jahr 1998
führt die Besucher durch die ACHT samischen Jahreszeiten, erläutert die Natur Nordlapplands und zeigt die Entwicklung der Sámi in der jüngeren Vergangenheit. In dem nur in den Sommermonaten zu besichtigenden Freigelände sind neben einem samischen Gehöft auch Blockhäuser, Koten, Laavus und Lagerhäuser zu sehen.


Lapland-Shop am Ufer des Inari-Sees in der Finnmark





Der vor dem Museum gelegene "Lapland Shop" bietet die üblichen Geschenkartikel und Souvenirs aus der Finnmark an.


Symbol der Arktischen Straße am Ufer des Inari-Sees





Das Museum Siida und der Lappland Shop liegen am Ufer des Sees Inarijärvi.

Der Inarisee ist der drittgrößte See Finnlands und etwa doppelt so groß wie der Bodensee.

An seiner Ostseite speist er den Fluss Paatsjoki, der entlang der Grenze zur Russischen Föderation dem Eismeer zufließt.

Ein Schild zwischen den aufrecht gegeneinander gestellten Booten mit einem Skibob und der Inschrift "Jäämeren Reitti" - "Arctic Sea Route", oder auf neudeutsch "Eismeer-Route" verdeutlicht, dass im Winter eine Schneemobil-Piste von Inari bis zur Barentsee führt.


Am jenseitigen Ufer des Inarijärvi...

Inari am Inari-See in der Finnmark

... liegt der Ort Inari, nach dem der See benannt wurde.


Der auf halber Strecke zwischen dem Polarkreis und dem Nordkap gelegene Ort hat etwa fünfhundert Einwohner. In der 17.000 km² großen Kommune Inari, der flächenmäßig größten Gemeinde Finnlands, leben circa siebentausend Menschen überwiegend von der Rentierzucht, der Forstwirtschaft und immer mehr auch vom Tourismus.


Zufluss des Lemmenjoki in den Inari-See in Nordfinnland




Wegen seinen vielen Inseln - es sollen mehr als dreitausend sein - sieht man nicht, wie groß der Inarisee ist.

Durch seinen unregelmäßigen Uferverlauf hat er aber unzählige reizvolle Buchten und Seitenarme.


Yachten für Angeltouren nache dem Sami-Museum im nordfinnischen Inari


In der Nähe des Souvenirshops sind mehrere Motoryachten festgemacht, die während der Saison zu Angeltouren und zur Insel Ukonkivi auslaufen.

Ukonviki war für die Sámi bis in das 19. Jahrhundert hinein ein heiliger Ort mit mehreren Opferhöhlen.

Über die Brücke im Hintergrund überqueren wir den Zufluss des Juutuanjoki und erreichen das überschaubare Zentrum von Inari.


Hotell Inari am Inari-See in Nordfinnland

Der Ort und das "Hotell Inari" wirken verlassen.

Wir merken wieder, dass wir sehr früh im Jahr unterwegs sind: Der Winter ist hier zwar zu Ende gegangen und der See schon vollständig eisfrei, aber der Sommeranfang lässt noch zwei bis drei Wochen auf sich warten.

Dann wird mit den steigenden Temperaturen auch wieder Leben einziehen: In- und ausländische Urlauber werden in Scharen an den Inarisee strömen und von den aus den Flachwasserzonen anrückenden Stechmücken-Geschwadern attackiert werden.


Unsere Großpackung Autan liegt immer noch unbenutzt im Koffer, denn wir reisen Mitte Juni in der samischen Jahreszeit "Gijrra", der Jahreszeit der Rückkehr, die bei uns Frühling genannt wird.


Sami Cultural Center Sajos im finnischen Inari
Am Ufer des Juutuanjoki entstand nach den Plänen des Architekturbüros HALO aus Tampere im Jahr 2002 das "Sámi Cultural Center Sajos", ein samisches Kultur- und Verwaltungszentrum.

In dem aus Stahlbeton, Holz und Glas errichteten Bauwerk hat das Parlament der finnischen Samen seinen Sitz und hier sind die Sámi-Bücherei, das Sámi-Archiv und das Sámi Educational Institute untergebracht.

Historische Gebäude sieht man in Inari nicht, da auch hier die deutsche Wehrmacht im Jahr 1944 "Verbrannte Erde" zurückließ.


Lahia Shop Vastusgoahti zwischen Inari und Kaamanen in Nordfinnland



Nach unserem Kurzaufenthalt fahren wir auf der Staatsstraße 4 zurück Richtung Kaamanen.

Hinter dem Abzweig der Landstraße 9710 machen wir dann im "Lahja-Shop Vastusgoahti" eine Kaffeepause und probieren den frisch zubereiteten, sehr leckeren Räucherfisch.

Hinter Kaamanen verlassen wir dann die "4" und erreichen über die Landstraße 92 gegen Mittag den finnischen Grenzort Karigasniemi.


Weil die Preise in Finnland deutlich niedriger sind als in Norwegen, tanken wir hier den Wagen voll, füllen unsere Kühlbox und besuchen danach das Restaurant "Kalastajan Majatalo". Wir zahlen für zwei Rentiersteaks und Getränke zwar 60 Euro, aber die Portionen sind reichlich und unglaublich lecker.



Gegen 14 Uhr überqueren wir dann die nahe finnisch-norwegische Grenze.

Flussschleife des Karasjohka zwischen Karigasniemi und Karasjok

Die Straße folgt nun als "RV 92" für etwa 18 Kilometer dem Fluss "Karasjohka" bis nach Karasjok.
 


Alte Kirche der nordnorwegischen Stadt Karasjok

Im Süden des Ortes steht auf der linken Seite des Riksveien die alte Kirche von Karasjok.

Die kreuzförmige "Gamle kirke" wurde 1807 unter der Leitung des Baumeisters Daniel Storch erbaut, die kleine Sakristei ergänzte man 1858.

Das älteste Gotteshaus der Finnmark wurde im Jahr 1974 durch eine neue Kirche jenseits des Karasjohka ersetzt, weil es mit nur 140 Sitzplätzen zu klein geworden war.



Folgt man der Hauptstraße "Suomageaidnu" ...

Einkaufszentrum und Jugendclub Info Nuorra im nordnorwegischen Karasjok

... und passiert das Einkaufszentrum und den Kinder- und Jugendclub "Info Nuorra", ...
 


Brücke über den Karasjokka in der nordnorwegischen Stadt Karasjok





... dann kommt man zur stählernen Hängebrücke über den Karasjohka, hinter der auf der linken Straßenseite...


Neue Kirche der nordnorwegischen Stadt Karasjok



... die Neue Kirche von Karasjok steht.

Die Pläne für den quadratischen Kirchenneubau fertigten die Osloer Architekten Odd Kjeld Østbye, Tore Kleven und Øyvind Almaas.

Die Karasjok kirke hat ein diagonal verlaufendes Kirchenschiff mit dem Altar in der nördlichen Ecke und bietet 500 Gläubigen Platz.


Folgt man dem Riksveien 92 durch zwei Kreisverkehre, ...

Sämisches Parlamentsgebäude Sametinget im nordnorwegischen Karasjok

... dann steht man kurz darauf vor dem "Sámediggi".


Das Parlamentsgebäude der norwegischen Samen in Karasjok hat eine ähnliche Funktion wie das Sámi Cultural Center Sajos in Inari: In dem halbkreisförmig erbauten Bürotrakt des Sámediggi ist neben dem norwegischen Samen-Parlament "Sametinget" auch eine samische Bibliothek untergebracht.

Das mehrfach ausgezeichnete Gebäude wurde von den Architekten Stein Halvorsen und Christian Sundby entworfen und am 2. November 2000 durch König Harald V. eröffnet. Die links im Foto zu sehenden große Versammlungshalle erinnert an ein Sámi-Zelt.

Die 39 Mitglieder des Sametinget kommen aus sieben Wahlkreisen. Das Sametinget wacht über die im Sami-Gesetz des Jahres 1987 zugesicherten Rechte der samischen Minderheit und vertritt deren Interessen gegenüber der norwegischen Regierung. Die Wahl findet gemeinsam mit den norwegischen Parlamentswahlen alle vier Jahr statt. Das Plenum tagt normalerweise vier Mal im Jahr, das politische und kulturelle Tagesgeschäft erledigt der Parlamentarische Rat.

Das erste Parlament der Sámi wurde von König Olav V. am 9. Oktober 1989 eröffnet.


Fluss Lesjohka zwischen Karasjok und Kautokeino in der Finnmark






Nach Karasjok folgt die "92" bis zur Ortschaft Jerggul den Flüssen Karasjokka und Jiešjokka, ...


Gut ausgebaute Landstraße 92 in der Finnmark






... um dann das Hügelland vor Suodnjo zu durchqueren und hinter der Brücke über den Fluss Altaelva in die RV 93 zu münden.



Entlang einer Reihe von Seen erreichen wir auf der "93" nach weiteren 30 Kilometern...

Blick über die nordnorwegische Stadt Kautokeino in der Finnmark

... unser Tagesziel Kautokeino.
 


Fassade des Thon Hotels im nordnorwegischen Kautokeino
Das von uns gebuchte "Thon Hotel Kautokeino" liegt am Ortsrand oberhalb des Ortes.

Das Personal ist ausgesprochen freundlich und hilfsbereit, nicht nur beim Check-in.

Unser Zimmer im Erdgeschoss ist geräumig und komfortabel eingerichtet.

Was uns überrascht: Es gibt an den Fenstern Mückenschutzgitter, die WIR noch nicht benötigen, und im Flur steht eine Nespresso-Maschine, an der wir uns rund um die Uhr bedienen können.


Kirche von Kautokeino in der Finnmark

Nach einem Probe-Kaffee schauen wir uns den Ort an und spazieren bis zur Kirche am Ostufer des Kautokeinoelva.

Die "Kautokeino kirke" wurde im Jahr 1958 geweiht und verfügt über 270 Sitzplätze. Architekt war Finn Bryn aus Oslo.

An die leider verschlossene Kirche grenzt der Friedhof von Kautokeino, auf dem wir Grabkreuze und -steine aus dem 19. und 20. Jahrhundert sehen.


Museumsgebäude des Kautokeino Museum og Bygdetun in der Finnmark

Am Westufer des Flusses wurde 1987 das "Kautokeino Museum og Bygdetun" eröffnet.

Im Hauptgebäude des Heimatmuseums sind u. a. samische Kulturgegenstände sowie eine Ski- und Trachtensammlung zu sehen.

Das Außengelände verdeutlicht mit seinen unter Denkmalschutz stehenden Gebäuden jene Zeit, als man in Kautokeino noch in samischen Kotas, Zelten und Erdhütten wohnte.


Silberschmiede im nordnorwegischen Kautokeino




Direkt nebenan liegt die Silberschmiede "Kautokeino Sølvsmie".

Da man hier bereits Feierabend gemacht hat - wir haben wieder einmal nicht gemerkt, dass es schon spät am Abend ist -, ...


Alte Kirche im nordnorwegischen Kautokeino






... gehen wir zurück zum Riksveien 93, passieren eine kleine Kapelle ...


Gebäude der Kommunalverwaltung im nordnorwegischen Kautokeino
... und kommen zum Zentrum der größten Samengemeinde in Norwegen. Kautokeino hat etwa dreitausend Einwohner und wird von den Sámi "Guovdageaidnu" genannt.

In dem roten Gebäudekomplex findet man die Kommunalverwaltung, die örtliche Polizeistation, die Post, eine Bank, einen Supermarkt, ein Café und die Niederlassung des Radio- und Fernsehsenders "NRK Sápmi".

NRK Sápmi hat seinen Hauptsitz in Karasjok und sendet Radio- und Fernsehprogramme überwiegend in samischer Sprache.


Nordisk Samisk Institut in Kautokeino in der Finnmark



Nahe der Kommunalverwaltung biegen wir in den Bredbuktnesveien ein, wo das Gebäude der samischen Kultur- und Forschungseinrichtung "Nordisk Samisk Institut" steht.

Das im Jahr 1973 gegründete Institut fördert die Weiterentwicklung der samischen Sprache und Kultur und beherbergt neben einer umfangreichen Bibliothek auch das Nationaltheater "BeaivvᚠSámi Našunálateáther".


Das Beaivváš-Ensemble steht mit seinen samischsprachigen Aufführungen nicht nur hier auf der Bühne, es tourt auch regelmäßig durch die Finnmark und präsentiert die samische Kultur sogar international.

Das einem Zelt ähnelnde Institutsgebäude wurde von dem samischen Künstler Åge Gaup aus Karasjok entworfen, von dem Architekturbüro Boarch A/S aus Bodø geplant und in den Jahren 1979 - 1981 erbaut.


Sprungschanze im nordnorwegischen Kautokeino
Das letzte Ziel unseres Rundgangs ist die über dem Westufer des Kautokeinoelva gelegene Sprungschanze, um vom Anlaufturm ein Panoramafoto zu machen.

An der Schanze angekommen, trauen wir uns aber nicht hinauf: Die am Hang herumliegenden, beschädigten Bretter fehlen an Treppe und Geländer des Turms, der uns unsicher und leicht baufällig erscheint.

So bleibt uns nur ...



... der durch Büsche und die Schanze stark eingeschränkte Blick ...

Sprungschanze im nordnorwegischen Kautokeino

... auf den südlichen Teil der Streusiedlung Kautokeino.

 



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Sevettijärvi

Inari

Museum Siida
Sámi Cultural Center Sajos
Lahja Shop Vastusgoahti
Kajasjok
Karasjok gamle kirke

Karasjok kirke

Sametinget

Kautokeino

Thon Hotel Kautokeino

Kautokeino kirke

Kautokeino Museum og Bygdetun

Kautokeino Sølvsmie

Nordisk Samisk Institut

BeaivvᚠSámi Našunálateáther 











Das menschliche Auge sieht mehr als eine Kamera:

Unsere Fotos sollen nur den Appetit anregen.
Deshalb: Hinfahren und selbst ansehen!
Denn nichts ist besser als das Original.



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Seite erstellt: 27.01.2016