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Norwegen
    
Kristiansand
    
"Hauptstadt der Provinz Sørlandet"

 


Südküste von Norwegen bei Larvik


Etwa drei Stunden nach dem Ablegen in Hirtshals erreicht unsere Superspeed-Fähre norwegische Gewässer. Wir sehen eine bergige Küste an uns vorbeiziehen, die in der Ferne von schneebedeckten Gipfeln überragt wird.

Dann zeichnet sich die Silhouette des Fährhafens Larvik ab.


Schären vor dem norwegischen Fährhafen Larvik






Unser Fährschiff durchfährt zügig die vorgelagerten Schären, ...


... dann laufen wir in Larvik ein.

Blick von der Fähre auf den Fährhafen Larvik in Norwegen


Da wir auf dem Rückweg vom Nordkap in Larvik übernachten und am Folgetag nach Dänemark übersetzen werden, fahren wir von der Fähre aus direkt auf die E18 Richtung Kristiansand.

Wir passieren die Städte Arendal und Grimstadt, müssen aber aus Zeitgründen auf eine Besichtigung verzichten, denn wir kommen auf der kurvenreichen, viele Kilometer lang auf 60 km/h begrenzten Europastraße mit ihren vielen Baustellen viel langsamer voran als geplant. Aber die Fahrt lohnt sich, denn die Landschaft ist reizvoll und abwechslungsreich und wir werden hier auf den gemächlichen skandinavischen Verkehr eingestimmt.


Thon-Hotel an der Markensgate in Kristiansand





Wir erreichen Kristiansand kurz nach 18 Uhr und fahren direkt zum Thon-Hotel in der Markensgate, wo wir ein Zimmer reserviert haben und checken ein.


Blick vom Thon-Hotel in die Fußgängerzone Martensgate in Kristiansand



Das Doppelzimmer ist geräumig und komfortabel eingerichtet, bietet aber leider nicht den erhofften Ausblick auf den Hafen sondern auf die Dächer der umliegenden Häuser.

Von hier oben sehen wir, dass das Zentrum von Kristiansand quadratisch angelegt ist.

Diese "Kvadraturen" gehen auf den dänisch-norwegischen König Christian IV. zurück, der die Stadt im Jahr 1641 auf einer Sandebene an der Otra-Mündung gründete, um an der südnorwegischen Küste einen Militärstützpunkt zu schaffen. Folgerichtig wurde die Neugründung "Christianssand" genannt.

Der Überlieferung nach plante er das schachbrettartige Muster der Straßen selbst. Was nicht ganz ungewöhnlich ist: Kurfürst Friedrich IV. ließ das Zentrum von Mannheim auch gitterförmig anlegen.


Blick in die Fußgängerzone Martensgate in Kristiansand


Nachdem wir uns frisch gemacht haben gehen wir auf Erkundungstour durch die abendliche Kvadraturen.

Wir schlendern durch die als Fußgängerzone ausgelegte Markensgate, ...


Diamant-Huset in der Martensgate in Kristiansand





... passieren das "Det Hvide Hus", in dem eine Filiale der Juwelierkette "Diamant Huset" angesiedelt ist...


Häuserzeile am Torget in Kristiansand in der Abendsonne





... und erreichen kurz darauf den "Torget", den Marktplatz von Kristiansand mit seinen schön restaurierten Häusern.


Domkirke am Torget im Zentrum von Kristiansand

An der Nordwestseite des Torget steht der neugotische Dom.

Eine erste hölzerne Kirche wurde hier bereits im Jahr 1645 erbaut, die jedoch bald den Bedürfnissen des 1692 gegründeten Bistums Kristiansand nicht mehr gerecht wurde. Deshalb wurde sie durch die 1696 geweihte Erlöserkirche ersetzt, die jedoch 1734 abbrannte.

Bereits vier Jahre später wurde ein neues Gotteshaus geweiht, doch auch dieses stand nur knapp 150 Jahre: Beim großen Stadtbrand des Jahres 1880 wurde neben den meisten Holzhäusern der Innenstadt auch die Kathedrale fast vollständig zerstört.

Nach den Plänen des aus Bergen stammenden Architekten Henrik Thrap-Meyer begann man 1882 mit dem Bau der heutigen Domkirke, die 1885 geweiht werden konnte.

Näher ansehen können wir den verschlossenen Dom nicht, er soll über einen sehenswerten Altar verfügen.


Denkmal für J. C. Heuch vor der Domkirke in Kristiansand
Vor der Domkirke erinnert ein Denkmal an Johan Christian Heuch.

Der am 23. März 1838 in Kragerø geborene Heuch wurde nach seinem Theologiestudium 1865 zum Priester geweiht.

Wegen gesundheitlicher Probleme ging er als Kaplan 1873 zur Rekonvaleszenz nach Rom, wo er Kontakt zu den dort lebenden skandinavischen Dichtern und Schriftstellern bekam.

Deren Wirken färbte wohl ab:


Zwei Jahre später war Heuch Redakteur der Zeitschrift "Luthersk Kirketidende", ab 1877 auch der "Luthersk Ugeskrift". Seine kämpferischen Artikel wurden in ganz Skandinavien gelesen.

Wieder zurück in Norwegen übernahm er 1880 eine Pfarrei in Christiania und engagierte sich politisch: Als Mitglied der Konservativen Partei wurde er streithaftes Mitglied des Parlaments.

1889 wurde er dann zum Bischof von Kristiansand ernannt. Bischof Heuch verstarb am 13. Februar 1904.


Feuerwache mit Brunnen am Torget in Kristiansand




Schräg gegenüber, auf der anderen Seite des Markt-Brunnens, steht die aus roten Backsteinen erbaute Feuerwache aus dem Jahr 1894, die von einem schlanken Schlauchturm überragt wird.


Verzierungen an der Feuerwache von Kristiansand






Der Zweckbau zeigt an seiner Fassade überraschend viele Verzierungen.

Geplant wurde die "Brandvagt" von dem aus Kristiana stammenden Architekten Johan Keyser Frølich (1858-1927), der nach seinem Studium in Dresden in Kristiansand ansässig wurde.

Nach dem Großbrand des Jahres 1892, bei dem mehr als 350 Gebäude ein Raub der Flammen wurden, profilierte sich Frølich als Stadtplaner beim Wiederaufbau des Stadtzentrums.


Denkmal für König Haakon VII am Torget in Kristiansand

Ebenfalls auf dem Torget steht nahe dem Rathaus ein Denkmal für König Haakon VII.

Haakon wurde am 3. August 1872 als Christian Frederik Carl Georg Valdemar Axel Prinz von Dänemark auf Schloss Charlottenlund bei Kopenhagen geboren. Er entstammte dem Adelsgeschlecht Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg und wurde "Prinz Carl" genannt.

Nach dem Zerfall der norwegisch-schwedischen Staatenunion im Jahr 1905 wurde Prinz Carl von Dänemark zum König von Norwegen gewählt. Er nahm den norwegischen Königsnamen "Haakon" an, leistete am 27. November 1905 den Eid auf die Verfassung und wurde am 22. Juni 1906 im Trondheimer Nidaros-Dom gekrönt.

Während des Zweiten Weltkrieges widersetzte er sich den nationalsozialistischen Besatzern. Er verweigerte jegliche Kooperation und auch die geforderte Abdankung, entzog sich den Nazis zusammen mit der Regierung und dem Parlament durch Flucht nach Molde und Trondheim, bis er nach London in Sicherheit gebracht wurde, wo er eine Exilregierung aufbaute.


König Haakon VII. wurde so zur Symbolfigur der norwegischen Widerstandsbewegung. Bei seiner Rückkehr nach Norwegen im Juni 1945 wurde er von der Bevölkerung jubelnd empfangen. Er verstarb am 21. September 1957.


Musikpavillon am Torget in Kristiansand






Hinter dem Musikpavillon auf der Nordwestseite des Torget...


Wergeland-Denkmal am Torget in Kristiansand

... erinnert das von Gustav Vigeland im Jahr 1908 geschaffene Denkmal an einen berühmten Sohn der Stadt: Henrik Wergeland.

Henrik Arnold Wergeland wurde am 17. Juni 1808 in Kristiansand geboren. Er schrieb schon in jungen Jahren Erzählungen für das "Morgenbladet" und studierte nach dem Examen Philosophie und Theologie.

Wergeland wurde DER norwegische Dichter der Romantik und zudem ein bedeutender Historiker, der die Unabhängigkeit aller Nationen und die Glaubensfreiheit forderte.

Er erkannte schnell, dass die junge norwegische Nation zu ihrer Weiterentwicklung aktive Bürger benötigte, die stolz auf ihre Herkunft, ihre Sprache und ihre Kultur sind und förderte diese. Er setzte sich auch für die Feier des Nationalfeiertages am 17. Juni ein und schrieb dafür Festtagsreden, Gedichte und Lieder.

Wergeland plädierte zudem für einen Zuzug von Juden und forderte von seinen Mitmenschen mehr Mitgefühl und Toleranz.

Henrik Arnold Wergeland verstarb am 12. Juli 1845 in Christiania, dem heutigen Oslo.


Jazzklub und Straßenrestaurant in der Fußgängerzone von Kristiansand




Im Licht der langsam untergehenden Sonne beenden wir unseren Stadtrundgang am schon geschlossenen "Jazzkjøkken", und lassen den Abend mit einem Drink im Biergarten des gut besuchten Restaurants "Herlig Land" ausklingen.


Mc Donalds an der Dronningens Gate in Kristiansand
Am nächsten Morgen setzen wir unseren Rundgang dann an gleicher Stelle fort, schlendern durch die Markensgate bis zur Ecke Dronningensgate, wo wir eine Filiale der Hamburger-Kette McDonald's entdecken.

Aber ist das wirklich nur eine Filiale? An der Fassade prangt die Jahreszahl "1897". Womöglich handelt es sich hier ja um den Stammsitz der Kette? McDonald's soll es ja schon ewig lange geben...

Wenn wir zu Hause sind werden wir das im Web recherchieren.


Grünanlage an der Strandpromenaden in Kristiansand






Wir folgen weiter der Markensgate bis zu der Grünanlage an der "Strandpromenaden" ...


Segeljachten im Alten Hafen von Kristiansand






... am "Alten Hafen", der heute als Jachthafen genutzt wird.


Festung Christiansholm am Alten Hafen von Kristiansand
Früher wurden die alten Hafenanlagen und die Seeseite der Stadt durch die Festung Christiansholm geschützt, die schon von König Christian IV. im Rahmen der Stadtgründung geplant wurde, weil Piraten regelmäßig die Norwegische Südküste heimsuchten.

Der Bau erfolgte unter König Fredrik III., die Details der kreisförmig angelegten Festung wurden von Generalquartiermeister Willem Coucheron festgelegt.

Christiansholm Festning wurde nach einer zehnjährigen Bauzeit im Jahr 1672 fertig gestellt.


Um sie uneinnehmbar zu machen, wurde sie vor dem Hafen auf einer Insel erbaut und mit bis zu fünf Meter dicken Mauern versehen. Sie war nur über eine Brücke von den Kais aus erreichbar.

Eingenommen wurde die Festung Christiansholm nie, es gab aber auch nur einen einzigen Angriff: Im Jahr 1807 hielt sie während der Napoleonischen Kriege dem Angriff der englischen Flotte stand. 1872 wurde die Festung wie viele andere auch auf Anordnung des Königs stillgelegt, heute wird sie zu Ausstellungen und Feierlichkeiten genutzt.


Alter Hafen im norwegischen Kristiansand





Wir schlendern entlang des Alten Hafens in südwestlicher Richtung...

 


Fiskebasaren an der Straße Gravane am Hafen von Kristiansand



... und erreichen kurz darauf den "Fiskebasaren" am Fischkai.

Hier an der "Fiskebrygga" findet man eine Reihe netter Restaurants und an Werktagen kann man in den Fischgeschäften eine Vielzahl von Meeresdelikatessen kaufen.


Containerhafen im norwegischen Kristiansand






Entlang der "Vestre Strandgate" erstreckt sich der Containerhafen, ...


Fjordline-Express-Fährschiff im Hafen von Kristiansand







... an den sich der Fährhafen anschließt, in dem eine Express-Fähre der Reederei "Fjordline" festgemacht hat.


Denkmal für König Olaf V vor dem ColorLine-Terminal in Hafen von Kristiansand




Vor dem Gebäude der Reederei "Colorline" ehrt ein Denkmal den norwegischen König Olav V.

Olav V. wurde als Prinz Alexander Edvard Christian Frederik von Dänemark aus dem Haus Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg am 2. Juli 1903 im englischen Norfolk geboren. Sein Vater war König Haakon VII.

Nach dem Tod seines Vaters folgte er ihm 1957 auf den norwegischen Thron und wurde durch sein offenes, gradliniges, bürgernahes Auftreten zum "Folkekonge".

König Olav V. verstarb am 17. Januar 1991 in Oslo und wurde wie sein Vater in der Krypta der Festung Akershus beigesetzt.


NSB-Stasjon Kristiansand nahe den FährterminalsWenige Schritte weiter stehen wir vor dem Bahnhofsgebäude von Kristiansand. Die Sørlandsbahn verbindet die Stadt mit Oslo und Stavanger.

Der Kopfbahnhof wurde 1895 nach den Plänen von Paul Due für die Setestal-Bahnlinie aus Backsteinen erbaut, weil nach dem Großbrand von 1892 keine Holzgebäude mehr errichtet werden durften.

Wegen des stark ansteigenden Verkehrs durch die Eröffnung der Sørlandsbahn im Juni 1938 musste das Gebäude zwischen 1940 und 1942 umgebaut und vergrößert werden.


Ravnedalen-Park im Nordwesten von Kristiansand

Als Abschluss unseres Aufenthaltes in Kristiansand fahren wir in das nordwestlich des Stadtzentrums im Stadtteil Grim gelegene "Ravnedalen".

Nachdem der Stadtrat im Jahr 1872 von der Christianssand Sparebanken eine Spende erhalten hatte, um für die Bevölkerung im Ravnedalen einen Park anzulegen, realisierten Soldaten unter dem Kommando von General Joseph Frantz Oscar Wergeland zwischen 1874 und 1878 das Vorhaben.

Es entstand eine romantische Parkanlage mit Seen, Wasserfällen, Springbrunnen und einer für Norwegen außergewöhnlichen Flora:


Man pflanzte Zypressen, Mimosen, Rhododendren und Magnolien. Der Bau einer großen Freilichtbühne mit 5000 Sitzplätzen ermöglicht auch heute noch Open-Air-Konzerveranstaltungen und Festivals. Im Park erinnert eine von Gustav Lærum im Jahr 1917 geschaffene Bronzestatue an General Wergeland.


Aufstiegspfad zum Aussichtsberg Ravneheia bei Kristiansand










Von dem kleinen, am See gelegenen "Cafe Generalen" führt ein etwa 1 km langer Steig mit 220 Treppenstufen...



... hinauf zum Berg Ravneheia.

Panoramablick vom Aussichtsberg Ravneheia auf Kristiansand

Der Ausblick auf Kristiansand lohnt die Anstrengung!

 



Hier begann unsere Nordkap-Tour ...


... und hier geht es weiter:
Nach Mandal, Lindesnes Fyr und Flekkefjord



Hier finden Sie weitere Infos:
Stadt Kristiansand

Thon Hotel Kristiansand

Domkirke Kristiansand

Fiskebrygga Kristiansand

Christiansholm Festning

FjordLine

ColorLine

Kristiansand Stasjon

Ravnedalen

Cafe Generalen











Das menschliche Auge sieht mehr als eine Kamera:

Unsere Fotos sollen nur den Appetit anregen.
Deshalb: Hinfahren und selbst ansehen!
Denn nichts ist besser als das Original.



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Seite erstellt: 26.06.2015