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Sittard
    
"St. Michielskerk und Basilika Onze Lieve Vrouw van het Heilig Hart"

 


St Michielskerk am MNarkt der niederländischen Stadt Sittard

In der nordöstlichen Ecke des Marktes steht die "St. Michielskerk".

Hier existierte ab der Mitte des 13. Jahrhunderts das "Katharinenhospiz", knapp davor verlief die Stadtmauer. In dem außerhalb der Stadt gelegenen Hospiz wurden Kranke gepflegt und hier konnten Reisende übernachten, die erst nach Schließung der Stadttore Sittard erreichten.

Um der starken Verbreitung des Protestantismus zu begegnen, übernahmen im Jahr 1626 auf Bitten des Herzogs von Jülich Dominikanermönche aus Maastricht das Katharinenhospiz und bauten hier von 1652 bis 1669 ein neues Kloster sowie die St. Michielskerk als zugehörige Klosterkirche.

Die horizontal dreigeteilte Fassade zeigt im unteren Teil mit den runden Blindfenstern Renaissance-Elemente wie die vier toskanischen Pilaster. Der mittlere und der oberer Teil sind im Stil des niederländischen Barocks gestaltet und mit ionischen Pilastern verziert.


In den beiden Nischen rechts und links des zentralen Fensters sind die Statuen des Heiligen Ignatius, Gründer des Jesuitenordens, sowie die der Heiligen Rosa von Lima zu sehen. Rosa, die Schutzpatronin der Stadt, wurde 1668 heilig gesprochen.

Als im 17. Jahrhundert eine schwere Seuche wütete, riefen die verzweifelten Einwohner von Sittard die Heilige Rosa um Hilfe und gelobten eine jährliche Prozession, wenn das Sterben ein Ende nehmen würde. Seitdem erfüllt Sittard das Gelöbnis: Jeweils am letzten Sonntag im August zieht die "St.-Rosa-Prozession" zu Ehren der Schutzpatronin durch die Stadt.


Verzierter Giebel der St Michielskerk am Markt von Sittard

Zwischen den beiden Pilastern im Giebel haben die Dominikaner ihre "Visitenkarte" hinterlassen:
Auf dem verzierten Barock-Relief übergibt die Gottesmutter dem Ordensgründer, dem heiligen Dominikus, einen Rosenkranz.

Am Fuß des Reliefs ist ein Hund dargestellt, der eine brennende Fackel im Maul hält als Symbol für die "Domini Canes", die als "Hunde des Herrn" den Glauben wie eine leuchtende Fackel verbreiten. Einer Überlieferung nach träumte die Mutter von Dominikus kurz vor dessen Geburt von einem Hund mit einer brennenden Fackel im Maul.


Hauptschiff der St Michielskerk in der Altstadt von Sittard







Im Kircheninneren sind an den Wänden wertvolle Holzschnitzereien zu sehen, die Heilige darstellen.

Männliche Heilige findet man entsprechend der damaligen Sitzordnung während der Gottesdienste ausschließlich auf der rechten Seite, weibliche nur links.


Barocker Hauptaltar der St Michielskerk in der Altstadt von Sittard




Ein Blickfang ist der barocke Hauptaltar: Vier Säulen tragen einen Rundbogen, der den Himmel symbolisiert. Darüber ist die von Engeln umschwebte Heilige Dreifaltigkeit dargestellt.

Seitlich von Gottvater, Sohn und heiligem Geist stehen Statuen der heiligen Rosa und der heiligen Katharina von Siena, deren Reliquienschrein in der Kirche San Domenico in Siena zu sehen ist.

Für den Aufbau des Altars wurde Scagliola verwendet, ein besonderer Stuckmarmor aus mit Pigmenten versetztem Knochenleim, der echtem Marmor täuschend ähnlich sieht.


Statue des Heiligen Michael im Kampf mit dem Teufel über dem Hauptalter der St Michielskerk in Sittard








Zwischen den Säulen des Altars kämpft der Patron der Kirche, der Heilige Michael, gegen den Teufel, der ihm bereits zu Füßen liegt.


Reich verzierte Kanzel der St Michielskerk in Sittard








Die mit filigranen Schnitzereien verzierte Kanzel aus dem Jahr 1709 wird von einer Frauengestalt mit Kreuz getragen, die den Glauben symbolisiert.


Geschnitze Jesus-Statue in der St Michielskerk im Zentrum von Sittard









Beeindruckend ist auch die von zwei Messingleuchtern flankierte, aus Holz geschnitzte Jesus-Statue.


Sakrale Glasmalereien an den Fenstern der St Michielskerk in Sittard







Die farbenprächtigen, sakralen Glasmalereien der hohen Fenster entstammen der Werkstatt der Glaserfamilie Nicolas aus Roermond und wurden in den Jahren 1893/1894 eingebaut.

Sie zeigen u. a. den heiligen Michael, die heilige Rosa und den heiligen Dominikus.


Orgel auf der Empore der St Michelskirche in der Altstadt von Sittard

Die Empore über dem Eingang trägt die im Jahr 1782 von dem Kölner Orgelbauer Ludwig König gefertigte Orgel.

Ludwig König war ein Schüler des berühmten niederländischen Orgelbauers Christian Müller und baute auch die große Orgel der St. Stevenskerk in Nimwegen.

Die Orgel der St. Michielskerk wurde 1920 durch den Orgelbauer Johannes Klais aus Bonn saniert. Dabei erhielt sie auch ihr heutiges Aussehen.


Steinerner Löwe neben dem Eingang der St Michielskerk in Sittard
Als wir die Kirche verlassen, entdecken wir auch den im Sittarder Stadtführer erwähnten steinernen Löwen rechts vom Eingangsportal.

Er erinnert daran, dass 1938 ein Löwe aus einem in Sittard gastierenden Zirkus entfloh und während eines Gottesdienstes in die Kirche und bis vor den Altar lief. Hier konnte ihn sein Dompteur stellen und einfangen. Die nachvollziehbare Furcht der Gottesdienstbesucher legte sich schnell wieder.

Die Symbolik der Geschichte: Der Zirkuslöwe hieß ASOR. Die Schutzpatronin von Sittard ist ROSA.


Oude Markt mit Hotel Limburg und der Basilika von Sittard
Wir biegen nun in die vom Markt wegführende Straße "Oude Markt" ein, die durch den ältesten Teil von Sittard führt.

Rechts der Straße existierte vor mehr als 800 Jahren die von einem Wassergraben umgebene, befestigte Motte der Herren von Sittard. Diese war der historische Ursprung der Stadt.

Das Gebiet links des Oude Markt überließ Walram der Rote Ende des 13. Jahrhunderts dem Kapitel von St. Petrus zur selbständigen Verwaltung.


Außenansicht der Basilika Onze Lieve Vrouw van het Heilig Hart in Sittard


Auf der rechten Straßenseite ragt der mit Gauben verzierte Turm der neugotischen Basilika "Onze Lieve Vrouw van het Heilig Hart" in den Himmel.

Als in den 1860er Jahren in Limburg die Cholera wütete und Sittard von dieser Epidemie verschont blieb, schrieb man dies drei wunderwirkenden Medaillons der Lieben Frau Maria vom Heiligen Herzen zu, die Schutz vor der ansteckenden Krankheit boten.

Vermehrt strömten daraufhin Pilger in die Stadt, um Maria zu verehren. Die zuvor von den Ursulinen im Jahr 1849 neben deren Kloster "St. Calvaire" hier am Oude Markt errichtete Klosterkirche wurde bald viel zu klein, weshalb man sich zum Bau einer großen Wallfahrtskirche entschloss. Mit der Planung wurde der Architekt Johan Kaiser, ein Schüler von Pierre Cuypers, betraut.

Die Grundsteinlegung erfolgte am 2. Juni 1875, fertiggestellt wurde das Gotteshaus nach einer vierjährigen Bauzeit. Am 5. Juni 1879. wurde die neue Kirche Unserer Lieben Frau geweiht.


1883 erhob Papst Leo XIII. die Wallfahrtskirche "Onze Lieve Vrouw van het Heilig Hart" zur Basilika. Es war die erste "Basilika minor" in den Niederlanden.


Farbenprächtig und reich verziertes Hauptschiff der Basilika Onze Lieve Vrouw in Sittard






Das Innere der Basilika verschlägt uns die Sprache. Mit einer solchen Farbenvielfalt und prunkvollen Ausstattung hatten wir nicht gerechnet.

Die kreuzförmig errichtete Basiliek Onze Lieve Vrouw van het Heilig Hart besteht aus einem hohen Hauptschiff mit beidseitig angrenzenden Seitenschiffen, über denen sich galerieartige Emporen befinden, die wenig natürliches Licht in das Hauptschiff gelangen lassen.


Hauptaltar der Liebfrauen-Basilika im Zentrum von Sittard








Deutlich heller ist der Chor der Basilika: Durch dessen hohe Buntglasfenster mit Motiven aus dem Leben der Heiligen Jungfrau fallen die Sonnenstrahlen direkt auf den reich verzierten Hochaltar mit dem Sakramentshaus...


Marienstatue über dem Altar der Basilika Onze Lievw Vrouw in Sittard





... und einer sehr ungewöhnlichen Marienstatue. Die Jungfrau Maria trägt das Kind nicht wie sonst üblich auf dem Arm, hier steht Jesus als heranwachsender Knabe vor ihr.

Die Skulptur ist eine 1868 geschaffen Kopie der Mariastatue von Issoudun.

Heute gibt es einen gravierenden Unterschied zum Original: Die Krone auf Marias Haupt wurde 1873 durch Monsignore Paredis im Auftrag von Papst Pius IX. ergänzt.



Von Heiligenstatuen flankierter Beichtstuhlin der Liebfrauen-Basilika in Sittard



Der Beichtstuhl im rechten Seitenschiff ist von Heiligenstatuen flankiert. An den Wänden sind unzählige Votivtafeln aus Keramik angebracht, die von Pilgern als dank für erhörte Fürbitten und Gebete gespendet wurden.


Reich verzierte Kanzel in der Liebfrauenkirche im Zentrum von Sittard




Die Kanzel aus dem Jahr 1882 ist mit kunstvoll geschnitzten und vergoldeten Szenen aus der Bibel verziert, darunter "Jesus und die Samariterin" und "Lasset die Kindlein zu mir kommen".


Kopie der Michelangelo-Pieta in der Basilika von Sittard








Eine weitere Überraschung erleben wir dann im linken Seitenschiff: Hier existiert eine Kopie von Michelangelos berühmter "Pieta".


Orientalisch anmutende Innenarchitektur der Onze Lieve Vrouw Basiliek im niederländischen Sittard


Das Hauptschiff der Basilika wird von mächtigen Säulen mit filigranen Verzierungen und vergoldeten Kapiteln getragen.

Die wechselnden Farben der Steinschichten und die in gleichen Farbtönen gemusterten Rundbögen zu den Seitenschiffen und den Galerien verleihen der Wallfahrtskirche ein byzantinisches Flair.


Hauptschiff mit Orgel der Basilika Onze Lieve Vrouw in der Altstadt von Sittard




Die moderne Orgel auf der Empore über dem Eingangsportal wurde 1954 von den Orgelbauern Pereboom & Leijser aus Maastricht eingebaut.

Die Basilika Onze Lieve Vrouw van het Heilig Hart wird von den Kongregationen "Töchter der Liebfrau Maria vom heiligen Herzen" und "Missionare vom Heiligen Herzen" betreut und unterhalten.

Da die Basilika keine Pfarrkirche ist, ist die Erzbruderschaft zur Unterhaltung des prächtigen Gotteshauses auf Spenden der Pilger und Besucher angewiesen. Die Spendenkiste finden Sie in der Nähe des Portals.


Pilgerstätte Mariapark amOude Markt in Zentrum von Sittard


Gegenüber der Basilika steht seit 1891 der überdachte Säulengang "Mariapark" mit den aus Stein gehauenen und 1898 eingesegneten Kreuzwegstationen des Sittarder Bildhauer-Gespanns Kasteleijn & Kühnen.

Der Mariapark wurde geschaffen, um all jenen Pilgern eine Aufenthalts- und Gebetsmöglichkeit zu bieten, die wegen Überfüllung im Gotteshaus keinen Platz für ihr Gebet fanden.


Figur eines Buckligen an der Fassade der Pilgerstätte Mariapark in der Altstadt von Sittard








Wie die Basilika wurde auch der Mariapark von Johan Kaiser entworfen und ähnelt dieser deshalb auch im Baustil.

Da der Mariapark während unserer Besuche verschlossen war, blieb uns nur der Blick auf die Backsteinfassade und den verzierten, von einem Atlanten getragenen Turm, bevor wir zum nahe gelegenen Markt zurückkehrten.



Hier geht es weiter:
Vom Markt zum Kritzraedthuis und zu den Wällen



Weitere Infos:
St. Michielskerk und Dominicanenklooster

Basilika Onze Lieve Vrouw van het Heilig Hart











Das menschliche Auge sieht mehr als eine Kamera:

Unsere Fotos sollen nur den Appetit anregen.
Deshalb: Hinfahren und selbst ansehen!
Denn nichts ist besser als das Original.



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Seite erstellt: 29.08.2010