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Prato in der Toskana
  
"Alle Lumpen kommen nach Prato"

 


Piazza del Duomo und Duomo Santo Stefano in Prato in der Toskana


Erstmals urkundlich erwähnt wurde das im Bisenzio-Tal gelegene Prato im 10. Jahrhundert. Seit dem Mittelalter stellten die Einwohner von Prato Textilien her und vertrieben diese in ganz Europa. Dieser Handel brachte dem etwa 20 Kilometer nordwestlich von Florenz gelegenen Wollimperium Reichtum und Wohlstand.

Nach dem 2. Weltkrieg bis in die siebziger Jahre hinein prosperierte Prato ein weiteres Mal: in aller Welt kaufte man Lumpen und Stoffreste an und verarbeitete diese zu neuen Geweben: die Stadt wurde noch einmal Metropole des Textilhandels. Und in der benachbarten, konkurrierenden Wiirtschaftsmetropole Florenz machte der zweideutige Spruch die Runde: "Alle Lumpen kommen nach Prato!"
 


Wasserfontaine vor dem Hauptbahnhof von Prato in der Toskana




Wir parken in der Nähe des Hauptbahnhofs von Prato, der mit seiner hellen Fassade und seinen Grünanlagen einen positiven Eindruck bei uns hinterlässt - nicht selbstverständlich für italienische Bahnhöfe.


Gläsernes Geschäftsgebäude der Banca Fideuram in Prato in der Toskana





An der gläsernen Fassade des Geschäftsgebäudes der Banca Fideuram treffen das alte und neue Prato zusammen und verbinden sich zu einer gelungenen Symbiose.


Grünanlage mit Wasserlauf in asiatischem Stil in Prato in der Toskana

In unmittelbarere Nähe treffen wir auf eine Grünanlage mit asiatischer Bepflanzung, die uns eine Reportage von "PlusMinus" von Mitte April in Erinnerung ruft, nach der Chinesen die Textilindustrie von Prato inzwischen übernommen haben. Mehr als zweitausend Firmen und über dreißigtausend chinesische Arbeitskräfte sollen sich hier - teilweise sogar illegal - angesiedelt haben.

Die meisten ortsansässigen Traditionsunternehmen konnten der chinesischen Billigproduktion mit Stundenlöhnen von 2 - 3 Euro nichts entgegensetzen und haben aufgegeben.


Piazza San Marco in Prato






Über die Piazza San Marco und durch die Viale Piave gehen wir zum ...


Castello dell' Imperatore aus dem 13. Jahrhundert in Prato in der Toskana





... Castello dell' Imperatore, das im Auftrag von Friedrich II. hier, an der Kaiserstraße von Deutschland nach Apulien, zwischen 1237 und 1248 auf einem Vorgängerbau der Grafen von Prato errichtet wurde.


Aufgang zum Castello dell Imperatore von Friedrich II. in Prato








Dieses Kastell ähnelt mit seinen stark vorspringenden, mächtigen Bastionen den Wehrburgen des Staufers Friedrich II. in dessen süditalienischer Wahlheimat Apulien und ist im mittleren und nördlichen Italien einmalig.


kuppelgewölbte Kirche Santa Maria delle Carceri in Prato in der Toskana

In unmittelbarere Nähe des Kastells steht die Kirche Santa Maria delle Carceri, die zwischen 1484 und 1495 von Guiliano da Sangallo mit einer Fassade aus grünem und weißem Marmor und mit einem Kuppelgewölbe errichtet wurde.

Die Ausstattung des Innenraums mit blau-weißen Terrakotta-Medaillons mit Darstellungen der Evangelisten schuf Andrea della Robbia um 1490.

Die Kirche birgt ein Marienbild, das an der Mauer des Gefängnisses (ital: Carceri) erschienen sein soll.


Palazzo Pretorio in Prato mit seinen mittelalterlichen Turmhäusern und großer Freitreppe






An der Piazza del Comune, dem Mittelpunkt der Stadt, steht der Palazzo Pretorio mit Zinnen, großer Freitreppe, weit ausladendem Balkon und mit mittelalterlichen Turmhäusern, deren Bau teilweise bereits im 14. Jahrhundert erfolgte.

1850 entstand hier die Galleria Comunale, in der u.a. Werke toskanischer Künstler wie Luca Signorelli und Filippo Lippi gezeigt werden. Derzeit ist die Galleria jedoch wegen Renovierungsarbeiten geschlossen.


Palazzo Comunale mit dem Standbild von Francesco di Marco Datini und Museo del Tessuto




Direkt nebenan an der Ecke der Via Cairoli befindet sich der Palazzo Comunale mit einem Standbild des Bankiers und Textilkaufmanns Francesco di Marco Datini und dem Museo del Tessuto, dem Textilmuseum mit Exponaten vom 5. Jahrhundert bis in die Neuzeit.


Wandmalereien am spätgotischen Palazzo Datini in Prato in der Toskana



Der berühmte Bankier und Textilkaufmann lebte von 1330 bis 1410 im nahegelegenen, aus dem 14. Jahrhundert stammenden Palazzo Datini in der Via Rinaldesca. Francesco di Marco Datini war einer der reichsten Kaufleute jener Zeit und schuf neben dem Wechsel auch die doppelte Buchführung.

Die noch erkennbaren Fragmente der Wandmalereien an der Außenfassade erzählen die Geschichte der Familie Datini.


Morgensonne auf dem Domplatz mit Springbrunnen in Prato in der Toskana





Am frühen Morgen ist auf der Piazza del Duomo noch nicht viel los: nur wenige Prateser sitzen vor dem Brunnen in den wärmenden Strahlen der April-Sonne.


Marmorinkrustierter Dom und Campanile in Prato in der Toskana



Religiöses Zentrum der Stadt war und ist der marmorinkrustierte Dom Santo Stefano, der sein heutiges Aussehen zu Beginn des 15. Jahrhunderts durch die besten Künstler jener Zeit erhalten hat: Donatello, Lippi, Michelozzo und Pisano waren am Bau und der Ausgestaltung der Basilika beteiligt.

Die Stadt konnte sich das leisten, schließlich gehörte Prato zu den reichsten Städten des Landes.


grün-weiße Fassadedes Doms in Prato mit der Abbildung Maria mit dem Kind









Das Portal der grün-weißen Marmorfassade ziert eine Maria-mit-Kind Darstellung von Andrea della Robbia aus dem Jahr 1489.


Mit Puttenrelief verzierte Aussenkanzel von Donatello und Michelozzo am Dom von Prato





An der rechten Fassadenecke des Doms befindet sich eine Kopie der zwischen 1434 und 1438 geschaffenen und mit einem Puttenrelief verzierten Außenkanzel von Donatello und Michelozzo.

Das Original befindet sich im Dombaumuseum nebenan.


Mit Puttenrelief verzierte Aussenkanzel von Donatello und Michelozzo am Dom von Prato



An besonderen Feiertagen (u.a. Ostern und Weihnachten) wird hier die bedeutendste Reliquie der Stadt, der heilige Gürtel der Jungfrau Maria  "Il Sacro Cingolo"  gezeigt, den sie dem Apostel Thomas geschenkt haben soll. Dieser schenkte den Gürtel einem Kaufmann aus Prato zu dessen Hochzeit in Jerusalem, der den Gürtel dann vor seinem Tod seiner Kirchengemeinde vermachte.


Innenansicht des dreischiffigen romanischen Doms von Prato
Im Inneren der dreischiffigen, romanischen Basilika mit ihren quergestreiften, pisanischen Bögen kann man neben anderen Fresken in der Hauptchorkapelle den wunderschönen, zwischen 1452 und 1466 geschaffenen Freskenzyklus von Fra Filippo Lippi mit den Legenden des heiligen Stephan und Johannes des Täufers trotz Renovierungsarbeiten im Rahmen einer Führung bewundern.
 
Im linken Seitenschiff befindet sich die Capella della Sacra Cintola, die im 14. Jahrhundert zur Aufbewahrung der Reliquie geschaffen wurde und die mit Fresken von Agnolo Gaddi zur Legende des Mariengürtels verziert ist.


Alte Stadtmauer im Norden der Altstadt von Prato






Nördlich des Domplatzes verlassen wir die Altstadt von Prato ...


Alte Stadtmauer im Norden der Altstadt von Prato







... und spazieren parallel der alten Stadtmauer ...


Nordöstliches Stadttor von Prato in der Toskana





... durch die Via Amendola, um von Pratos nordöstlichem Stadttor aus zurück zum Parkplatz am Hauptbahnhof zu gehen, denn wir wollen uns noch das nahegelegene Pistoia ansehen.



Literaturtipp:

Literaturtipp Baedeker Reiseführer Toskana

Baedeker Allianz Reiseführer Toskana



Die Partnerstadt von Prato in der Toskana ist
Wangen im Allgäu


Weitere Infos zu Prato
http://www.comune.prato.it











Das menschliche Auge sieht mehr als eine Kamera:

Unsere Fotos sollen nur den Appetit anregen.
Deshalb: Hinfahren und selbst ansehen!
Denn nichts ist besser als das Original.



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