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Trier
  
Von der Römerbrücke zu den Kaiserthermen und dem Amphitheater

 


Römische Kellerwände der Barbarathermen in Trier mit horizontalen roten Steinschichten im Mauerwerk


Von der Römerbrücke sind es nur wenige Meter bis zum Denkmal mit der Statue von Kaiser Konstantin dem Großen am St.-Barbara-Ufer. Hier biegen wir nach links in die Südallee ein und erreichen nach etwa 100 Metern die Ruinen der Barbarathermen.

Der römische Monumentalbau mit einer Größe von mehr als 4 Hektar wurde Mitte des 2. Jahrhunderts errichtet und war eine der größten Thermenanlagen des römischen Imperiums.

Kellergewölbe von Caldarium und Tepidarium der Barbarathermen in Trier



Wie viele andere historische Großbauten der Stadt wurden auch die Barbarathermen lange Zeit als Steinbruch genutzt, bis man um 1850 mit archäologischen Ausgrabungen begann .

Heute ist etwa ein Viertel der ehemaligen Thermenlandschaft zu sehen - überwiegend Teile der Kellergewölbe, der Heizschächte sowie Reste der mit Warmluft betriebenen Fußbodenheizung.

Fassade des Geburtshauses von Karl Marx in der Brückenstraße in Trier

Wir folgen nun der Lorenz-Kellner-Straße und gehen durch die Karl-Marx-Straße bis zur Brückenstraße Nr. 10. Der Advokat Heinrich Marx mietete das aus dem Jahr 1727 stammende Barock-Haus 1818 an. Wenige Monate später erblickte sein Sohn Karl das Licht der Welt. Gewohnt hat die Familie Marx hier nur wenige Monate, denn bereits 1819 zog man in das Haus in der Simeonstraße um.

Der Sozialist, Philosoph, politische Journalist, Klassenkämpfer und Begründer des Marxismus Karl Marx war neben Friedrich Engels eine der Leitfiguren des Kommunismus. Er schrieb das "Kommunistische Manifest", sein dreibändiges Hauptwerk "Das Kapital" entstand ab 1867 im Londoner Exil.

Im Karl-Marx-Haus befindet sich ein Museum mit Briefen, Manuskripten und Erstausgaben von Karl Marx sowie Exponate zu Friedrich Engels.

Haus Venedig mit hoher Fassade und Eck-Erker mit dem hl. Johannes d. Täufer

Auf der gleichen Straßenseite steht ein paar Häuser weiter an der Ecke Brückenstraße und Johannisstraße das aus dem 17. Jahrhundert stammende Haus Venedig der vom Comer See eingewanderten Kaufmannsfamilie Carove. An der Ecke des Gebäudes im Stil gotischer Giebelhäuser ist ein kleiner Erker mit der Nischenfigur des heiligen Johannes des Täufers zu sehen.

Der Name des Hauses geht auf die Nutzung als Gaststätte "Zur Stadt Venedig" Ende des 18. Jahrhunderts zurück.

Heuschreck-Brunnen mit dem Wappentier der Karnevalsgesellschaft und Trierer Originalen am Ende der Fleischstraße
Einen historischen Hintergrund hat der Heuschreck-Brunnen an der Einmündung der Nagel- in die Fleischstraße nicht, dafür ist er umso origineller: über den Trierer Traditionsfiguren Fischers Maates, Krons Ton, dem Wichshänschen und den Büttenrednern Koorscht und Kneisjen thront die Symbolfigur der seit 1848 bestehenden Karnevalsgesellschaft "Heuschreck KG".

Der Brunnen wurde von dem Bildhauer Willi Hahn im Jahr 1977 geschaffen. Der Meister hat sich im Brunnenschaft liegend selbst abgebildet: auf einer Seite schauen seine Füße aus dem Stein heraus, auf der anderen Seite sieht man seinen Kopf.

Herkules kämpft auf dem Herkulesbrunnen vor der Antoniuskirche in Trier gegen einen Löwen






In Sichtweite des Heuschreck-Brunnens steht der Herkulesbrunnen auf der gegenüberliegenden Seite der Stresemannstraße.

Die Figur des mit einem Löwen kämpfenden Herkules stammt aus der Mitte des 18. Jahrhunderts und wurde im Jahr 1960 hier im Schatten der Sankt Antoniuskirche aufgestellt.

Blick vom Viehmarkt in Trier auf Hauptschiff und Turm der Kirche St. Antonius



Die Kirche St. Antonius wurde zwischen 1458 und 1514 über einer zur Pfarre St. Maria ad Pontem gehörenden kleinen Kapelle erbaut. Im Jahr 1519 wurde St. Antonius zur Pfarrkirche geweiht.

Der Glockenturm steht seitlich des Kirchenschiffes in dessen nordwestlicher Ecke und wurde 1477 fertiggestellt.

Hohes Glasfenster erhellt Altar und Kanzel im Hauptschiff der Kirche St. Antonius in Trier





Das hohe Hauptschiff von St. Antonius mit seinem spätgotischen Gewölbe wurde zu Beginn des 16. Jahrhunderts vollendet.

Sehenswert ist neben dem Grottenaltar des heiligen Antonius in einer Nische der Südwand auch die mit Schnitzereien und Einlegearbeiten reich verzierte Rokoko-Kanzel aus dem Jahr 1762. Sie wurde 1812 hierher verbracht, als das Dominikanerkloster in Domnähe abgerissen wurde.

Reich verzierter Maria-Himmelfahrt-Altar im Seitenschiff der Kirche St. Antonius in Trier







Im Seitenschiff von St. Antonius sehen wir uns den Mariä-Himmelfahrt-Altar an, der im frühen 17. Jahrhundert von Johannes Manternach in der Werkstatt des Trierer Bildhauers Hans Ruprecht Hoffmann geschaffen wurde.

Markttag auf dem Viehmarkt in Trier




Der angrenzende Viehmarkt entstand aus dem Garten eines aufgelösten Klosters und wird seit 1802 als Markt genutzt.

Heute handelt man hier nicht mehr mit Vieh sondern mit Obst, Gemüse und Südfrüchten.

Fassadenspiegelungen an der Viehmarkttherme in Trier


Im Jahr 1987 stieß man bei Ausschachtungsarbeiten für eine Tiefgarage unter dem Pflaster des Viehmarktes auf eine weitere große Thermenanlage, deren Ursprung bis heute nicht eindeutig geklärt werden konnte.

Teile der mächtigen Fundamente des römischen Bades wurden freigelegt und mittels eines gläsernen Schutzbaus, dem Thermenmuseum Viehmarkttherme, konserviert.

Blick auf freigelegte Teile der Römertherme am Viehmarkt in Trier


Seit 1998 kann man gegen eine kleine Gebühr hinuntersteigen und die freigelegten, bis zu 2 Meter breiten Kalksteinmauern besichtigen.

Wir haben das bei unseren Besuchen in der Stadt aus Zeitgründen bisher leider noch nicht geschafft. Es gibt in Trier einfach zu viel zu sehen. Aber wir waren ja nicht das letzte Mal in der Stadt...

Eingang zur Europahalle, dem Veranstaltungs- und Tagungszentrum der Stadt Trier




Wir überqueren den Viehmarkt Richtung Europahalle, die bei Veranstaltungen in 12 Tagungsräumen bis zu 1.200 Personen aufnehmen kann und biegen dann in die Hindenburgstraße ein, um uns an deren Einmündung in die Kaiserstraße...

Neue Synagoge der Jüdischen Gemeinde in Trier in der Kaiserstraße



... die nach Plänen des Architekten Alfons Leitl im Jahr 1956 errichtete neue Trierer Synagoge anzusehen. Das alte jüdische Gotteshaus in der Zuckerbergstraße wurde in der Reichspogromnacht von der SA niedergebrannt.

Details zur Geschichte der Jüdischen Gemeinde in Trier finden Sie auf der Website des Zentralrats der Juden in Deutschland.

Fassade des Haus des Handels in der Kaiserstraße in Trier








Etwas weiter östlich in der Kaiserstraße passieren wir das Haus des Handels, hinter dem wir dann nach links in die Neustrasse einbiegen, ...

Fassade der ehemaligen Germankirche vor dem Angela Merici Gymnasium in Trier







... an deren Kreuzung mit der Germanstraße die restaurierte Fassade der im 2. Weltkrieg zerstörten Germankirche vor dem Gebäude des Angela-Merici-Gymnasiums zu sehen ist.

Mit Malereien verzierte Fassade von Haus Nr. 20 in der Neustraße in Trier






Etwas weiter stadteinwärts, ebenfalls in der Neustraße, gehen wir an dem mit einem Bildnis des hl. Lucas und einigen Sinnsprüchen verzierten Gebäude vorbei, das von 1595 bis 1725 als Gasthaus und Metzgerei genutzt wurde. Im Giebel findet man den Spruch "Handwerkssinn und Fleiß und Pflicht han einst dieses Haus erricht".

Schmiedekunst der Neuzeit sieht man am Brunnen des Handwerks in Trier




Der als Eiche ausgeprägte und aus Messing gefertigte Brunnen des Handwerks an der Ecke Fahr- und Nagelstraße wurde von Trierer Handwerkern im Jahr 1984 anlässlich der 2000-Jahr-Feier der Stadt gestiftet und stellt - wen wundert es - die im Kammerbezirk angesiedelten 42 Handwerkerinnungen dar.

Natürlich findet man hier auch den alten Handwerksspruch "Lehrling ist jedermann - Geselle ist wer was kann - Meister ist der was ersann".

Sehenswert sind die vielen Details der dargestellten Handwerker vom Fotografen bis zum Zimmermann.

Fassade des ehemaligen Kolleggebäudes der Jesuiten in Trier

Wir folgen nun der Brotstraße, von der aus wir nach rechts in die Jesuitenstraße einbiegen.

Zwischen 1610 und 1614 errichteten die Jesuiten hier ein Kolleggebäude, in das nach der Aufhebung der Gesellschaft Jesu durch Papst Klemens XIV. im Jahr 1773 die Theologische Fakultät der Universität Trier einzog.

Heute befindet sich hier die Theologische Fakultät des zum Bistum Trier gehörenden Bischöflichen Priesterseminars.


Hauptschiff der Jesuitenkirche in TrierDie an das Priesterseminar angrenzende Jesuitenkirche diente von 1240 bis 1570 dem Bettelorden der Franziskaner, die das ursprünglich schlichte und einschiffige Gotteshaus im 14. Jahrhundert umbauten und um das nördliche Seitenschiff erweiterten.

1570 übernahmen die Jesuiten auf Geheiß des Kurfürsten Jakob von Eltz das Gotteshaus sowie das angrenzende Kloster, nachdem die Franziskaner nach St. German - die Fassade sahen wir an der Ecke Neustraße/Germanstraße - umgezogen wurden.

Seit 1779 gehört die Kirche der allerheiligsten Dreifaltigkeit zum Bischöflichen Priesterseminar.

Marienvotivaltar im Chor der Jesuitenkirche in Trier






Im Chor der Jesuitenkirche steht einen Marienvotivaltar, dessen Kopie wir schon am ursprünglichen Standort im Hof vor dem Kolleggebäude bewundert haben.

Das aus dem frühen 18. Jahrhundert stammende Original wurde 1976 in das Kircheninnere verbracht, um es vor Verwitterung zu schützen.

Denkmal für den Jesuitenpater Friedrich Spee in der Kirche der Dreifaltigkeit in Trier



Im südlichen Seitenschiff findet man ein Denkmal für den Jesuitenpater Friedrich Spee, der 1635 in Trier verstarb und der neben vielen anderen Jesuiten in der um 1610 errichteten Krypta beigesetzt wurde. Ihm zu Ehren wird die Krypta heute "Spee-Gruft" genannt.

Der 1591 in Kaiserswerth bei Düsseldorf geborene Friedrich Spee von Langenfeld trat 1610 dem Jesuitenorden bei und wurde 1623 zum Priester geweiht. Danach veröffentlichte er die "Trutznachtigall", eine Sammlung lyrischer Gedichte und Kirchenlieder.

Mit seiner Schrift "Cautio Criminalis" wandte er sich entschieden gegen die im Namen der Kirche verübten Folterungen, Hexenverfolgungen und Hexenprozesse.

Das Caldarium der Kaisertherme in Trier wird von einer 19 Meter hohen Fassade begrenzt




Von der Jesuitenstraße aus biegen wir in den Weberbach ein und erreichen nach etwa 500 Metern die Kaiserthermen an der Ecke Kaiserstraße und Ostallee.

Von dem ursprünglich 250 Meter langen und 145 Meter breiten Römerbad - mit einem Baubeginn Anfang des 4. Jahrhunderts die jüngste der drei Römerthermen in Trier - sind von weitem nur noch die im östlichen Teil gelegenen, hochaufragenden Mauern des ehemaligen Warmwasserbades zu sehen, dessen Kalksteinquader von horizontalen Ziegelbändern aufgelockert werden.

Römisches Mauerwerk am Warmwasserbad der Kaiserthermen in Trier




An das im Osten gelegene Caldarium (Warmwasserbad) schlossen sich das von Umkleide-, Wasch-, Massage- und Saunaräumen umgebene Tepidarium (Warmluftbad) und das Frigidarium (Kaltwasserbad) an, im Westen begrenzte die von Wandelhallen umgebene Palaestra (Gymnastikplatz) die Badeanlage.

Blick in einen unterirdischen Versorgungsgang der Kaiserthermen in Trier





Mittels einer Vielzahl von Feuerstellen erzeugte man die in den Hallen, Schwimmbecken und Wannen benötigte Wärme, über unterirdische Gänge wurde das Brennmaterial zu den Feuerstellen transportiert. Noch eine Etage darunter lagen die Abflusskanäle.

Teile des verzweigten unterirdischen Gangsystems kann man besichtigen, der Zugang befindet sich im ehemaligen Caldarium.

Unterirdische Feuerstelle der Kaiserthermen in Trier
Vollendet wurden die Kaiserthermen nicht: da Kaiser Konstantin im Jahr 324 seinen Sitz von Trier nach Byzanz, dem späteren Konstantinopel verlegte, kamen die Bauarbeiten zum Erliegen. Nur Caldarium und Tepidariumins waren fertiggestellt.

Über ein halbes Jahrhundert lag die Baustelle brach, dann beschloss Kaiser Flavius Valentinianus eine Nutzungsänderung: die Thermenruine wurde für eine repräsentative Verwendung umgebaut.

Später dienten die Kaiserthermen als Torburg der mittelalterlichen Stadtmauer, ein Fenster in der Apsis diente als Stadttor.

Südlicher Eingang in die Arena des römischen Amphitheaters in Trier



Wir unterqueren nun die Ostallee und folgen der Hermesstraße bis zur Einmündung in die Olewiger Straße, von der es nur noch ein paar Meter bergauf sind bis zum römischen Amphitheater.

Der Zugang war früher mit Blendarkaden überbaut: die beiden seitlichen Torbögen führten zu den Zuschauertribünen, der mittlere führte ....

Weitläufiges Arena-Oval im Amphitheater in Trier
... direkt in das 70 x 50 Meter große Oval der Arena. Hier fanden Tierhetzen und Gladiatorenkämpfe statt und hier ließ Kaiser Konstantin den germanischen Stammesfürsten Ascaric und den Frankenkönig Merogaisus wilden Bestien vorwerfen.

Während die linke Seite der Zuschauerränge künstlich aufgeschüttet werden musste, nutzte man auf der rechten Seite die natürliche Hanglage des Petrisberges aus.

Das Oval wird von 4 Meter hohen Mauern begrenzt, in denen Durchbrüche in kleine Kammern führen, in denen Gladiatoren und wilde Tiere untergebracht wurden.

Keller unter der Arena des Amphitheaters in Trier


Auf beiden Seiten der Arena findet man eine Treppe, die in den großen Keller unterhalb des Ovals führt. Hier wurde das eindringende Wasser gesammelt und mittels einer Holzpumpe in den angrenzenden Bach gepumpt.

In der Mitte des Kellers ermöglichte eine hölzerne Hebebühne, Gladiatoren oder Tiere schnell nach oben in die Arena zu bringen.

Blick von dem obersten Zuschauerrang auf das Oval des Amphitheaters in Trier
Die riesigen Dimensionen des Amphitheaters kann man am besten von den obersten Zuschauerrängen erkennen: in 26 Sitzreihen fanden hier 20.000 Menschen Platz.

Auf der Westseite gab es zusätzlich zwei Seiteneingänge, zwischen denen es eine Ehrenloge für den Kaiser und dessen Gäste gab.

Nach dem Abzug der Römer diente das Amphitheater vorübergehend als Schutzburg, später war sie Teil der Stadtbefestigung. Im Mittelalter wurde auch dieser römische Großbau als Steinbruch genutzt.



Auch wenn Sie von der Lauferei inzwischen etwas müde sind,
sollten Sie uns dennoch auch auf der letzten Etappe unseres Rundgangs durch Trier begleiten.
Es lohnt sich, denn wir gehen in
die Domstadt von Trier.




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Seite ergänzt: 27.12.2006