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Nibelungenstadt Worms am Rhein
    
Vom Lutherdenkmal durch das Judenviertel zurück zum Rhein

 


Das Lutherdenkmal zeigt zwölf Standbilder von Reformatoren und Trägern der Reformbewegung und Martin Luther in deren Mitte
Das Lutherdenkmal, größtest Reformationsdenkmal weltweit, entstand nach den Entwürfen des Dresdener Bildhauers Ernst Rietschel zwischen 1856 und 1861.

Zwölf Standbilder zeigen die Reformatoren Waldes, Wyclif, Hus und Savonarola, die Reichsfürsten Friedrich von Sachsen und Phillip von Hessen als weltliche Träger der Reformation sowie die Humanisten Reuchlin und Melanchthon. Drei Frauenfiguren stehen für die Speyerer Protestation 1529, den Augsburger Religionsfrieden 1555 und die Zerstörung Magdeburgs 1631. In deren Mitte, alle überragend, ist Martin Luther dargestellt.

Finanziert wurde das Denkmal von Protestanten aus aller Welt.


Erinnern Sie sich an die geschichtsträchtigen Ereignisse des Jahres 1521?
Am 16. April 1521 trifft Dr. Martin Luther, vom Volk bejubelt, durch das Mainzer Tor im Norden der Stadt kommend, zum Reichstag in Worms ein. Aus dem von der Kirche erhofften Bußgang wurde ein Triumphzug. Er bleibt bis zum 26. April 1521 in der Stadt.

Am 17. April geleitet Reichsmarschall Ulrich von Pappenheim den Mönch vor Kaiser Karl V. und die versammelten Fürsten. Johann von Eck beginnt als Vertreter des Erzbischofs von Trier das Verhör. Als Luther aufgefordert wird, seine gegen die Kirche und den Papst gerichteten Schriften zu widerrufen, zögert dieser und bittet um Bedenkzeit - daraufhin wird die Anhörung vertagt.


Nahaufnahme der überlebensgroßen Luther-Statue des Luther-Denkmals
Einen Tag später zögert der Augustinermönch nicht mehr. Er antwortet, dass er nicht widerrufen werde, weil sich der Papst und die Konzilien im Irrtum befinden:

          "Wenn ich nicht durch Zeugnisse der Schrift und klare Vernunftgründe überzeugt werde; denn weder dem Papst noch den Konzilien allein glaube ich, da es feststeht, daß sie öfter geirrt und sich selbst widersprochen haben, so bin ich durch die Stellen der heiligen Schrift, die ich angeführt habe, überwunden in meinem Gewissen und gefangen in dem Worte Gottes. Daher kann und will ich nichts widerrufen, weil wider das Gewissen etwas zu tun weder sicher noch heilsam ist.
          Gott helfe mir, Amen!"


Am 8. Mai 1521 unterzeichnet Karl V. das Wormser Edikt. Luthers Schriften werden verboten, er selbst soll in Haft genommen und dem Kaiser überstellt werden. Martin Luther aber hat Worms längst heimlich verlassen und sich im Schutz von Kurfürst Friedrich dem Weisen auf der Wartburg den Zugriffen der Kirchengerichtsbarkeit und des Kaisers entzogen. Die Reformation war nicht mehr aufzuhalten, die Einheit der Kirche war zerbrochen.

 

Kriegerdenkmal mit Kastanien säumender Grünanlage im ehemaligen Stadtgraben


Vom Lutherplatz gehen wir weiter in nördlicher Richtung durch die gepflegte Gartenanlage der Kastanienallee zwischen dem Adenauerring und der Martinsgasse, an deren Ende das Denkmal zu Ehren des "Infanterie Regiment Prinz Carl Nr. 118 und seinen Feldformationen" steht.

Von hier sehen wir rechter Hand schon ...

Blick auf die eintürmige Stiftskirche St. Martin



... die Stiftskirche Sankt Martin, die nie einen zweiten Turm erhielt. Die Pfeilerbasilika mit ihren drei Schiffen geht auf das 12. Jahrhundert zurück.

Hier wurden bis ins 15. Jahrhundert die Wormser Stadtkämmerer des Geschlechts von Dalberg beigesetzt.

Obeliskartiges Ludwigsdenkmal auf dem Ludwigsplatz




Mit dem von zwei hessischen Löwen flankierten Obelisken direkt daneben dankte die Stadt dem Großherzog Ludwig IV. von Hessen als siegreichem Führer im Deutsch-Französischen Krieg von 1870-1871.

Wunderschöne Martinspforte mit malerischem Balkon





Durch die Martinsgasse erreichen wir die Martinspforte...

Wunderschöne Martinspforte mit malerischem Balkon





... deren Balkon uns ausgesprochen gut gefällt.

Blick durch die enge Judengasse

Hier beginnt die nach Osten verlaufende Judengasse.

Bereits im 10. Jahrhundert gab es in Worms ein jüdisches Ghetto. Die Wormser Juden stellten einen geachteten Teil der Bürgerschaft. In seinem Freibrief des Jahres 1074 bezog Kaiser Heinrich IV. die Juden in die den Wormser Bürgern verliehenen Privilegien ausdrücklich mit ein.

In der Jüdischen Welt wurde und wird Worms wegen seiner weit zurückreichenden jüdischen Geschichte auch "Klein-Jerusalem" genannt.


neu aufgebaute Wormser Synagoge im Judenvierel der Altstadt Die frühe Wormser Synagoge wurde bereits 1034 auf den alten Fundamenten eines Bethauses erbaut. Während des Kreuzzugs 1096 wurde sie verwüstet, 1175 neu aufgebaut. Erneute Zerstörungen folgten während der Pogrome 1349 und 1615. Während der NS-Zeit wurde sie niedergebrannt und vollkommen zerstört.

Mit Hilfe der liegengebliebenen Quader und Bruchsteine wurde die Synagoge in ihrer alten Gestalt durch Stadt, Land und Bund wieder aufgebaut und 1961 neu geweiht.

In den Jahren 1185/86 erfolgte der Bau einer unterirdischen Badeanlage (Mikwe). Das unterste Becken, heute noch zu besichtigen, wird vom Grundwasser gespeist.


Soweit sie sich nicht durch Emigration retten konnten, wurden die jüdischen Gemeindemitglieder während der NS-Zeit ermordet. Heute existiert keine eigenständige jüdische Gemeinde mehr, Eigentümer des Hauses ist die jüdische Gemeinde in Mainz.
 

Blick durch das Raschi-Tor der nördlichen Stadtbefestigung am Judenviertel
Rabbi Salomon ben Isaak aus Troyes in Frankreich (1040 - 1106), genannt Raschi, war einer der bedeutendsten Gelehrten des Judentums. Er studierte in Worms um 1060 und in der Folge lehrte er an der Wormser Hochschule. Seine Talmud-Kommentare sind auch heute noch richtungsweisend.

Nach ihm wurde das Raschi-Tor in der nördlichen Stadtbefestigung benannt, das den direkten Verkehr in das jüdische Ghetto ermöglichte.

Hier finden Sie weiterführende Informationen zur Jüdischen Geschichte und Gegenwart

Blick durch die Bärengasse auf das Weinlokal Schambach

Wir setzen unseren Weg durch die Wormser Altstadt fort.

In der Mähgasse kehren wir in dem empfehlenswerten und alteingesessenen "Weinhaus Schambach" ein. Vielleicht haben Waltraud und Karl Schambach ja auch geöffnet, wenn Sie hier vorbeikommen? Ihr Gaumen würde sich ganz bestimmt freuen!

Hier könnten Sie sich ausgiebig für Ihre Rückfahrt stärken, denn unsere Tour durch die Stadt ist bald zu Ende.

Das östliche Stadttor führt aus der Stadt Richtung Rhein


Nach wenigen Metern kommen wir zurück zur Stadtmauer im Osten der Stadt.

Nun haben ihre Füße den geschichtsträchtigen Fußmarsch bald überstanden. Von hier aus sollten Sie auch ohne uns problemlos zu Ihrem Auto am Parkplatz neben der Rheinbrücke zurückfinden, denn wir wollen uns nun die Stadt noch aus einer anderen Perspektive ansehen.

Blick durch die geschmückte Fischerwääd, in der die Zunft der Rheinfischer angesiedelt war




Sie sollten sich aber auf jeden Fall noch die "Fischerwääd" anschauen, das alte Wohnviertel der Wormser Rheinfischer, das während des traditionellen Wormser Backfischfestes bunt geschmückt ist.

Blick auf die Stiftskirche 'Unserer Lieben Frau' inmitten  der Weingärten der berühmten Liebfrauenmilch


Wir werfen statt dessen noch einen Blick auf die gotische Stiftskirche "Unserer Lieben Frau", die von jenen Weinbergen umgeben ist, in denen die weltberühmte Liebfrauenmilch gedeiht.

Nach einer regelrechten Liebfrauenmilch-Schwemme wird der Spitzen-Riesling heute als "Wormser Liebfrauenstift Kirchenstück" vermarktet wird.

Blick auf das Stadtzentrum und den Wormser Dom





Mit einem letzten Blick verabschieden wir uns von der Stadt und dem Dom...

Blick auf Nibelungen-Brücke, Brückenturm und den Rhein





... und passieren ein letztes Mal den Rhein und den Turm der Nibelungenbrücke ...

 

"Alla dann, G'Nachd!"

 

 

 

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