Lechtaler Alpen (3b)



    Augsburger Biwak

    2608 m, seit 1985 "Roland-Ritter-Biwakschachtel".


    Das Biwak, die dritte Notunterkunft an dieser Stelle, liegt auf der Parseierscharte, 2608 m hoch etwa in der Mitte des "Augsburger Höhenweges" zwischen der Ansbacher- und Augsburger-Hütte.


    Schon 1908 beim Bau des von der DAV-Sektion Augsburg finanzierten schwierigen Stückes des Lechtaler-Höhenweges war dort eine hölzerne Unterstandshütte erstellt worden. Diese war 1919 verfallen, blieb jedoch in allen Wegekarten eingezeichnet. Im August 1951, anläßlich der 60-Jahr-Feier der Augsburger-Hütte wurde der "Augsburger Höhenweg" zur Ansbacher Hütte nach dem 2. Weltkrieg erstmals durch Sektionsangehörige wieder begangen. Dabei fand man die spärlichen Reste der ehemals auf der Parseierscharte errichteten Notunterkunft und seither spukte das Wort "Biwakschachtel" fast ununterbrochen durch die Vorstandssitzungen der Sektion. Es gab zunächst vordringlichere Probleme und das Geld war rar.
     

Augsburger Biwak in den Lechtaler Alpen, seit 1985 Roland-Ritter-Biwakschachtel


    1969 anläßlich ihres 100. Jubiläums entschloß sich die Sektion Augsburg, eine vom Hauptverein in München empfohlene und bezuschußte Polyester-Schachtel neu errichten zu lassen. Doch diese zu leichte Konstruktion überlebte die extremen Wetter- und Temperatur1bedingungen in dieser Höhe von 1970-1974 nur drei Winter lang. Von da an knobelten Techniker der Sektion an einer Stahlrohr-Blechkonstruktion mit Mineralfaser-Isolierung und innerer Holzverkleidung, die 1976 in Augsburg gebaut, transportiert und aufgeflogen wurde. Auf dem Stahlrohrgerüst der Vorgängerin im Felsschutt verankert, ist sie seither eine stabile Unterkunftshütte. Einer der wesentlich Beteiligten an diesem Werk war Roland Ritter.


    Roland Ritter, 1905 im Sudetenland geboren, hatte in Wien und Prag Bauingenieurwesen studiert. Ab 1935 beruflich in München, war er der DAV-Sektion Oberland beigetreten. Nachdem er 5 Jahre an den Fronten in West, Ost und Süd überlebt hatte, verschlug es ihn 1948 beruflich nach Augsburg. Dort wurde der Bergsteiger schnell in der DAV-Sektion heimisch. 1953-54 außerordentlich aktiv am Bau der Ostertalhütte beteiligt, übernahm er gleichzeitig die Leitung der recht rührigen Skiabteilung und betreute diese 16 Jahre lang. Dabei war er auch aktiv unter den Bergsteigern, und sein Tourenbuch enthält eine Anzahl der höchsten Westalpengipfel. 1969 wurde er zum Schriftführer der Sektion gewählt und übte dieses Amt 21 Jahre lang aus. Er war praktisch der ehrenamtliche Geschäftsführer der fast 7.000 Mitglieder starken Sektion und durch seine langjährige Erfahrung und Umsicht die rechte Hand der jeweiligen 1. Vorsitzenden.
     

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Montage des Augsburger-Biwak per Hubschrauber


    Die Mitgliederversammlung 1981 ernannte Roland Ritter auf Grund seiner besonderen Verdienste zum Ehrenmitglied. Anläßlich seines 80. Geburtstages und dem gleichzeitigen 100. Jubiläum der Augsburger Hütte bekam die Biwakschachtel, an der er so maßgebend mitgewirkt hatte, seinen Namen. Auch die Stadt Augsburg ehrte ihn anläßlich seines 85. Geburtstages mit der goldenen Verdienstnadel. In seiner DAV-Sektion Augsburg hat Roland Ritter als Vorbild und Beispiel Maßstäbe gesetzt: durch seine Aufgeschlossenheit, seine Sachkenntnisse, seine Ausdauer und Beharrlichkeit in jeder Arbeitssituation.




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