Der Vorsitzende der Sektion Prag des DuOeAV,
Johann Stüdl, beschäftigte sich als einer der ersten mit Hüttenbauplänen.
Sein Augenmerk war neben der Glocknergruppe auch auf das Venedigergebiet
gerichtet. Für den Bau einer Hütte im südwestlichen Teil dieser Gruppe fand
er 1872 einen Gönner: Edler Prokop von Ratzenbeck, seines Zeichens Weinhändler
aus Prag. Sie wurde noch im gleichen Jahr mit einem Aufwand von 300 österreichischen
Gulden, was etwa 1.765 Mark entsprach, fertiggestellt, blieb zunächst Eigentum
v. Ratzenbecks und erhielt, nach seiner Frau, den Namen Clara-Hütte. Aus
Anlaß des 25-jährigen Bestehens der Sektion Prag machte Frau von Ratzenbeck
1895 die von ihrem inzwischen verstorbenen Mann ererbte Hütte der Sektion
Prag zum Geschenk. Die Clara-Hütte war damit die viertälteste Hütte des
Alpenvereins und bestand seinerzeit nur aus einem Raum.

Durch die veränderten politischen und wirtschaftlichen
Verhältnisse sah sich die Sektion Prag nach dem 1. Weltkrieg veranlaßt,
das Umbaltal an die Sektion Barmen abzutreten, die damals bereits in der
Rieserferner-Gruppe ihre Bergheimat hatte. Aber noch bevor diese Abmachung
verbrieft wurde, konnte die Sektion Essen, die ihr bisheriges Arbeitsgebiet
in Südtirol verlor, in nachbarschaftlichem Einvernehmen mit den Barmenern,
das Umbaltal mit der damals schon arg verfallenen Clara-Hütte übernehmen.
Der Schenkungsvertrag datiert auf den 28.6.1926, aber schon vor diesem Tag erfolgte
eine gründliche Hüttensanierung, so daß die Wiedereröffnung bereits am 7.8.1926
stattfinden konnte.
Von 1929 bis 1957, als nacheinander die beiden großen
Essener-Hütten im oberen Umbaltal standen (beide wurden durch Lawinen zerstört),
hatte die Clara-Hütte nur eine untergeordnete Bedeutung. Sie war Durchgangsstation
und wohl mehr Hirtenunterkunft als ein wirkliches Bergsteigerheim. Erst
ab 1958 gewann die Clara-Hütte wieder an Bedeutung. Nach dem Vorstandsbeschluß,
im oberen Umbaltal keine dritte Essener-Hütte mehr zu errichten, wurde zwischen
1969 und 1972 die Clara-Hütte umgebaut und erweitert. Sie schmiegt sich
auch jetzt noch eng an den Berghang, bietet daher Steinschlag und Lawinen
kaum Angriffsfläche und blieb deshalb bisher nahezu unversehrt.
Weitere Infos:
http://www.praegraten.at/clarahuette