Karnischer Hauptkamm (57a)



    Eduard-Pichl-Hütte (jetzt Wolayerseehütte)
    1959 m, am Wolayer-See gelegen, mit den Talorten Kötschach / Mauthen.


    Nachdem die Wolayerseehütte der Sektion Obergailthal aus dem Jahr 1896 im Ersten Weltkrieg zerstört wurde, errichtete die Sektion Austria aus Wien 1923 einen Nachfolgebau. Benannt wurde das Bauwerk nach dem erstklassigen österreichischen Bergsteiger, Hofrat und Ingenieur Eduard Pichl aus Wien, geboren am 15.9.1872 in Wien. Die Eduard-Pichl-Hütte wurde während des Zweiten Weltkrieges zerstört und von 1949 bis 1950 wieder aufgebaut.

    Eduard Pichl galt als "Meister der leichten Wegführung". Zwischen Rax und Dolomiten gibt es zahlreiche "Pichlwege", die bis heute zu den beliebtesten Felsenwegen zählen. Viele Jahre war Pichl Obmann der Sektion Austria und Präsident des Alpenklubs. Er war Antisemit und führte anfangs der Zwanziger Jahre den sogenannten "Arier-Paragraphen" ein, was zu Protesten und Massenaustritten führte. Mit dem Beschluß vom 27.10.1921 erreichte Pichl, daß in "seiner" Sektion Austria keine jüdischen Mitglieder mehr akzeptiert wurden. Im gleichen Jahr versuchte er vergebens, die Aufnahme der "jüdischen" Sektion Donauland in den DÖAV zu verhindern, aber am 14.12.1924 setzte er während einer außerordentlichen Hauptversammlung mit großer Mehrheit (1653 gegen 190 Stimmen) den Ausschluß der "Donauländer" aus dem Alpenverein durch. Pichl versuchte in der Folge auch, den Judenausschluß auf den gesamten DÖAV auszudehnen. Das alles zu einer Zeit, als Adolf Hitler nach seinem gescheiterten Putschversuch und mit österreichischer Staatsbürgerschaft in Landsberg am Lech in Festungshaft saß, vom "Führertum" träumte und "Mein Kampf" verfasste. Weitere Infos zum Thema "Alpinismus im Hitlerstaat" finden Sie u.a. in der aussagekräftigen Leseprobe auf www.rother.de.

    Der Österreichische Alpenverein distanzierte sich von Eduard Pichl und benannte im Jahr 2002 die Hütte in Wolayerseehütte um.
     

Eduard-Pichl-Hütte am Wolayer See, Karnischer Hauptkamm, mit den Talorten Kötschach / Mauthen


    Daß Pichl ein exzellenter Alpinist war, beweisen seine 50 Erstbegehungen, u.a. Großer Buchstein-N-Wand und N-Grat, Ödstein-N-Wand, Pichl-Riß am Delagoturm, Planspitze-N-Wand, Patteriol-N-Wand, Sparafeld-N-Wand, Ostwand des Wolayer-Kopfes mit T. Miessner, Cimone-de-la-Pala-NW-Grat. Zu seinen Neuanstiegen gehörte auch der Pichl-Weg in der Dachstein-S-Wand.

    1929 brachte er den Führer "Durch die Karnische Hauptkette" heraus. Zusammen mit Heinrich Heß war er Herausgeber des ältesten deutschsprachigen Führers "Durch das Gesäuse und die Ennstaler Berge". Pichl verstarb am 15.3.1955 in Lauffen a.d. Salzach.

    Gipfelziele von dieser Hütte sind u.a. Hohe Warte (2780 m), Kellerwand (2769 m), Seewarte (2595 m) und die Biegenköpfe (2347 m).


Weitere Infos:
www.bergsteigen.at




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