Die erste Payer-Hütte wurde
im Jahre 1875 durch die Sektion
Prag erbaut und am 5. September des gleichen Jahres durch den Obmann der
Sektion Prag, Johann Stüdl, feierlich eingeweiht. Bedingt durch
ihre extreme Lage hatte die Hütte einen unerwarteten Zulauf
und musste bereits 1909 um ein Schlafhaus erweitert werden.

Benannt wurde die Hütte nach dem am 1.9.1842
im böhmischen Schönau bei Teplitz geborenen Ritter Julius von Payer. Er absolvierte
die Militär-Akademie in der Wiener Neustadt, wurde Offizier
und war ein begeisterter
Bergsteiger und Polarforscher. Verstorben ist er in Bled (Veldes) am 31.3.1915.
Payer hat sich um die Erschließung der Adamello-Presanella-Gruppe verdient
gemacht, dabei glückte ihm die Erstersteigung des Adamello im Jahre 1864.
Von 1865-1868 sorgte er im Auftrag von Kriegsminister Kuhn für die Erschließung und Kartierung der Ortler-
und der Adamello-Gruppe.
Mit Josef Pinggera als Führer bestieg er als erster Cevedale, Vertainspitze,
Tukettspitze, Schneeglocke, Geisterspitze, Hochleitenspitze, Monte Zebru
und den Großen Eiskogel.
In den Jahren 1869/70, 1871, 1872/74 unternahm
Payer Nordpolexpeditionen und kartierte Teile Grönlands und das Franz-Josefs-Land. 1876 wurde er in den Adelsstand erhoben. Er war
auch schriftstellerisch tätig, er schuf u.a. "Julius Payers Bergfahrten".

Die Hütte steht auf dem schmalen, felsigen
Tabarettakamm (Ortlernordgrat) in exponierter Lage hoch über dem Suldener
Talkessel wie kaum ein anderes
Hüttenbauwerk in den Alpen. Im Laufe der Zeit erfolgten viele bauliche Vergrößerungen.
1907 begann man mit einem Neubau, der 1909 vollendet wurde. 120.000 Kronen
erforderte der dreistöckige Baukörper. Während des 1. Weltkrieges war der
Baukomplex vom österreichischen Militär besetzt. Eine Materialseilbahn baute
man 1916 von Sulden herauf. 1919 verließ das Österreichische Besatzungskontingent
die Payer-Hütte in bestem Zustand. Kurz darauf wurde das Haus
geplündert, beschädigt und schließlich unbewohnbar gemacht.
Es folgte die Enteignung. Ein versuchter Rückkauf durch die
Sektion Prag scheiterte, die Hütte wurde inzwischen durch das
italienische Militär genutzt. Nach dem Friedensvertrag von St. Germain fiel die Payer-Hütte endgültig an die Sektion Mailand des CAI, die das Haus in
der Folge wieder
bewirtschaften ließ. Im 2. Weltkrieg war die Hütte nur zeitweise bewirtschaftet.
1949 trat durch Blitzschlag ein Schaden ein, den man wieder behob. Bemerkenswert
ist noch, daß die Hütte niemals umbenannt wurde, denn Julius von Payer war
Ehrenmitglied der CAI-Sektion Mailand.
Heute ist die Payer-Hütte der Sektion Mailand des CAI
wieder voll benutzbar.
Der 3905 m hohe Ortler ist der Hausberg.
Weitere Infos:
www.seilschaft.it