Ortlergruppe (48a)



    Payer-Hütte
    3020 m, am Tabarettagrat mit den beiden Talorten Sulden und Trafoi.


    Die erste Payer-Hütte wurde im Jahre 1875 durch die Sektion Prag erbaut und am 5. September des gleichen Jahres durch den Obmann der Sektion Prag, Johann Stüdl, feierlich eingeweiht. Bedingt durch ihre extreme Lage hatte die Hütte einen unerwarteten Zulauf und musste bereits 1909 um ein Schlafhaus erweitert werden.
     

Payer-Hütte am Tabarettagrat in der Ortlergruppe mit den Talorten Sulden und Trafoi


    Benannt wurde die Hütte nach dem am 1.9.1842 im böhmischen Schönau bei Teplitz geborenen Ritter Julius von Payer. Er absolvierte die Militär-Akademie in der Wiener Neustadt, wurde Offizier und war ein begeisterter Bergsteiger und Polarforscher. Verstorben ist er in Bled (Veldes) am 31.3.1915. Payer hat sich um die Erschließung der Adamello-Presanella-Gruppe verdient gemacht, dabei glückte ihm die Erstersteigung des Adamello im Jahre 1864. Von 1865-1868 sorgte er im Auftrag von Kriegsminister Kuhn für die Erschließung und Kartierung der Ortler- und der Adamello-Gruppe. Mit Josef Pinggera als Führer bestieg er als erster Cevedale, Vertainspitze, Tukettspitze, Schneeglocke, Geisterspitze, Hochleitenspitze, Monte Zebru und den Großen Eiskogel.

    In den Jahren 1869/70, 1871, 1872/74 unternahm Payer Nordpolexpeditionen und kartierte Teile Grönlands und das Franz-Josefs-Land. 1876 wurde er in den Adelsstand erhoben. Er war auch schriftstellerisch tätig, er schuf u.a. "Julius Payers Bergfahrten".
     

Payer-Hütte am Tabarettagrat in der Ortlergruppe mit den Talorten Sulden und Trafoi


    Die Hütte steht auf dem schmalen, felsigen Tabarettakamm (Ortlernordgrat) in exponierter Lage hoch über dem Suldener Talkessel wie kaum ein anderes Hüttenbauwerk in den Alpen. Im Laufe der Zeit erfolgten viele bauliche Vergrößerungen. 1907 begann man mit einem Neubau, der 1909 vollendet wurde. 120.000 Kronen erforderte der dreistöckige Baukörper. Während des 1. Weltkrieges war der Baukomplex vom österreichischen Militär besetzt. Eine Materialseilbahn baute man 1916 von Sulden herauf. 1919 verließ das Österreichische Besatzungskontingent die Payer-Hütte in bestem Zustand. Kurz darauf wurde das Haus geplündert, beschädigt und schließlich unbewohnbar gemacht. Es folgte die Enteignung. Ein versuchter Rückkauf durch die Sektion Prag scheiterte, die Hütte wurde inzwischen durch das italienische Militär genutzt. Nach dem Friedensvertrag von St. Germain fiel die Payer-Hütte endgültig an die Sektion Mailand des CAI, die das Haus in der Folge wieder bewirtschaften ließ. Im 2. Weltkrieg war die Hütte nur zeitweise bewirtschaftet. 1949 trat durch Blitzschlag ein Schaden ein, den man wieder behob. Bemerkenswert ist noch, daß die Hütte niemals umbenannt wurde, denn Julius von Payer war Ehrenmitglied der CAI-Sektion Mailand.


    Heute ist die Payer-Hütte der Sektion Mailand des CAI wieder voll benutzbar. Der 3905 m hohe Ortler ist der Hausberg.


Weitere Infos:
www.seilschaft.it




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