Dolomiten (52)



    Rifugio Franz Kostner
    2536 m, in der Sellagruppe mit dem Talort Corvara.


    In der Nähe der jetzigen Hütte begann vor dem 1. Weltkrieg die Sektion Bamberg des DuOeAV mit dem Bau einer Hütte, die aber wegen der Kriegsereignisse nicht fertiggestellt werden konnte und allmählich verfiel. Heute sind nur noch Mauerreste zu sehen.

    Bis vor wenigen Jahren war die Ostseite der Sella ein ruhiges Gebiet. Dies änderte sich 1988 mit dem Bau der Franz-Kostner-Hütte und dem Bau der Kabinenbahn von Corvara aus mit dem sich anschließenden Sessellift, von dem aus man bequem das Haus erreichen kann. Es wurde vom Club Alpino Italiano (CAI) - Sektion Bozen erbaut, die sie auch bewirtschaftet. Der Hüttenplatz liegt auf einem kleinen Plateau im Valonkar an der Ostseite der Sella mit herrlichem Blick zur nordseitigen Marmolada.
     

Rifugio Franz Kostner in der Sellagruppe der Dolomiten mit Corvara als Talort


    Die Hütte bekam den Namen von Franz Kostner, der einer Bauernfamilie entstammte und am 2.10.1877 geboren wurde. Nach dem Schulabschluß arbeitete er zunächst als Tischler in der Werkstatt seines älteren Bruders. Seine Liebe galt der Bergwelt. Schon 1897 ging sein Herzenswunsch in Erfüllung, er wurde autorisierter Bergführer, zusätzlich legte er 1904 die Skilehrer-Prüfung ab.

    Kostner war nicht nur in den Dolomiten tätig, auch in der Bergwelt Tirols und in der Schweiz führte er und genoß in Bergsteigerkreisen einen guten Ruf und Anerkennung. Mit dem bekannten Alpinist Professor Merzbacher aus München war er 1902, 1903 und 1907 auf Expeditionen in Tienschan, der nördlichen Gebirgskette des Himalaja. Hier war er u.a. als Kartograph eingesetzt.

    Im 1. Weltkrieg war Franz Kostner als Major mit dem Kommando des Standschützenbataillons Enneberg betraut, welches zusammen mit den Kaiserjägern das Gebiet um den Lagazuoi-Col-di-Lana-Marmolada zu verteidigen hatte. Nach dem Krieg gründete er zur Förderung des Fremdenverkehrs 1921 ein Autobusunternehmen, das den Postdienst nicht nur für das ganze Gadertal sondern auch das obere Pustertal, das Grödnertal und für Buchenstein versah.
     

    Rifugio Franz Kostner in der Sellagruppe der Dolomiten mit Corvara als Talort


    Ende der 20er Jahre war es das größte Busunternehmen in Südtirol. Schon frühzeitig übernahm Kostner das Gasthaus „Post Zirm“ mit dem landwirtschaftlichen Betrieb. Mehrmals baute er dieses um, bis es das führende Haus in Corvara war. Hinzu kamen eine Bäckerei, Gemischtwarenhandlung und ein Sportgeschäft. Und da es im Tal mit der Stromversorgung schlecht bestellt war, baute er 1927 ein Elektrizitätswerk.

    Viele Jahre war Kostner Bürgermeister von Corvara. Außerdem war er 45 Jahre Obmann der Raiffeisenkasse und ständiger Förderer des Fremdenverkehrs. Den Ort zur Erbauung der Bamberger-Hütte suchte damals Franz Kostner für die Sektion aus und er unterstützte das Projekt. Beim Stiftungsfest des ÖAK 1954 bestieg Kostner als 75-jähriger mit den etwa gleich alten Bergkameraden Pfann und Distel das Totenkirchel im Wilden Kaiser durch den Pfannkamin, eine beachtenswerte Leistung in diesem Alter.

    Als die neue Hütte 1988 fertig war, erinnerte sich die Sektion Bozen an den hochverdienten Bergführer und Landsmann und gab ihm zu Ehren den Namen.


Weitere Infos:
www.rifugiokostner.it




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