Türnitzer Alpen (22)



    Zdarsky-Hütte
    1050 m auf dem Eibel. St. Ägyd am Neuwalde ist Talort.


    Hütteneigentümer ist der Touristenverein "Die Naturfreunde" (TVN). Mathias Zdarsky wurde am 25.2.1856 in Südmähren geboren. Er wurde Lehrer, dann Maler und Bildhauer. Studienorte waren Brünn, München und Zürich. Nach Studienreisen in Nordafrika, Italien und Bosnien zog Zdarsky auf seien Bergbauernhof "Harbernreith", den er 1889 erworben hatte. Dieser liegt im Alpenvorland im Gemeindegebiet Lilienfeld in Niederösterreich.


    Angeregt durch das Werk von Dr. Fridtjof Nansen "Auf Schneeschuhen durch Grönland" und fasziniert durch die damals aus Norwegen eingeführten Schneeschuhe nahm Zdarsky ebenfalls den Kampf mit dem Skilauf auf. Er "erforschte", wie er selbst sagte, die "Alpine Skifahrtechnik" und führte mit dem von ihm gegründeten "Alpen-Ski-Verein" die ersten 3 Torläufe der Skiweltgeschichte in Lilienfeld durch. Nach vielen Versuchen erfand er die für seine Zeit bahnbrechende Stahlsohlenbindung.
     

Zdarsky-Hütte in den Türnitzer Alpen mit Talort St. Ägyd am Neuwalde


    Am Muckenkogel (1248 m) veranstaltete er den ersten Slalomlauf. Die Strecke war 2 km lang, 85 Fahrmale (heute Tore genannt) waren zu durchfahren, bei einer Höhendifferenz von etwa 500 m. Damals wurde der Stemmbogen eingeführt und noch in Einstocktechnik gefahren. Zdarsky wurde bald trotz seines Alters von 40 Jahren der anerkannt beste Fahrer seiner Zeit. Das erste Skilehrbuch der Welt erschien 1897 durch Mathias Zdarsky. Es folgten viele weitere und verbesserte Auflagen. Am 19.3.1905 fand in Lilienfeld der erste Riesentorlauf statt. Auf den Tag genau 30 Jahre später wurde der Riesentorlauf wiederentdeckt von dem Bozener Günther Langes, der auf den Gletscherfeldern der Marmolada abgehalten wurde.


    Lilienfeld hat auch im österreichischen Heeresskifahren durch Zdarsky eine Rolle gespielt. Ab 1903 hat er hier Ausbildungslehrgänge für das Heer gehalten, später auch an anderen Orten. Erst durch Bilgeris Buch (1910) und namentlich durch dessen Tätigkeit im Krieg wurde das Doppelstockfahren auch vom Heer übernommen.


    Zdarskys Ziel war nicht Spitzensport, sondern Massenübung. Die heute noch am meisten bekannte und geschätzte Erfindung war sein lebensrettendes Zelt. Es schützte vor dem Erfrieren. Etwa 2 x 2 Meter groß aus Batist, für 2 Personen zum Liegen und für 4 Personen zum Sitzen, bei ca. 1 kg Gewicht. Hieraus wurde der heute gebräuchliche Biwaksack entwickelt. Im 1. Weltkrieg wurde der einäugige 60-jährige Mann an die Kärntner Front als Helfer gegen Lawinengefahr gerufen. Bei einer Bergung im Gailtal am 28.2.1916 schlug eine Naßlawine den bis dahin kerngesunden Mann durch viele Knochenbrüche zum dauernden Krüppel. Bis zu seinem Lebensende am 20.6.1940 hatte Zdarsky quälende Nervenschmerzen. Mit dem Unglück war es mit seiner Skitätigkeit zu Ende.


    Zdarsky hatte viele Widerstände, aber weit mehr Anerkennung erfahren. Der österreichische Staat hat ihm 1909 das goldene Verdienstkreuz mit Krone verliehen, 1916 für seine Tätigkeit als Alpinreferent das Ritterkreuz des Franz-Josefs-Ordens mit der Kriegsdekoration und 1936 das Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich.




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