Gebirgsstraßen, Pässe, Hellinge und Klimmen
    
Bergstraße nach Colle Santa Lucia
(Colle Santa Lucia)
    



Der Abschnitt der Dolomitenstraße SP251 "
Strada Provinciale SP251 della Val di Zoldo e Val Cellina" von Selva di Cadore über Colle Santa Lucia nach Rucava ist eine aussichtsreiche Alternative zur Strada Provinciale 20, die durch das Fiorentina-Tal nach Caprile und Rucava führt. Die zwischen dem 2.405 Meter hohen Monte Pore im Norden und dem 1.917 Meter hohen Col Davagnin im Südosten verlaufende Bergstraße ist zudem die kürzeste Verbindung von der Südrampe des Passo di Falzarego zur Südrampe des Passo di Giau.



Auf dem Weg nach Colle Santa Lucia in den Belluneser Dolomiten


Vom Passo Duran kommend erreichen wir über Dont, Zoldo Alto, Pianaz, Mareson-Pecol und Santa Fosca die ladinische Gemeinde Selva di Cadore, hinter der wir nach links auf die SP251 abbiegen. Direkt nach dem Abzweig überquert die SP251 den am Südhang des Monte Averau in 2.020 Metern Höhe entspringenden Gebirgsbach "Torrente Codalunga", dann schlängelt sie sich oberhalb des Weilers Codalonga mit bis zu zehn Prozent Steigung durch ein kurzes Waldstück zum Dorf Pian. Der Torrente Codalunga mündet kurz darauf im Südwesten von Selva di Cadore in den nach Caprile fließenden "Torrente Fiorentina".



Auf der SP251 zwischen Selva di Cadore und Colle Santa Lucia in den Belluneser Dolomiten


Hinter Pian flacht die Bergstraße zunächst ab. Hinter einer Kehre steigt sie dann erneut an und führt durch mehrere lang gezogene Kurven und mit bis zu acht Prozent Steigung am Hang einer Hochebene (1.300-1.500 m) bergauf und passiert dabei die oberhalb des Fiorentina-Tals gelegenen und zur Gemeinde Colle Santa Lucia gehörenden Ortschaften Fossal und Villagrande. Zwischen den Ortschaften verläuft die SP251 durch offenes Weideland und ermöglicht schöne Ausblicke auf die Gipfel von Sasso Bianco (2.412 m), Cima di Pezza Est (2.396 m), Cime d'Auta (2.545 m) und Cima dell'Auta Barbagin (2.524 m) in der Marmolada-Gruppe.



Kurz vor dem Scheitel der Bergstraße von Selva di Cadore über Colle Santa Lucia nach Rucava in den Belluneser Dolomiten


Vier Kilometer hinter Selva di Cadore erreichen wir dann die vermeintliche Scheitelhöhe der Bergstraße, hinter der sich der 2.384 Meter hohe Gipfel des Mont Migógn erhebt.



Flaggenmast auf dem Scheitel der Bergstraße von Selva di Cadore über Colle Santa Lucia nach Rucava in den Belluneser Dolomiten


Hier oben wurde neben einem kleinen Parkplatz ein Aussichtspunkt mit Ruhebänken und einem Flaggenmast angelegt, auf dem die Fahnen von Italien und der EU gehisst sind. Eine dritte Fahne zeigt die ladinischen Farben blau (Himmel), weiß (Gletscher), grün (Wiesen) und den Südtiroler Adler. Nach dem ersten Weltkrieg wurden Ladiner Gemeinden getrennt und auf die Regionen Trentino-Südtirol und Veneto aufgeteilt. Seitdem kämpfen sie um ihre Einheit: In einem Volksentscheid des Jahres 2007 forderten die Bewohner der ladinischen Gemeinden Cortina d'Ampezzo, Colle Santa Lucia und Fodom - bisher vergebens - die Wiedervereinigung mit den ladinischen Gemeinden in Südtirol und die Anerkennung als Minderheit, die ihnen in Venetien verwehrt wird.



Blick vom Scheitel der Bergstraße von Selva di Cadore über Colle Santa Lucia nach Rucava auf den tief im Tal gelegenen Lago di Alleghe


Von dem Aussichtspunkt hat man einen herrlichen Blick auf die Civetta-Nordwand und den tief im Tal gelegenen "Lago di Alleghe". Der blaugrün schimmernde See entstand im Jahr 1771 durch einen Erdrutsch am Monte Piz: Die herunterstürzenden Gesteins- und Erdmassen verschütteten neben drei Dörfern auch den Lauf des Flüsschens Cordevole und schufen so ein natürliche Staumauer, vor der sich dann das Wasser ursprünglich...



Blick vom Scheitel der Bergstraße von Selva di Cadore über Colle Santa Lucia nach Rucava auf die tief unterhalb gelegene Ortschaft Caprile


... bis zu der unter uns im Tal gelegenen Ortschaft Caprile aufstaute. In dem auf tausend Metern Höhe gelegenen Ort vereinigen sich die Flüsschen Pettorina, Cordevole und Fiorentina.

Die ladinischen Gemeinden erlebten eine sehr wechselvolle Geschichte: Bereits um die erste Jahrtausendwende gehörten sie zum Fürstbistum Brixen. Im Rahmen der Säkularisierung und der Auflösung des Fürstbistums fiel der Landstrich im Jahr 1803 an Österreich und nach der Niederlage der Österreicher gegen Napoleon im Jahr 1805 an das Königreich Bayern. Nach dem von Andreas Hofer geführten südtiroler Bauernaufstand wurden die Ländereien im Jahr 1810 dem napoleonischen Italien zugeschlagen. 1813 annektierte Österreich das Umland und erhielt es zwei Jahre später durch den Wiener Kongress auch offiziell zugesprochen. Während des 1. Weltkriegs wurden Ladinien von Italien besetzt und 1919 durch den Vertrag von Saint-Germain dann endgültig der Italienischen Republik zugesprochen und geteilt.



Restaurant Belvedere kurz hinter dem Scheitel der Bergstraße von Selva di Cadore über Colle Santa Lucia nach Rucava in den Belluneser Dolomiten


Wenige Meter weiter parken wir neben dem Restaurant Belvedere, dessen Terrasse sich für einen ausgiebigen und aussichtsreichen Boxenstopp anbietet. Das Belvedere wurde 2005 erbaut und bietet ein tolles Panorama vom Pelmo-Massiv im Osten bis hin zur Civetta Nordwand im Süden.



Bergstraße von Selva di Cadore über Colle Santa Lucia nach Rucava kurz hinter der Scheitelhöhe


Hinter dem Belvedere steigt die Bergstraße noch einmal kurz an und erreicht nach einhundert Metern die tatsächliche Scheitelhöhe, dahinter geht es mit acht bis zehn Prozent bergab Richtung Rucava. Die steile und teilweise senkrechte Hangseite der Nordrampe ist dabei fast durchgängig mit Stahlnetzen gegen Felssturz gesichert.



Tunnel der Bergstraße von Selva di Cadore über Colle Santa Lucia nach Rucava


Hinter dem Abzweig einer Nebenstraße zum Weiler Colcuc durchfahren wir eine tunnelartige Galerie, die Schutz vor Steinschlag und Lawinen bietet, ...



Auf der Nordrampe der Bergstraße von Selva di Cadore über Colle Santa Lucia nach Rucava in den Belluneser Dolomiten


... dahinter schlängelt sich in weit gezogenen Kurven durch ein Waldstück.



Auf der Nordrampe der Bergstraße von Selva di Cadore über Colle Santa Lucia nach Rucava in den Belluneser Dolomiten


Im Mittelteil reduziert sich das Gefälle der SP251 auf etwa fünf bis sechs Prozent und wir umrunden den senkrechten Südwestabsturz des 2.405 Meter hohen Monte Pore.



Auf der Nordrampe der Bergstraße Colle Santa Lucia kurz vor Rucava in den Belluneser Dolomiten


Kurz vor Rucava durchfahren wir dann den mit fünfzehn Prozent steilsten Abschnitt der Bergstraße Colle Santa Lucia. Tief unter uns im Tal fließt der "Torrente Cordevole" und an dessen jenseitigem Ufer taucht oberhalb der Baumspitzen die im Sonnenlicht weiß leuchtende Kirche des Weilers Laste di Sopra der Gemeinde Rocca Pietore auf. Hinter Rucava folgen wir der SR203 nach Cernadoi, von wo aus wir auf der SR48 zum Passo di Falzarego weiter fahren.




Weitere Infos:
http://www.quaeldich.de/











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