Gebirgsstraßen, Pässe, Hellinge und Klimmen
    
Kesselberg
(Kesselbergstraße)
    



Der als "Kesselberg" bezeichnete Abschnitt der Bundesstraße "B11" verbindet den Kochelsee mit dem Walchensee und nutzt dabei die Senke zwischen dem 1.731 Meter hohen Herzogstand im Westen und dem 1.576 Meter hohen Jochberg im Osten. Die Talorte des Kesselbergs sind Kochel am See und Walchensee. Höchster Punkt der Bergstraße ist das auf 859 Metern über NN gelegene Kesselberg-Joch.

Eine erste, bis zu 25 Prozent steile Straße über den Kesselberg gab es bereits im 15. Jahrhundert. Die heutige Trasse entstand in den Jahren 1893 bis 1897 auf Weisung von Prinzregent Luitpold von Bayern. Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Kesselbergstraße mit ihren vierzehn Kehren nach und nach ausgebaut. Diese Kehren sind besonders für Motorradfahrer ein beliebtes Ausflugsziel. Aber da hier in der Vergangenheit illegale Rennen ausgetragen wurden, bei denen wegen Selbstüberschätzung zahlreiche Todesopfer zu beklagen waren, wurde die Kesselbergstraße in Richtung Walchensee an Feiertagen und Wochenenden für Motorräder gesperrt.



Zentrum von Kochel am See unterhalb des Kesselberges


Von Lenggries kommend erreichen wir auf der B11 den nördlichen Talort Kochel am See, den sie als "Mittenwalder Straße" durchquert. Die gut 4.100 Einwohner des am Ostufer des Kochelsees gelegenen, schmucken Ortes leben überwiegend vom Tourismus. Viele Hausfassaden sind mit Lüftlmalereien verziert und die Balkone sind mit Blumen geschmückt.



Zentrum von Kochel am See vor dem Denkmal des Schmieds unterhalb des Kesselberges


In Zentrum passieren wir das von Anton Kaindl geschaffene Denkmal des Schmieds von Kochel. Die hünenhafte Gestalt aus der bayerischen Sagenwelt soll während des Spanischen Erbfolgekriegs den Bauernaufstand angeführt haben, der zur Sendlinger Mordweihnacht des Jahres 1705 führte, in der er als letzter Aufständiger gefallen sein soll.



Mittenwalder Straße in Kochel am See unterhalb des Franz Marc Museums und des Kesselberges


Am Ortsausgang von Kochel am See senkt sich die Mittenwalder Straße und führt durch eine lang gezogene Linkskurve zu den Parkplätzen des oberhalb der Straße gelegenen "Franz Marc Museums".



Idyllisch am Kochelsee gelegener Parkplatz des Franz-Marc-Museums in Kochel unterhalb des Kesselberges


Wir stellen den Roadster auf dem rechts der Straße idyllisch am Kochelsee gelegenen Parkplatz P2 ab...



Franz Marc Museum in Kochel am See unterhalb des Kesselberges


... und spazieren auf dem nach der Mäzenin benannten "Charlotte Mittelsten Scheid-Panoramaweg" durch den Franz-Marc-Park hinauf zum
Franz Marc Museum.

Der am 8. Februar 1880 in München geborene Maler und Grafiker Franz Moritz Wilhelm Marc entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Expressionisten. Im Jahr 1914 kaufte er eine Villa in dem heute zu Kochel gehörenden, nahen Ried und fand gemeinsam mit Kollegen der Künstlergruppe "Blaue Reiter", darunter Wassily Kandinski und August Macke, in Seenähe viele lohnende Motive. Bis zu seiner weltkriegsbedingten Einberufung zum Militär entstanden in Ried die letzten seiner heute weltbekannten Werke. Leutnant Franz Marc fiel am 4. März 1916 in der Nähe von Verdun und wurde auf dem Friedhof von Kochel am See beigesetzt.



Moderner Gebäudeteil des Franz Marc Museums in Kochel am See unterhalb des Kesselberges


Das Museum wurde 1986 gegründet und im Jahr 2008 um einen modernen Gebäudeteil erweitert. Mit einer Ausstellungsfläche von 700 Quadratmetern widmet es sich dem Lebenswerk des Künstlers und zeigt neben den Exponaten der Franz Marc Stiftung auch Werke seiner Zeitgenossen.



Altjoch-Straße bei Kochel am See kurz vor dem Walchensee-Kraftwerk unterhalb des Kesselberges


Wieder zurück am Parkplatz setzen wir unsere Fahrt auf der Kesselbergstraße fort, die gut ausgebaut und fast gradlinig dem Ostufer des Kochelsees folgt. Nach etwa zwei Kilometern biegen wir rechts ab, folgen der Straße zum Kocheler Ortsteil
Altjoch und passieren den Campingplatz Kesselberg. Die Straße läuft direkt auf den Berg Herzogstand zu...



Walchenseekraftwerk bei Kochel am See unterhalb des Kesselberges


... und erreicht nach einem Kilometer das Walchenseekraftwerk, das zu den größten und ältesten Wasserkraftwerken Deutschlands zählt. Das bei seinem Bau sehr umstrittene Kraftwerk wurde nach den Plänen von Oskar von Miller gebaut und 1924 fertiggestellt. Seine ursprüngliche Leistung betrug 124 Megawatt, heute liegt die Jahresleistung bei über 300 Gigawattstunden.

Das Hochdruckspeicherkraftwerk nutzt den Höhenunterschied zwischen dem Walchensee und dem 200 Meter tiefer gelegenen Kochelsee: Über sechs 400 Meter lange, unter dem Kesselberg verlaufende Druckrohrleitungen stürzt das Walchenseewasser in die Tiefe und treibt die Turbinen im Maschinenhaus am Kochelsee. Das Walchenseekraftwerk erhielt 1983 den Status eines geschützten Industriedenkmals, das kostenlos besichtigt werden kann. Im Informationszentrum gegenüber dem historischen Kraftwerksgebäude wird den Besuchern anhand von Turbinenmodellen und interaktiven Darstellungen das Prinzip der Wasserkraftnutzung verdeutlicht. 



Im unteren Teil der Kesselbergstraße zwischen Kochel am See und dem Scheitel des Kesselberges


Zurück auf der Kesselbergsstraße folgen wir dieser durch die ersten Kurven. Fahrerisch ist der Kesselberg trotz seiner zahlreichen Kehren eher uninteressant, denn die Bergstraße ist wegen vieler schwerer Unfälle durchgängig auf 60 km/h begrenzt und es besteht zudem ein absolutes Überholverbot. Die Polizei überwacht regelmäßig die Einhaltung der Beschränkungen!



Steinschlagsicherungen oberhalb der Kesselbergstraße zwischen Kochel am See und dem Kesselberg-Scheitel


Mit Hilfe mehrerer Kehren quert die Kesselbergstraße zweimal den Nordwestabfall des Jochberges und gewinnt mit 5-8 Prozent Steigung schnell an Höhe. Oberhalb der steilen Felsabstürze ist die Fahrbahn mit riesigen Stahlnetzen gegen Steinschlag gesichert.



Gesicherte Fahrspuren der Kesselbergstraße zwischen Kochel am See und dem Kesselberg-Scheitel


In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts fanden am Kesselberg nationale und internationale Bergrennen für Rennwagen, Tourenwagen und Motorräder statt. Das erste Rennen wurde im Rahmen der "Deutsche Automobilwoche 1905" organisiert. Rennteilnehmer waren neben vielen anderen Rennsportgrößen die Austro-Daimler- und Silberpfeil-Piloten Rudolf "Karratsch" Caracciola und Bergrennkönig Hans Stuck. Das letzte Kesselberg-Bergrennen wurde 1935 ausgetragen.



Aussichtsreicher Parkplatz der Kesselbergstraße zwischen Kochel am See und dem Kesselberg-Scheitel


Sieben Kilometer hinter Kochel am See erreichen wir einen rechts der Straße gelegenen Parkplatz, der mit Ferngläsern bestückt ist und von dem aus...



Blick vom Parkplatz der Kesselbergstraße auf den Kochelsee


... man eine schöne Aussicht auf den malerischen Kochelsee, die Ortschaft Schlehdorf am Gegenufer und auf die Hügel des Alpenvorlandes hat.



Gerade zum Schlussanstieg der Kesselbergstraße zwischen Kochel am See und dem Kesselberg-Scheitel


Hinter dem Parkplatz folgt eine Gerade, die zum Schlussanstieg führt, ...



Baustelle im Schlussanstieg zum Scheitel des Kesselberges


... in dem wir aber vor einer rot zeigenden Baustellen-Ampel erst einmal anhalten müssen, weil eine Fahrbahnseite von Baufahrzeugen belegt ist. Mit schweren Maschinen wird am Hang abbruchgefährdetes Gestein abgemeißelt, um die Straßennutzer vor Steinschlag zu schützen. Nachdem der Gegenverkehr die Baustelle durchfahren hat, rollen wir durch den Gesteinsstaub langsam bergauf.



Scheitel des Kesselberges oberhalb von Kochel am See und Walchensee


Hinter der Baustelle passieren wir dann den wartenden Gegenverkehr, der sich bis zum Scheitelpunkt der Bergstraße, dem 859 Meter hoch gelegenen Kesselberg-Joch zurück staut.



Blick von der Südrampe des Kesselbergs auf den Walchensee


Hinter dem Scheitel führt die Kesselbergstraße durch vier Kehren mit teilweise schönen Ausblicken bergab...



Kesselbergstraße in Urfeld am Ufer des Walchensees


... nach Urfeld am Nordufer des Walchensees. Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts existierte hier ein Gasthaus zur Versorgung der Fuhrleute und Reisenden. Nach der Fertigstellung der neuen Kesselbergstraße wurde Urfeld vorübergehend zum Refugium deutscher Künstler, Wissenschaftler und Politiker, aber mit dem Bau mehrerer Hotels und dem danach einsetzenden Tourismus war es mit der Ruhe in Urfeld bald vorbei.



Kesselbergstraße am Ufer des Walchensees hinter Urfeld vor einer Lawinengalerie


Hinter der Ortschaft folgt die stark befahrene B11 dem Ufer des Walchensees, passiert eine Murengalerie, ...



Kesselbergstraße zwischen Urfeld und Walchensee


... und führt als "Seestraße" aussichtsreich zur Ortschaft Walchensee, ...



Talstation der Herzogstandbahn seitlich der Kesselbergstraße in Walchensee



... an deren Ortseingang wir ein Hinweisschilder der Herzogstandbahn sehen. Das interessiert uns. Wir parken den MX-5 auf einem der großen, stark frequentierten Wiesenparkplätze und spazieren zur Talstation der Seilbahn, die 1994 als Ersatz für einen Sessellift in Betrieb ging. Der Andrang ist groß, aber wir nehmen die 30-minütige Wartezeit in Kauf, denn wir wollen...



Gondel der Herzogstandbahn in Walchensee unterhalb des Kesselberges


... mit einer der beiden Kabinen der Herzogstandbahn hinauf zur Bergstation auf dem Fahrenberg, ...



Herzogstandhäuser oberhalb der Kesselbergstraße und des Walchensees


... von wo aus ein fast ebener Wanderweg zum nahen Berggasthaus Herzogstand führt. Das auf 1.575 Metern Höhe gelegene Gasthaus wurde in den Jahren 1991 und 1992 errichtet, weil im Jahr 1990 die seit 1857 hier vorhandenen Herzogstandhäuser bis auf die Grundmauern niederbrannten.



Denkmal für König Ludwig II vor den Herzogstandhäusern oberhalb der Kesselbergstraße bei Walchensee


Vor dem Berggasthaus erinnert ein Denkmal daran, dass der Herzogstand der Lieblingsberg von König Ludwig II. war. Es wurde von der Gemeinde Kochel am See und vom König-Ludwig-Club aus München am 13. Juni 1986 anlässlich des 100. Todestages des beliebten Königs errichtet.



Aussicht von den Herzogstandhäusern auf den Walchensee


Von hier oben genießen wir ausgiebig den tollen Blick auf den von dem Obernachkanal und dem Rißbachstollen gespeisten Walchensee und auf die dahinter aufragenden Gipfel des Karwendelgebirges.



Seestraße in Walchensee unterhalb des Kesselberges


Zurück im Tal folgen wir der Seestraße durch den Luftkurort Walchensee und passieren die im Jahr 1603 erbaute katholische Kirche St. Jakob. Hinter Walchensee führt die B11 durch ein Waldstück und erreicht nach drei Kilometern den Ort Einsiedl an der Südspitze des Walchensees. Hier verlassen wir die in südlicher Richtung weiter nach Wallgau führende Bundesstraße...



Mautstraße Jachenau am Südufer des Walchensees


... und biegen nach links auf die deutlich ruhigere Mautstraße in die Jachenau ab. An der kleinen Mautstation entrichten wir die Tagesmaut in Höhe von 4 Euro und genießen dann die Fahrt durch das Landschaftsschutzgebiet Walchensee.



An der Mautstraße Einsiedl-Jachenau am Südufer der Walchensees


Entlang der schmalen Straße besteht Halteverbot, aber es gibt mehrere direkt am Seeufer gelegene Schotterparkplätze, wo man den Wagen gebührenfrei abstellen kann. Jedenfalls an Werktagen.



Badestelle seitlich der Mautstraße Einsiedl-Jachenau am Südufer des Walchensees


An sonnigen Wochenenden sind nicht nur die Parkplätze bereits am Vormittag restlos belegt, dann findet man an den idyllisch gelegenen Badestellen am Südufer des Walchensees auch schwer einen freien Platz für das Badetuch.


Also genießen Sie das Bad in dem für Motorboote gesperrten See wie wir.
An einem Werktag!
Es lohnt sich!
Der türkisgrüne Walchensee hat Trinkwasserqualität!




Weitere Infos:
https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/











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