Gebirgsstraßen, Pässe, Hellinge und Klimmen
    
Radstädter Tauernpass
    



Der sehr gut ausgebaute Radstädter Tauernpass verbindet Mauterndorf im Lungau mit Radstadt im Ennstal. Bereits die Kelten kannten den Übergang durch die Tauern. Die Römer bauten den Passweg zu einer Heerstraße aus, um schnell die Nordgrenze zu Germanien erreichen zu können. Im Mittelalter spielte der Radstädter Tauern eine große Rolle als Handelsweg: Salz und Wein waren die wichtigsten Handelsgüter auf dieser Nord-Süd-Fernverbindung, die von Salzburg über Radstadt nach Mauterndorf, dann über den Katschbergpass nach Gmünd in Kärnten und über Spittal an der Drau nach Villach und Triest führte. Die Passstraße nutzt die natürliche Senke zwischen dem westlich gelegenen, 2.501 Meter hohen Großen Pleißlingkeil in den Radstädter Tauern und der 2.350 Meter hohen Seekarspitze der Schladminger Tauern im Osten.



Auf der B99 unterwegs Richtung Mauterndorf und Twenger Talpass


Vom Katschbergpass kommend folgen wir in St. Michael im Lungau weiter der als österreichische Bundesstraße 99 ausgeschilderten "Katschberg Straße" nach Mauterndorf. Hier beginnt die Südrampe des Radstädter Tauernpasses, deren unterer Teil von Mauterndorf über Tweng zu dem von uns gesondert beschriebenen Twenger Talpass führt, der knapp drei Kilometer hinter Tweng mit 1.381 Metern seine maximale Höhe erreicht.



Auf der Südrampe des Radstädter Tauernpasses kurz hinter dem Twenger Talpass


Hinter dem Twenger Talpass flacht die Katschberg Straße kurz etwas ab, um dann leicht ansteigend der dritten - und mit mehr als 600 Metern auch der längsten Lawinengalerie der Südrampe zuzustreben, ...



Neben Lawinengalerie Nr 3 auf der Südrampe des Radstädter Tauernpasses kurz hinter dem Twenger Talpass


... die im Sommer umfahren wird und nur während der Wintermonate geöffnet ist.



Felsabstürze seitlich der Südrampe des Radstädter Tauernpasses zwischen Tweng und Obertauern


Die Passstraße steigt hier mit etwa 10 Prozent an und überquert dahinter auf etwa 1.600 Metern Höhe den Gebirgsbach "Lungauer Taurach", der nahe der Scheitelhöhe entspringt und der über Mauterndorf und Tamsweg der Mur zufließt.



Auf der Südrampe des Radstädter Tauernpasses kurz vor Obertauern-Schaidberg


Bei Kilometer 15 flacht die Katschberg Straße wieder ab, passiert das "Appartementhaus Elisabeth"...



Auf der Südrampe des Radstädter Tauernpasses kurz vor der letzten Lawinengalerie  bei Obertauern-Schaidberg


... und erreicht beim "Jugendhotel Schaidberg" die letzte Lawinengalerie, hinter der es erneut mit 10 Prozent bergauf geht.



Obertauern-Schaidberg an der Südrampe des Radstädter Tauernpasses kurz vor der Scheitelhöhe


Hinter der Galerie legen wir an der Abzweigung der Schaidberger Alpenstraße kurz einen Fotostopp ein. Die gepflegt aussehenden Hotels und Appartementhäuser scheinen geschlossen zu sein, denn die zugehörigen Parkplätze sind ungenutzt und die Straßen, Wege und Wiesen menschenleer.



Blick von Schaidberg entlang des Tauernweges hinauf nach Obertauern und die Seekarspitze


Von Schaidberg aus führt der schmale "Tauernweg" hinauf zu den auf der Scheitelhöhe errichteten Hotels von Obertauern, hinter denen die 2.350 Meter hohe Seekarspitze aufragt.



Südliches Ortsschild von Obertauern kurz vor dem Scheitel desRadstädter Tauernpasses oberhalb von Mauterndorf


Zurück auf der Passstraße passieren wir 200 Meter weiter das Ortseingangsschild von Obertauern. Es zieht sich immer mehr zu und die Wolken werden zusehends dunkler. Es sieht nach Regen aus.



Brücke 6 über die Katschberg Straße in Obertauern auf dem Radstädter Tauernpass


Auch hinter dem Ortsschild steigt die Katschberg Straße weiter an und wird hinter der ersten von sechs Skibrücken mit dem Namen "Römerstraße" weitergeführt.



Auf der Südrampe des Radstädter Tauernpasses in Obertauern kurz vor der Scheitelhöhe


Ab hier reihen sich die Hotelbauten und Appartementanlagen aneinander wie auf einer Schnur aufgezogen. Es ist inzwischen Mittag geworden und Zeit für einen Boxenstopp. Aber wo? Anfang September erscheint auch die Scheitelhöhe wie ausgestorben und die Hotels und Restaurants sind geschlossen.



Restaurant Taverne in Obertauern kurz vor dem Scheitel des Radstädter Tauernpasses


Kurz vor der Passhöhe sehen wir dann bei leicht einsetzendem Regen vor dem Hotel-Restaurant Taverne zwei geparkte Pkw und ein Trike. Und eine geöffnete Eingangstür. Die Taverne hat geöffnet! Wir werden freundlich empfangen und zuvorkommend bedient. Und noch wichtiger: Die Küche der Taverne ist ausgezeichnet und das Trike gehört dem Besitzer!

Der k. u. k. Regierungsrat und Leiter des Salzburger Intelligenzblattes Franz Michael Vierthaler machte bei seiner Wanderung über den Tauernpass um das Jahr 1800 deutlich schlechtere Erfahrungen mit der Tauern-Gastronomie und beschrieb das damals einzige Gasthaus auf dem Scheitel sehr negativ: "... so wenig einladend das Äußere, so wenig befriedigend das Innere des Hauses". Gut dass diese Zeiten lange vorbei sind.



Scheitel des Radstädter Tauernpasses in Obertauern nahe dem Alpenhotel Perner und der Pension Gloria


Eine gute Stunde später sind wir zurück auf der inzwischen abgetrockneten Römerstraße und erreichen nach zweihundert Metern nahe dem Alpenhotel Perner und der Pension Gloria die Scheitelhöhe des Radstädter Tauernpasses.

Viel zu sehen gibt es hier oben im Sommer nicht. Das Hoteldorf Obertauern ist DER Wintersportort der Region und seit den 1950er Jahren bekannt für seine Schneesicherheit von November bis Mai. Neben den vielen Hotels mit fast zehntausend Gästebetten findet man hier jede Menge Restaurants, Apres-Ski-Bars, Sportgeschäfte, Skischulen und Skiverleihe. Wintersportlern stehen im Skigebiet Obertauern 26 Skilifte und Sesselbahnen, über 100 Kilometer präparierte Skipisten und 5 Langlaufloipen mit Längen bis zu 23 Kilometern zur Verfügung. Und zum Schutz all dessen jede Menge rostige Lawinenverbauungen, die im Sommer die Landschaft verunstalten, im Winter jedoch für den notwendigen Schutz sorgen und dann kaum zu sehen sind. Wie im Beatles-Film "Help" aus dem Jahr 1965, dessen winterliche Szenen hier oben gedreht wurden.



Auf der Nordrampe des Radstädter Tauernpasses vor der Brücke 5 in Obertauern


Zurück zur Straße: Hinter dem Scheitel geht es auf der Nordrampe mit 8-10 Prozent Gefälle am "Sporthotel SnowWhite" bei Skibrücke Nr. 5 und dem tiefer gelegenen "Hotel Römerhof" vorbei...



Auf der Nordrampe des Radstädter Tauernpasses kurz vor dem Alpenhotel Tauernkönig und der Talstation der Grünwaldkopfbahn


... zum "Alpenhotel Tauernkönig" bei Skibrücke Nr. 2 und der Talstation der Grünwaldkopfbahn im Ortsteil Wisenegg.



Filialkirche hl Petrus in Obertauern Wisenegg nahe dem Tauernhaus an der Nordrampe des Radstädter Tauernpasses


Unmittelbar dahinter passieren wir die römisch-katholische Filialkirche Hl. Petrus in Banden, die im frühen 17. Jahrhundert nach den Plänen des schweizer Dombaumeisters Santino Solari im Barockstil erbaut und 1962-1963 erweitert wurde. Solari plante u.a. auch den Salzburger Dom, das Lustschloss Hellbrunn und die Marktkirche in Wagrain. Der im Jahr 1515 geweihte und auch "Friedhof der Heimatlosen" genannte Tauernfriedhof befindet sich nicht hier sondern oben auf der Scheitelhöhe. Gegenüber der Kirche steht das Tauernhaus Wisenegg aus dem Jahr 1573.



Verabschiedung von Obertauern an der Nordrampe des Radstädter Tauernpasses oberhalb von Radstadt


Sechshundert Meter hinter der Kirche verabschiedet sich nahe der Weningeralm an Skibrücke Nr. 1 der Ort Obertauern von uns. Durch zwei weite Kurven geht es nun mit bis zu 13 Prozent flott bergab. Zwischen den Gipfeln von Zehnerkarspitze (2.382 m) und Gamsspitzl (2.340 m) im Süden sowie der Seekarspitze (2.350 m) im Nordosten hindurch passieren wir die Gottschallalm und die Felseralm.



Nordrampe des Radstädter Tauernpasses im Taurachtal zwischen Obertauern und Radstadt


Die Nordrampe folgt dabei der Pongauer Taurach, die unterhalb der Seekarspitze nahe der Scheitelhöhe des Radstädter Tauern entspringt und die bei Radstadt in die Enns mündet.



Nordrampe des Radstädter Tauernpasses zwischen Obertauern und Untertauern


Hinter der auf 1.280 Metern Höhe gelegenen Gnadenalm und dem Gnaden-Wasserfall verengt sich das Tal immer mehr und die Abhänge werden schroffer.



Zwischen den Kalkwänden der Taurach-Schlucht an der Nordrampe des Radstädter Tauernpasses kurz vor Untertauern


Die Taurach hat sich hier tief in den Fels geschnitten. Zwischen den senkrecht abstürzenden Kalkwänden von Hirschwand und Koppenwand zwängen sich Gebirgsbach und Straße durch die enge Taurachklamm...



Nordrampe des Radstädter Tauernpasses bei Untertauern neben einem römischen Meilenstein


... und erreichen kurz daurauf die Gemeinde Untertauern. Früher existierte in dem knapp 300 Einwohner zählenden Ort eine Poststation, heute erinnert der rechts der Straße vor dem Ortseingang zu sehende römische Meilenstein aus der Zeit von Kaiser Septimus Serverus (193–211) daran, dass die Römer durch die schmale Gebirgsscharte der Niederen Tauern eine Heerstraße anlegten, an der nahe der Scheitelhöhe sogar eine römische Mansio existierte, in der man rasten, übernachten und die Pferde wechseln konnte.



Nordrampe des Radstädter Tauernpasses im weiten Taurachtal zwischen Untertauern und Radstadt


Hinter Untertauern schwingt die Katschberg Straße mit leichtem Gefälle durch das nun immer weiter werdende Taurachtal hinunter Richtung Radstadt, ...



Die Katschberg Straße über den  Radstädter Tauernpass erreicht den nördlichen Talort Radstadt


... das wir 20 Kilometer hinter der Scheitelhöhe erreichten. Auf der Katschberg Straße überqueren wir die obere Enns...



Blumengeschmücktes Zentrum von Radstadt unterhalb des Radstädter Tauernpasses im Salzburger Land


... und lassen dann im blumengeschmückten Zentrum von Radstadt den Tag gemütlich ausklingen.




Weitere Infos:
http://www.quaeldich.de/











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