Gebirgsstraßen, Pässe, Hellinge und Klimmen
    
Sellajoch - Col de Toi
(Passo Sella, Jeuf de Sela)
    



Die Bergstraße "Strada Statale 242 di Val Gardena e Passo Sella" (SS242) über das Sellajoch verläuft westlich des mächtigen Felsmassivs der Sellagruppe und verbindet die ladinische Gemeinde St. Christina im Grödner Tal (Val Gardena) mit Canazei im oberen Fassatal (Val di Fassa). Der Scheitel des im italienischen Sprachraum "Passo Sella" und von den ladinisch sprechenden Talbewohnern "Jeuf de Sela" genannten Sellajochs liegt zwischen der Grohmannspitze (Punta Grohmann, 3.126 m) und dem Innerkoflerturm (Piza Innerkofler, Plan de Sass, 3.054 m) im Westen, dem Col Rodella (2.484 m) im Südwesten sowie den Sellatürmen (2.940 m) im Osten.
Die Orts- und Hinweisschilder sind hier dreisprachig: Neben den deutschen bzw. südtiroler Namen sind auch die italienischen und ladinischen Bezeichnungen aufgeführt.

Die Passstraße über das Sellajoch wurde 1872 erbaut. Zwölf Jahre später errichtete Carlo Valentini zur Versorgung von Reisenden unterhalb der Scheitelhöhe und wenige Meter südlich der Straße das nach ihm benannte Berghaus Rifugio Carlo Valentini al Passo Sella, das sich auch heute noch im Besitz der Familie Valentini befindet. Im Jahr 1896 folgte das etwas unterhalb des Rifugio Valentini auf 2.180 Metern gelegene Sellajochhaus des Deutsch-Österreichischen Alpenvereins sowie im Jahr 1934 das Albergo Maria Flora auf der Scheitelhöhe.



Auf derSS242 zum Sellajoch kurz hinter dem Abzweig der SS243 zum Grödner Joch in den Dolomiten


Zusammen mit dem Grödner Joch, dem Pordoijoch und dem Passo di Campolongo ist das Sellajoch heute Teil der für ihre Aussicht berühmte und fahrerisch anspruchsvolle "Sellarunde". Für Überfahrten während der Hauptreisezeit Juli und August empfiehlt es sich, Informationen über die Befahrbarkeit des Sellajochs einzuholen: Aus Umweltschutzgründen war die Bergstraße im Jahr 2017 für den motorisierten Verkehr jeweils Mittwochs komplett gesperrt, 2018 war die Überfahrt zwischen 09:00 Uhr und 16:00 Uhr stark kontingentiert. Kostenlose Berechtigungskarten erhielt man nur solange dieses Limit noch nicht erreicht war und erlaubten die Überfahrt nur zur vorgegebenen Uhrzeit.

Nachdem wir im Sommer 2018 wegen dieser Kontingentierung die Sellarunde nicht komplettieren konnten, sind wir dieses Jahr vor der Hauptferienzeit und somit vor einer möglichen Streckenbeschränkung vor Ort und fahren die Sellarunde entgegen dem Uhrzeigersinn. Vom Grödner Joch kommend erreichen wir oberhalb von Plan de Gralba die Einmündung der "Strada Statale SS243 del Passo Gardena" (SS243) in die von Wolkenstein heraufkommende "Strada Statale 242 di Val Gardena e Passo Sella" (SS242), auf die wir links abbiegend auffahren.



Auf der SS242 zum Sellajoch kurz hinter dem Hotel Miramonti in den Dolomiten


Die vor uns liegende Westrampe der SS242 zum Sellajoch verläuft zunächst mit sechs bis acht Prozent Steigung durch zwei weit gezogene Kurven auf die im Osten von Plan de Gralba steil aufragenden Felswände von Piz Miara (2.964 m) und Piz Gralba (2.972 m) zu.



Auf der SS242 in dem Bogen unterhalb des Piz Breguz zwischen Plan de Gralba und dem Sellajoch


Unterhalb des 2.974 m hohen Piz Breguz dreht die Sellajochstraße dann mit einem weiten Bogen in südliche Richtung und folgt nun deutlich flacher verlaufend, sehr gut ausgebaut und mit seitlichen Absturzsicherungen versehen dem Fuß des Sella-Massivs.



Auf der SS242 zum Sellajoch kurz vor dem Rifugio Passo Sella unterhalb der Scheitelhöhe


Hinter einem Waldstück erhöht sich die Steigung dann wieder auf sechs bis neun Prozent, ...



Steilster Abschnitt der Westrampe der Sellajochstraße kurz vor dem Rifugio Passo Sella unterhalb der Scheitelhöhe


... um kurz darauf das bei elf Prozent liegende Maximum der Westrampe zu erreichen. Die Szenerie verliert nun etwas von ihrem Glanz: Über die Fahrbahn läuft jede Menge Schmelzwasser und dunkle Regenwolken schieben sich vor die fast im Zenit stehende Sonne.



Blick von derSS242 kurz vor dem Sellajochhaus auf die Grohmannspitze, die Fünffingerspitze und das Langkofeleck in den Dolomiten


Kurz darauf taucht das Langkofelmassiv aus: Von links sehen wir die Grohmannspitze (Punta Grohmann, 3.126 m), die Fünffingerspitze (Punta delle Cinque Dita, 2.996 m) und das mächtige Langkofeleck, den etwa 100 Meter niedrigeren Südostgipfel vor dem lang gestreckten Langkogel-Hauptgipfel (Sasso Lungo, 3.181 m).



Chalet Sella und Sellajochhaus an derSS242 zwischen Plan de Gralba und dem Sellajoch in den Dolomiten


Fünf Kilometer hinter Plan de Gralba erreicht die SS242 das auf 2.180 Metern Höhe gelegene Sellajoch mit dem Vier-Sterne-Hotel Passo Sella Dolomiti Ressort. Hier stand ursprünglich das auch unter dem Namen "Rifugio Passo Sella" bekannte, im Jahr 1896 erbaute Sellajochhaus, das jedoch für den Neubau des in den Jahren 2013/2014 an gleicher Stelle errichteten Passo Sella Dolomiti Ressort abgerissen wurde. Das moderne Gebäude verfügt über 24 Zimmer und bietet seinen Gästen neben dem "Chalet Sella" auch ein Restaurant mit Snackbar, einen überdachten Swimmingpool sowie Dampfbad und Sauna.

Hinter dem Hotel führt eine ungewöhnliche Seilbahn vom Sellajoch hinauf zur 500 Meter höher gelegenen Langkofelscharte: Die kleinen Gondeln der Telecabina Passo Sella Forcella Sassolungo fassen jeweils nur zwei Personen, die stehend befördert werden. Bergstation ist die Toni Demetz Hütte, von der aus zahlreiche Kletterrouten mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden auf den Toni-Demetz-Turm, die Fünffingerspitze und den Langkofel führen.



Auf der Westrampe der Sellajochstraße zwischen dem Sella Mountain Ressort und der Scxheitelhöhe


Hinter dem Sellajoch wendet sich die Nordwestrampe nun nach Osten und steigt mit bis zu acht Prozent weiter Richtung Scheitelpunkt der Passstraße an.



Westrampe zum Sellajoch vor der Grenze zwischen Südtirol und Trentino und Venetien unterhalb der Scheitelhöhe in den Dolomiten


Auf dem folgenden, bis zu sechs Prozent steilen Schlussanstieg überfahren wir die Provinzgrenze zwischen Südtirol und Trentino und haben einen tollen Blicke auf die die südwestliche Ecke des Sellamassivs bildenden Sellatürme, unter denen wir den "Col de Toi" genannten 2.244 Meter hohen Scheitelpunkt der Sellajochstraße vor uns sehen.



Enge Scheitelhöhe des Sellapasses mit dem Albergo Maria Flora Auf derSS242 zum Sellajoch kurz hinter dem Hotel Miramonti in den Dolomiten


Auf der Südseite der Scheitelhöhe findet man das Passschild und dahinter einen Souvenirshop, gegenüber steht das Berghotel Maria Flora, dessen Restaurant gut besucht ist. Parken können wir hier nicht, denn die einzigen freien Parkplätze trennt eine etwa zwanzig Zentimeter hohe Kante von der Straße: Zu viel für die Bodengruppen unserer Roadster. Und wohl auch für viele andere PKW, deshalb auch nicht belegt. Zwangsläufig verzichten wir auf die hier vorgesehene Mittagspause...



Ostrampe der Passstraße zum Sellajoch kurz hinter dem Scheitel Col de Toi mit Blick auf den Piz Boe in den Dolomiten


... und fahren ohne Halt über den Scheitel hinweg auf die Ostrampe, die durch zehn Kehren hinunter nach Plan de Schiavaneis und der Großen Dolomitenstraße "SS48" zum Pordoijoch führt und nach weiteren elf Kehren den Ort Canazei erreicht.



Blick von der Ostrampe der Sellajochstraße auf das Sellamassiv und die Gletscher der Marmolada in den Dolomiten


Aus den oberen Kehren haben wir trotz der immer dichter und dunkler werdenden Wolken tolle Ausblicke auf die Ostwände des Sellamassivs mit dem höchsten Gipfel Piz Boe (3.152 m) und auf die etwas weiter entfernten Gletscher der "Königin der Dolomiten", der 3.343 Meter hohen Marmolada.



In den oberen Kehren der Passstraße zum Sellajoch zwischen der Scheitelhöhe und Plan de Schiavaneis in den Dolomiten


Die Kehren - hier Kehre zwei - der nun zwischen sechs und neun Prozent abfallenden Ostrampe sind breit angelegt, so dass entgegenkommende Fahrzeuge problemlos passiert werden können.



Blick aus Kehre 3 der Passstraße über das Sellajoch auf die Gipfel der Rosengartengruppe


Bei Kehre Nr. 3 ergibt sich ein phantastischer Ausblick auf die westlichen Gipfel der Marmolada-Gruppe, darunter der 2.534 Meter hohe Crepa Neigra und der 2.436 Meter hohe Col Bel sowie auf die Gipfel der Rosengartengruppe mit Rotwand (Roda di Vael, 2.806 m), Tscheiner Spitze (Cima la Sforcella, 2.810 m) und Rosengartenspitze (Cima Cationaccio2.981 m).



Zwischen Kehre 4 und 5 auf der SS242 vom Sellajoch Richtung Canazei


Vor Kehre Nr. 4 erreichen wir die Baumgrenze...



Auf der Geraden zwischen den Kehren 6 und 7 der Passstraße vom Sellajoch nach Plan de Schiavaneis in den Dolomiten


... und bei der mit acht Prozent Gefälle auf Kehre Nr. 5 zulaufenden Zwischengeraden nimmt der Bewuchs seitlich der Passstraße deutlich zu: Zirben und Nadelbäume krallen sich hier in die aus der Südwand des 2.828 Meter hohen Piz Ciavazes herausgebrochenen Gesteinshalden.



Auf der Ostrampe der Passstraße vom Sellajoch nach Canazei auf 2.000 Metern Höhe


Hinter Kehre Nr. 7 zeigt uns ein braunes Schild, dass wir auf 2.000 Meter Meereshöhe angekommen sind.



Auf der Ostrampe der Sellajochstraße vor Kehre Nr 8 kurz vor Plan de Schavaneis in den Dolomiten


Vor Kehre Nr. 8 fahren wir auf ein Trio mit schwer beladenen Tourenmotorrädern auf und passieren kurz darauf die Plan de Schiavaneis mit dem Ristorante Pian Schiavaneis und dem Rifugio Monte Pallidi, von denen aus der als "schwer" eingestufte Klettergarten Pian Schiavaneis schnell erreicht werden kann.



Auf der SS242 vom Sellajoch nach Canazei vor Kehre 10 mit dem Hinweis auf die SS48 zum Pordoijoch in den Dolomiten


Vor Kehre 10 kündigt ein Verkehrsschild die von Canazei heraufkommende Große Dolomitenstraße "Strada Statale 48 delle Dolomiti" (SS48) an. Die 110 Kilometer lange Ferienstraße wurde im Jahr 1909 eröffnet und führt aussichtsreich von Meran über Bozen, Canazei und Arabba nach Cortina d'Ampezzo und überwindet dabei den Karerpass, das Pordoijoch und den Falzarego-Pass.



Einmündung der Sellajochstraße in die Große Dolomitenstraße oberhalb von Canazei in den Dolomiten


Wenige Meter weiter und insgesamt sieben Kilometer hinter der Scheitelhöhe trifft die Sellajochstraße auf eine Rechtskehre dieser SS48. Wir haben hier die Qual der Wahl: Bergab geht es in den fünf Kilometer entfernten Talort Canazei, bergauf zum sieben Kilometer entfernten Pordoijoch. Da wir die Sellarunde noch komplettieren möchten und am Abend im Kärntner Lesachtal erwartet werden, verzichten wir auf die Abfahrt ins Tal und folgen der SS48 bergauf Richtung Pordoijoch und Arabba.




Weitere Infos:
https://www.suedtirol-kompakt.com











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